Geschichte im Klassenzimmer

Performance Schauspieler bringen Oederaner Zehntklässlern die DDR ein Stückchen näher

Nachdem Claudia von der Schule geflogen ist, findet sie in Bernd einen verständnisvollen Gesprächspartner, der sie rasch an eine andere Schule vermittelt. Was das Mädchen nicht weiß, Bernd arbeitet für die Staatssicherheit der DDR. Diese subtile Werbung war eine der Szenen, die drei Schauspieler in der vergangenen Woche in der so genannten Klassenzimmer-Performance in der Mittelschule Oederan zu einer kleinen Geschichte des DDR-Alltags verwoben. Von der Ablehnung zum Studium, weil die Eltern den falschen Beruf hatten, über eine zynische Erklärung des Aufbaus der Grenzbefestigungsanlagen mit dem Mielke-Kommentar, dass man auch treffen sollte, wenn "man schießt", bis hin zur Ausreiseproblematik und den verwirrenden Monaten der politischen Wende 1989 stellten Regina Felber, Thomas Förster und Katja Heiser Begebenheiten dar, die man so erlebt haben kann, aber nicht jeder zwangsläufig erlebt haben muss. Insbesondere bei der sich anschließenden Fragestunde wurde deutlich, dass Geschichte eben auch bedeutet, die jeweiligen Ereignisse im Kontext ihrer Zeit zu sehen. In diesem Zusammenhang ist es mehr als schade, dass die meisten Schüler auf die Frage, ob ihre Eltern mit ihnen über das Leben in der DDR gesprochen hätten, den Kopf schüttelten.

Die Zehntklässler des Geschichtskurses von Marikka Bergmann, die sich freute, dass es ihr gelungen war, das von der Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen unterstützte Projekt nach Oederan zu holen, folgten den Darstellungen, in die sie zum Teil aktiv einbezogen wurden, voller Aufmerksamkeit, und hatten anschließend so manche Frage.