Flugzeuge aus dem Schuppen

Geschichte Experte Karl-Dieter Seifert kennt die Chemnitzer Luftfahrt-Pioniere

Chemnitz. 

Bei Pionieren der Luftfahrt denkt man zwangsläufig an Otto Lilienthal oder die Brüder Wright. "Doch auch in Chemnitz gab es Anfang des 20. Jahrhundert viele engagierte Wegbereiter der motorisierten Luftfahrt", weiß Karl-Dieter Seifert. "Chemnitz strebte schon immer an die Spitze, wenn es um Innovationen ging", lautete die Eingangsthese des 81-Jährigen, die er anschließend mit Beispielen untermauerte. "Einer der ältesten deutschen Luftfahrtvereine wurde hier in der Stadt gegründet. Mitglieder waren unter anderen Paul Spiegel, Max Schüler oder Hans Kluge, der seinen ersten Doppeldecker in einem kleinen Schuppen zusammenbaute." Der erste ernst zunehmende industrielle Versuch sei jedoch aus den Phönix Fliegerwerken hervorgegangen und sollte damals 9.000 Mark kosten. "Die Bemühungen der Luftfahrt-Pioniere blieben allerdings ohne Erfolg, weil es keine Kunden und somit auch keine Aufträge gab. Und der militärische Jahresbedarf betrug nicht mehr als 200 Flugzeuge. So wurde vor der Neugründung weiterer Fabriken ausdrücklich gewarnt", so Seifert. "Erst die Entwicklung von Flugzeugmotoren verschaffte der Chemnitzer Luftfahrtindustrie wieder deutlichen Aufwind. Firmen wie Schneeweis, Escher oder Riedel-Motoren agierten in den Folgejahren als Zulieferer, sogar Lederhandschuhe für Luftfahrtschiffer kamen aus Chemnitz", schmunzelt Seifert, der über die Ära der Auto Union und Wanderer Werke eine Brücke bis ins 21. Jahrhundert schlug. "Auch heute noch wird die Luftfahrtindustrie von Chemnitzer Unternehmen beliefert."