Heimat zum Kuscheln: Ein Bergmann aus Plüsch erobert Kinderherzen im Erzgebirge zur Weihnachtszeit

Eine gelernte Holzspielzeugmacherin bringt mit ihrem Bergmann Kinderaugen zum Leuchten. Warum das Erzgebirge darin steckt, wie das Steigerlied zum Klingen kommt und was sie als Nächstes plant – ein bewegendes Interview über Heimat, Handwerkskunst und Tradition.

Reichenbach/M

Weihnachten im Erzgebirge - das ist Lichterglanz, Schwibbögen und der Klang des Steigerlieds. Doch was, wenn man all das auch in Kinderhände legen könnte? Genau das hat Tabea Rohr aus Großschirma getan.

Gelernte Spielzeugmacherin und Mutter

Als gelernte Holzspielzeugmacherin und Mutter einer fünfjährigen Tochter hat sie mit viel Hingabe den ersten Plüsch-Bergmann mit Soundfunktion entwickelt - liebevoll gestaltet, traditionsreich und kindgerecht.

Im Interview mit BLICK.de erzählt sie, wie aus einer Gute-Nacht-Geschichte ein geschütztes Design mit Patent wurde - und warum Tradition auch im Plüschgewand stark sein kann.

BLICK.de - Wie kam es zur Idee, einen Bergmann aus Plüsch zu entwickeln - und wie lange hast Du daran gearbeitet?

Tabea Rohr: Die Idee kam mir eines Abends, als ich meine Tochter ins Bett gebracht habe. Ich singe ihr jeden Abend das Steigerlied vor, und da dachte ich mir, über so einen Plüschbergmann würde sie sich sicher freuen.

Nach Recherche im Internet war mir schnell klar - so etwas gibt es gar nicht. Also setzte ich mich noch am selben Abend an den ersten Entwurf. Von da an hat es ziemlich genau ein Jahr gedauert, bis er fertig war.

BLICK.de - Was war Dir bei der Gestaltung besonders wichtig - welche Details liegen Dir am Herzen?

Tabea Rohr: Besonders wichtig war mir, dass die traditionelle Kleidung des Bergmanns - also der schwarze Bergkittel, der Schachthut und das Arschleder - so originalgetreu wie möglich umgesetzt wird. Kalle sollte auf den ersten Blick als echter Bergmann zu erkennen sein. Gleichzeitig musste er weich und flauschig sein - mit einem freundlichen Gesicht, das Kinder zum Lächeln bringt.

BLICK.de - Du bist Holzspielzeugmacherin. Inwiefern hat das Deine Arbeit am Plüsch-Bergmann beeinflusst?

Tabea Rohr: Sehr stark. Als Holzspielzeugmacherin entwirft man selbst, skizziert, probiert aus - vom Papier bis zum fertigen Produkt. Dieses handwerkliche Vorgehen habe ich auch bei Kalle angewendet: Körperteile gezeichnet, ausgeschnitten, angepasst - mal kleiner, mal größer, bis alles stimmig war. Das kenne ich noch von meinem Gesellenstück: ein Räuchermann mit Baukastenprinzip.

BLICK.de - Warum ist es Dir so wichtig, Tradition und Brauchtum auch für kleine Kinder greifbar zu machen?

Tabea Rohr: In unserer schnellen, digitalen Zeit wird vieles oberflächlich. Ich möchte meinem Kind Zeit schenken - Geschichten erzählen, Bücher vorlesen, gemeinsam entdecken. Traditionen wie die der Bergleute geben Wurzeln. Sie erzählen von Zusammenhalt, harter Arbeit und Stolz. Mit Kalle kann man spielerisch davon erzählen - und gleichzeitig bewahren, was uns ausmacht.

BLICK.de - Der Sound mit dem Steigerlied ist ein schönes Extra - wie kam es dazu?

Tabea Rohr: Das Steigerlied gehört einfach zum Bergmann. Deshalb war für mich klar: Die Melodie muss mit eingebaut werden. Ein Soundknopf in der Laterne spielt die bekannte Melodie. Kinder lieben es - meine Tochter singt gerne mit, statt nur zu summen.

BLICK.de - Du hast schon einen Engel entworfen - magst Du uns verraten, was da geplant ist?

Tabea Rohr: Natürlich. Engel und Bergmann gehören zusammen - wie Bratwurst und Sauerkraut. Der Entwurf ist fertig, das Patent angemeldet. Wenn alles gut läuft, wird der Plüschengel nächstes Jahr im Handel sein - als perfekte Ergänzung zu Kalle.

BLICK.de - Wie war bisher die Reaktion auf den Bergmann - von Eltern, Kindern oder Institutionen?

Tabea Rohr: Die Reaktionen waren durchweg positiv - von hier bis Ostfriesland. Es freut mich sehr, dass Kalle so gut ankommt. Besonders Kinder lieben ihn, aber auch Tourist Informationen und Museen zeigen großes Interesse.

BLICK.de - Fertigst Du den Bergmann komplett selbst - oder arbeitest Du mit Partnern zusammen?

Tabea Rohr: Die Produktion übernimmt eine Fachfirma aus Heidelberg. Das war mir wichtig, um eine gleichbleibend hohe Qualität zu gewährleisten.

BLICK.de - Du stellst auch Mini-Bergwerke und Schmuck her - wie passt das in Deine Gesamtidee?

Tabea Rohr: Der Plüschbergmann ist für Kinder gedacht. Mit meinem Schmucklabel "Schmuckdesign Luli" wollte ich auch Erwachsenen etwas bieten. Deshalb fertige ich Ohr- und Halskettenanhänger mit Erzgebirgsmotiven - und meine beleuchteten Mini-Bergwerke aus Epoxidharz.

Die Idee dazu kam mir nach einem Besuch in Altenberg - ich wollte das Licht der Bergwerke sichtbar machen. Jetzt gibt es für jede Generation ein passendes Stück Tradition.

BLICK.de - Was wünschst Du Dir für die nächste Zeit?

Tabea Rohr: Ich wünsche mir, dass Kalle in viele Kinderzimmer einzieht - als Geschenk, Andenken oder Begleiter zur Weihnachtszeit.

Ab Mitte November sind sie erhältlich auf www.schmuckdesign-luli.com und auf verschiedenen Weihnachtsmärkten und in Tourismuszentren im Erzgebirge.

Ein Plüschbergmann mit Geschichte - und Herz

Tabea Rohrs "Kalle" verbindet Vergangenheit mit Gegenwart und schenkt Kindern einen ersten Zugang zu einer der wichtigsten Traditionen des Erzgebirges. Ein Projekt, das zeigt: Manchmal beginnt große Wirkung mit einer kleinen Idee - und einem Schlaflied.

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