"Große Blase" in der Kunstausstellung in Augustusburg

Turmgalerie Uwe Schwarz kritisiert mit seiner Kunst die Gesellschaft

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"Die große Blase" heißt die Installation, die in der Ausstellung von Uwe Schwarz in der Turmgalerie zu sehen ist. Foto: Ulli Schubert

Augustusburg. Der vor allem im Wahlkampf so genannte kleine Bürger bemerkt das Entstehen einer Blase beispielsweise in der Finanzwelt in aller Regel nicht. Der Besucher der Ausstellung in der Turmgalerie hingegen spürt den Boden vibrieren, sieht die Blase sich langsam füllen und hört nicht zuletzt, wie immer mehr Luft hinein will.

Nein, sie platzt nicht. Schließlich stehen wir hier vor einem Kunstobjekt, geschaffen von Uwe Schwarz aus Lüftungstechnik, Steuerung, Folie und Papier. Die "Große Blase" soll sich ja schließlich auch bei den nächsten Besuchern wieder aufblasen.

Kritik an der Gesellschaft üben

Uwe Schwarz ist ein Künstler, der schon seit langem auf Kritikwürdiges in dieser Gesellschaft oft recht deutlich aufmerksam macht. Erinnert sei an die "Täuscher-Bank", die er anlässlich der "Marktbelebung" im Juli 2010 in Augustusburgs Altstadt vorstellte.

In der derzeitigen Ausstellung sind es Arbeiten, die man so noch nicht sah, wie die Bilder von Menschen mit Masken, gefertigt in Mischtechnik auf einem Stück Bettwäsche mit feiner Borte. Er zeigt Gewalt auf der Bettwäsche (oder darunter?) und in der Tierklinik. Und aus dem gestickten Wort "Toll" und dem Bürger mit Maske und "Wut"-Fähnchen ergibt sich eine ganz besondere Konstellation von früherer Behaglichkeit und heutiger Demonstrations-"Kultur".

Speck als Synonym für Konsum

Oder anders: Retro trifft auf Gegenwart. "Retro Speck Tiefe" heißt die letzte Ausstellung des Jahres in der Turmgalerie des Schlosses Augustusburg, wobei der Künstler den Wortteil "Speck" mit einem fetten Stück Speck als Foto umschreibt.

Speck steht für Uwe Schwarz als Synonym für Konsum, vor allem für dessen Auswüchse. Es ist keine Frage, dass seine Arbeiten für Nachdenklichkeit sorgen. Aber wie lange wird diese anhalten? Die Ausstellung in der Turmgalerie läuft bis Jahresende und kann täglich von 10 bis 17 Uhr besucht werden.