Handwerk profitiert weiter von Euro-Krise

Interview mit Mario Peisker, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mittelsachsen

Mittelsachsen. Laut dem Statistischen Bundesamt legten die Umsätze deutscher Handwerksbetriebe im Vorjahr um fast sieben Prozent zu. Doch wie schaut der Trend im Landkreis aus? Darüber unterhielt sich Ralf Härtel mit Mario Peisker, Geschäftsführer der mittelsächsischen Kreishandwerkerschaft.

Wie schaut aktuell die wirtschaftliche Lage in den mittelsächsischen Handwerksbetrieben aus?

Sie ist stabil und nicht zuletzt auf eine recht robuste Konjunktur zurückzuführen. Fast 85 Prozent der Betriebsinhaber beurteilen zurzeit ihre Geschäftslage als gut und befriedigend. Wir wissen aber auch, dass der nächste Konjunktureinbruch irgendwann kommen wird. Bis dahin hoffen wir, dass die Verbraucher ihr Geld in krisensichere Handwerksleistungen investieren. Denn seit Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise geht es mit dem Handwerk wieder bergauf. Klingt paradox, ist aber so.

Wie passt das zusammen?

Die Menschen haben Erfahrungen mit den verschiedensten Geldanlagen gemacht und nicht wenige dadurch viel Geld eingebüßt. Jetzt haben sie sich wieder auf traditionelle Wertanlagen besonnen und investieren in wertbeständige Dinge und nicht in Spekulationen, die Geld vernichten können.

Wurden durch den positiven Trend auch neue Arbeitsplätze geschaffen?

Laut einer aktuellen Umfrage der Handwerkskammer in Chemnitz haben sieben Prozent der Handwerksbetriebe ihr Personal aufgestockt. Auch in Mittelsachsen, wo das Handwerk mit knapp 43.500 Beschäftigten der größte regionale Arbeitgeber ist. Dazu kommt, dass alle Junggesellen, die im August dieses Jahres ihre Ausbildung beendet haben, auch einen Arbeitsvertrag bekamen. Darüber hinaus haben im September 366 junge Leute eine Lehrstelle im Handwerk angetreten. Gleichzeitig sind noch 166 Lehrstellen als offen gemeldet, die noch bis Ende des Monats besetzt werden können. Für das Lehrjahr 2013 sind bereits jetzt schon 129 offene Stellen angezeigt.

In welchen Bereichen werden zurzeit dringend Fachkräfte benötigt?

Eigentlich überall. Denn der deutsche Arbeitsmarkt ist zurzeit wie leer gefegt, wenn es um Fachkräfte geht. Daher sind alle, die über eine entsprechende Qualifikation verfügen und auch arbeiten wollen, im Handwerk herzlich willkommen. Deshalb beginnen wir schon sehr frühzeitig mit der Nachwuchswerbung. Nicht nur in Kindergärten, sondern auch an Schulen. Außerdem bilden wir seit vielen Jahren den Führungskräftenachwuchs an unserer Meisterschule aus.

Wie schätzen Sie die Zukunft des Handwerks ein?

Handwerk hat jetzt silbernen und in Zukunft goldenen Boden.