Gender Mainstreaming: ein Mythos?

Sprache In Freiberg wird über Gleichberechtigung diskutiert

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Birgit Kelle (l.) wird von Veronika Bellmann und Holger Reuter im Brauhof Freiberg begrüßt. Foto: Wieland Josch

Freiberg. Die Journalistin Birgit Kelle ist keine unumstrittene Person, stellt sie sich doch mit ihrem Buch "Gendergaga - Wie eine absurde Ideologie unseren Alltag erobern will" gegen eine Entwicklung, von der sie sagt, dass sie ohne demokratischen Diskussionsprozess der Gesellschaft aufgedrückt wird.

Die Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann und der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes Freiberg Holger Reuter luden Kelle zu einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung in den Freiberger Brauhof ein, wo sie unter der Überschrift "Klartext reden" zu über hundert Gästen sprach. Begleitet wurde der Auftritt von friedlichen Protesten junger Menschen vor dem Gelände.

Geht es noch um Gleichberechtigung?

Drinnen erläuterte Birgit Kelle erst einmal, was unter dem mittlerweile eingebürgerten Begriff "Gender Mainstreaming" verstanden wird. "Es ist ein Mythos, dass es sich dabei um nichts anderes als Gleichstellungspolitik handelt", so Kelle. "Der Begriff Gender bedeutet Geschlecht, gemeint wird damit aber das soziale, und nicht das biologische Geschlecht." Biologisch gibt es zwei Geschlechter, männlich und weiblich. Daran ändere auch jede Wortwahl nichts.

Gender Mainstreaming beschreibe eine politische Handlungsstrategie, beschlossen auf der Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking, allerdings damals unter der Maßgabe von zwei Geschlechtern. "Die wahre Agenda wird aber jetzt sichtbar", sagt Birgit Kelle. "Seit etwa vier Jahren hat sich unter dem Label Geschlecht etwas ganz anderes aufgetan." Konnte man früher bei der Festlegung eines Profils in sozialen Netzwerken nur männlich oder weiblich anklicken, so gebe es jetzt schon 60 Varianten.

"Das hat nichts mehr mit der Gerechtigkeit zwischen Mann und Frau zu tun", so Kelle eindringlich. "Hier wird lediglich die Frage des sexuellen Begehrens aufgetan." Vor allem die Tatsache, dass darüber in Gesellschaft und Politik nie diskutiert wurde, dass es von oben sozusagen verordnet werde, sei nicht akzeptabel. Die Diskussion sei weggelassen worden, man ist bereits direkt in der Umsetzungsphase. Das habe vor allem Auswirkungen auf die Sprache.

"Bescheuerte Schreibweisen"

Das große "I" in den Anredewörtern sei nur der Anfang. Neuerdings gebe es optische Lücken mit Unterstrichen oder Sternchen, damit alle sich angesprochen fühlen sollen. "Und wer benutzt diese bescheuerte Schreibweise?", fragte Kelle und gab gleich die Antwort: "Die Grün*innen." So würde in die Parlamente eine Schreibweise fließen, welche die deutsche Grammatik oder der Duden gar nicht kennen.

In Deutschland würden Studenten dazu genötigt, gendergerechte Arbeiten abzuliefern, da sonst Punktabzug drohe. In Baden-Württemberg solle Gender schon Erstklässlern nahegebracht werden. "Ich lasse mir meine Muttersprache nicht kaputt machen", sagte Kelle. "Vor allem, solange ich sie noch so nennen darf." Ignoriere man weiter, dass es lediglich zwei Geschlechter gibt, beraube man sich eines großen Potenzials.