Gedanken eines Theologen

Vortrag Friedrich Schorlemmer würdigt in Penig die Deutsche Einheit

Der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer hielt am Dienstagabend in Penig anlässlich der Festwoche 500 Jahre Kirchweihjubiläum einen Vortrag zum Thema 25 Jahre Wiedervereinigung. Humorvoll und mit lockeren Sprüchen bewertete Schorlemmer dabei die Entwicklungen vom Wendeherbst 1989 bis in die heutige Gegenwart. Er sprach zahlreiche Verbesserungen an, die die Wiedervereinigung für die ostdeutschen Bürger mit sich brachte und verzichtete nicht auf kritische Töne: "Das Konkurrenzdenken in unserer heutigen Gesellschaft ist zu groß und die notwendige Kooperation zu klein", sagte Schorlemmer. In diesem Zusammenhang gäbe es tatsächlich Dinge, die zu DDR-Zeiten besser funktioniert hätten.

Obwohl der Theologe als DDR-Bürgerrechtler zu den wichtigsten oppositionellen Kritikern des SED-Regimes gehörte, sprach er sich auch in Penig erneut dagegen aus, den Begriff Unrechtsstaat für die DDR zu verwenden. "Der Begriff stellt das komplette Leben von Bürgern der DDR in Frage und das halte ich für unangemessen", begründete Schorlemmer seine Ablehnung.

Auf die Frage, ob die Mauer in den Köpfen noch existiere, antwortete Schorlemmer schlicht und ergreifend: "Die ist erst weg, wenn wir über dieselben Dinge gemeinsam lachen können." Bauchschmerzen, so der 71-jährige Theologe, bekomme er aber beim aktuellen Missbrauch des Slogans der friedlichen Revolution. Das Thema Flüchtlingskrise hielt er sogar für so wichtig, dass er einige Worte dazu seiner eigentlichen Rede voranstellte. Schorlemmer nannte die Flüchtlingskrise die größte Herausforderung seit 1945 und sprach davon, dass der "Ernstfall der Toleranz" jetzt gekommen sei. Auch die Kirche müsse mehr Mut zeigen und über Mitgefühl versuchen, den Menschen das Problem besser zu erläutern.