Heimat für die Kinder gesucht: Darum zog Familie Neubert in diese Gemeinde – und bangt nun um die Kita

Die junge Familie kam bewusst nach in diese kleine Gemeinde bei Mittweida, weil hier alles vor Ort ist – Natur, Gemeinschaft und eine Kita. Jetzt fürchten sie, genau das zu verlieren.

Erlau, OT Schweikershain

Als Familie Neubert nach Schweikershain zog, war die Entscheidung bewusst getroffen.

„Es ist hier sehr naturnah gelegen, mit Feldern, Wald und Teichen direkt vor der Tür“, sagt die Mutter Karolin Neubert. Doch nicht nur die Landschaft überzeugte die Familie. Schweikershain sei zwar ein kleiner Ort, „aber mit viel Zusammenhalt, Gemeinschaft und ehrenamtlichem Engagement“. Sportverein, Dorfclub, Feuerwehr, Feste, die gemeinsam organisiert werden – und eine Kita im Ort.

Genau das habe den Ausschlag gegeben.

Kinderlachen im Dorf

Für Karolin und ihren Mann Andreas Neubert ist die Kita Schweikershain ein Stück gelebtes Dorfleben. „Die Kinder sind und bleiben im Dorf, kennen und beleben das eigene Dorf und haben von klein auf einen Bezug zu ihrer Heimat“, sagen sie.

Gerade jetzt in ihrer Elternzeit höre sie vormittags das Kinderlachen aus dem großen, naturnahen Garten. „Das zeigt mir: Hier ist Leben.“

Die Kita ist fußläufig erreichbar. Die Familie läuft jeden Tag – mit Laufrad oder Fahrrad. Das fördere Motorik und Gesundheit, reduziere Autofahrten und schaffe Begegnungen. „Wir treffen andere Eltern, andere Kinder. Genau das macht Gemeinschaft aus“, sagt die Schweikershainerin.

Was eine Schließung bedeuten würde

Für die Kinder der Familie Neubert wäre es ein Bruch. „Sie fühlen sich geborgen und angekommen in ihrer kleinen Kita.“

Für die Familie käme zusätzlicher Stress hinzu: 90 Kilometer Autofahrt pro Woche – viermal täglich 4,5 Kilometer. Mehr Lärm in größeren Einrichtungen, weniger individuelle Förderung, höhere Ansteckungsgefahr, mehr Kranktage.

Auch das Umfeld würde sich verändern: In Erlau verläuft eine große Straße, der Verkehrslärm ist höher. Die Parkplatzsituation sei schon jetzt angespannt. Dass möglicherweise sogar Gartenfläche der Kita in Erlau zugunsten neuer Parkplätze verkleinert werden soll, stößt bei den Neuberts und anderen Familien auf Unverständnis.

Hinzu komme der Verlust gewachsener Verbindungen: Die Kinder aus Schweikershain besuchen regelmäßig das Pflegeheim im Ort – Begegnungen zwischen Generationen, die für beide Seiten wertvoll sind. „Das würde wegfallen“, erklärt sie.

Erste Auswirkungen spürbar

Während einer Schließzeit in den Winterferien wurden die Kinder bereits in Erlau betreut. Für Karolin Neubert, die sich in Elternzeit um ihr jüngstes Kind kümmert, bedeutete das mehr Organisation: Der Kleinste musste früher vom Mittagsschlaf geweckt werden, um rechtzeitig die Geschwister abzuholen.

Mehr Wege, mehr Zeitdruck, mehr Logistik.

Dass die Schließzeiten bislang nur Schweikershain betreffen und die Kinder auf andere Einrichtungen verteilt werden, empfindet die Familie als Kompromiss – aber nicht als dauerhaft faire Lösung.

„Kinder sind unsere Zukunft“

Die Familie Neubert wünscht sich von Gemeindeverwaltung und Gemeinderat eine klare Botschaft: „Kitas sind keine gewinnbringenden Einrichtungen. Gerade in kleine Dörfer muss investiert werden, um junge Familien zu halten und Zuzug zu fördern.“

Allein im vergangenen Jahr habe es 18 Zuzüge nach Schweikershain gegeben. Für die junge Familie ist das ein Zeichen, dass der Ort attraktiv ist – auch wegen seiner Infrastruktur.

„Kinder sind unsere Zukunft, sie sind das wichtigste Gut, in das wir investieren müssen“, da sind sich Karolin und Andreas einig.

Was sie sich zusätzlich wünscht: transparente Informationen, nachvollziehbare Zahlen und Kommunikation auf Augenhöhe.

Denn für Familien geht es nicht nur um Organisation. Es geht um Lebensqualität. Um Heimat. Und um die Frage, wie lebendig kleine Gemeinden in Mittelsachsen künftig bleiben.

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