Historiker bringt MZ-Fans auf der Augustusburg zum Staunen

Vortrag von Dr. Georg Seiler zur Exportgeschichte beinhaltet auch einen „Krimi“ in Brasilien

Augustusburg

Passend zur aktuellen Sonderschau „MZ-Motorräder in aller Welt“ hat sich auf der Augustusburg nun auch ein Historiker mit dem MZ-Export beschäftigt. Bei seinem Vortrag im Augustuskeller ging Dr. Georg Seiler zwar auch auf die Marke Simson ein, zumal der gebürtige Schmalkaldener als Jugendlicher selbst eins der bekannten DDR-Mopeds fuhr. Doch im Mittelpunkt seiner Ausführungen standen die Motorräder aus Zschopau, zu denen der 37-Jährige interessante Geschichten zu erzählen hatte. Eine davon verblüffte sogar die alten MZ-Kenner unter den gut 130 Gästen.

Zahlen spielen nur eine Nebenrolle

Natürlich hatte Seiler, der 2015 am Institut für Technikzünfte in Karlsruhe zum Thema des DDR-Zweiradexports promovierte, auch viele Zahlen parat. Doch der Experte, dessen Vortrag auch als Dank an das Schloss für die Unterstützung bei den Recherchen zu seiner Doktorarbeit zu verstehen war, beeindruckte vor allem mit seinen Schilderungen. Dabei ging er nicht etwa auf Ungarn und Polen ein, die mit 206.157 beziehungsweise 198.131 ausgelieferten MZ-Motorrädern die beiden wichtigsten Export-Länder für die DDR waren. Stattdessen stellte der Historiker exotischere Beispiele etwas genauer vor.

Projekt in Brasilien erweist sich als Fiasko

Dazu gehörte auch der Irak, der dank der bestellten Armee-Maschinen die Nummer 3 auf der Exportliste darstellte. „Dort war der Tacho wegen der Wärme mitunter so stark verzogen, dass sich das Tempo gar nicht mehr anzeigen ließ“, erläuterte Seiler. Noch viel brisanter waren jedoch seine Schilderungen zur Kooperation mit einer brasilianischen Montagefirma, von der sich die DDR millionenschwere Devisen versprach. Der 1983 unterzeichnete Vertrag wurde jedoch zum Fiasko. Nicht wegen der technischen Mängel, die zunächst zu langen Verzögerungen führten. Stattdessen stellte sich im März 1987 heraus, dass die Firma in einen breit angelegten Elektronikschmuggel verwickelt war. „Die Firma war nur ein Deckmantel“, so Seiler, nach dessen Angaben eine Klage der DDR nach der Wende im Sande verlief.

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