Geburtenknick: Droht einer Kita aus Frankenberg das Aus? Entscheidung fällt Ende 2025

Weniger Kinder, leere Plätze - Demografischer Wandel zwingt Stadt zur Neuausrichtung der Kinderbetreuung mit eventuellen Schließungen

Frankenberg/Sa.

Die Stadt Frankenberg steht vor einem tiefgreifenden Wandel in der Kinderbetreuung. Der drastische Rückgang der Geburtenzahlen - von über 100 Kindern jährlich auf aktuell nur noch rund 55 - hat bereits jetzt erhebliche Auswirkungen auf die Auslastung der Kindertagesstätten.

Aktuell stellt die Stadt 233 Krippen- und 502 Kindergartenplätze bereit - doch viele davon bleiben ungenutzt. Schon heute sind 99 Krippen- und 60 Kindergartenplätze mehr vorhanden als benötigt. Ohne strukturelle Änderungen könnte dieser Überhang bis zum Schuljahr 2030/31 sogar auf 126 Krippen- und 279 Kindergartenplätze anwachsen.

Kita "Windrädchen" besonders betroffen - kaum Anmeldungen für Krippenjahr 2026/2027

Ein besonderer Brennpunkt ist die Kita "Windrädchen" im Ortsteil Mühlbach. "Diese Einrichtung mit sportlichem Profil, dörflichem Charakter, engagiertem Elternrat und sehr gutem Personal hat aktuell so geringe Anmeldezahlen im Krippenbereich, dass dort voraussichtlich keine Krippengruppe mehr gebildet werden kann", so Bürgermeister Oliver Gerstner. Für das Kita-Jahr 2026/27 gibt es bislang nur zwei Krippenanmeldungen - zu wenig. Die Folge: Ein Fortbestand des Standorts ist in dieser Form kaum realisierbar.

Für einen stabilen Betrieb sind jährlich mindestens fünf bis zehn Krippenanmeldungen erforderlich. Wird diese Mindestzahl nicht erreicht, fehlt nicht nur die strukturelle Grundlage für eine Gruppe, sondern auch das Personal, um die Betreuungszeiten von 6 bis 17 Uhr abzudecken - denn die zur Verfügung stehenden Arbeitsstunden richten sich nach dem tatsächlichen Betreuungsbedarf der angemeldeten Kinder.

Entscheidung zur Schließung fällt Ende 2025

Ein Arbeitskreis im Stadtrat befasst sich intensiv mit der Thematik. Zwar ist eine Schließung derzeit offiziell noch nicht beschlossen, die Prognose der Verwaltung geht jedoch in Richtung Auflösung der Kita "Windrädchen", wie Bürgermeister Oliver Gerstner bestätigte.

Wenn Schließung - Wann?

Die finale Entscheidung ist für Ende 2025 vorgesehen. Im Falle einer Schließung würde diese zum Schuljahresbeginn erfolgen, sodass ein Übergang der Kinder in andere Einrichtungen bzw. in die Grundschule nahtlos gestaltet werden kann.

Personal könnte mit Kindern wechseln - keine Kündigungen geplant

Die Stadt setzt auf sozialverträgliche Lösungen. So sollen Erzieherinnen und Erzieher nach Möglichkeit mit ihren Kindern in andere Einrichtungen übersiedeln. Auch ein Wechsel in die Einrichtungen der freien Träger ist denkbar. Kündigungen sind aktuell nicht vorgesehen. Bei unbefristeten Arbeitsverhältnissen wird die Stundenanzahl angepasst.

Betreuungsschlüssel im Fokus - doch keine Lösung für die Kita Mühlbach

Die Forderung nach einer Anpassung des Betreuungsschlüssels wird derzeit vermehrt von Erzieherinnen, Erziehern sowie Eltern laut und ist zu einem zentralen Thema in der Diskussion um die Zukunft der Kindertagesstätten geworden.

Auf Anfrage von BLICk.de, ob dies eine mögliche Lösung im Fall der Kita in Mühlbach sei, erklärte der Bürgermeister, dass eine Änderung des Betreuungsschlüssels allein nicht ausreiche, um die Einrichtung zu retten. Aufgrund der sehr geringen Anmeldezahlen sei auch diese Option nicht zielführend.

Demografie als Schlüsselfaktor - kaum neue Familien, kein Neubaugebiet

Die Ursachen liegen in der demografischen Entwicklung. Laut Statistik hat Frankenberg in den letzten zwölf Monaten 72 Einwohner verloren. Es mangelt an jungen Familien - nicht zuletzt, weil keine neuen Baugebiete ausgewiesen wurden und stattdessen viele Häuser leer stehen.

Besorgniserregend: Die Zahl potenzieller Mütter ist seit den 1980er Jahren um fast 50 Prozent gesunken - von 89 auf 45 Frauen pro Geburtsjahrgang. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Eltern und Beschäftigte informiert - keine Tabuthemen

Bürgermeister Gerstner betont, dass Elternrat und Kita-Personal transparent informiert wurden. Ein "Maulkorb" sei nicht verhängt worden. Die Diskussion um die Zukunft der Kita-Landschaft in Frankenberg soll offen und mit Beteiligung der Betroffenen geführt werden.

Kitas als Spiegel - auch in anderen Gemeinden ein ernstzunehmendes Thema

Der mögliche Wegfall der Kita "Windrädchen" steht exemplarisch für die Herausforderungen vieler kleiner Städte in Deutschland. Geburtenrückgang, fehlende Zuwanderung und stagnierende Stadtentwicklung setzen die Infrastruktur der Daseinsvorsorge zunehmend unter Druck.

Die kommenden Monate und Jahre werden zeigen, ob Frankenberg sowie andere Städte und Gemeinden neue Wege in der Familien- und Bildungspolitik einschlagen können, oder ob weitere Einrichtungen dem Schrumpfungsprozess zum Opfer fallen.

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