Hohenkirchener Bücherhaltestelle: Wo Bücher und Begegnungen ihren Platz haben

Wer hier vorbeikommt, findet Lesestoff, eine Sitzgelegenheit und oft auch ein gutes Gespräch. Die Bücherhaltestelle gehört längst zum Leben im kleinen Ort

Lunzenau, OT Hohenkirchen

Manchmal entstehen die besten Ideen nicht am Schreibtisch, sondern unterwegs. So war es auch in Hohenkirchen. Bei vielen Wanderungen durch den Ort entstand bei Lolita Erhard und Sigrid Imiella der Wunsch, einen Platz zu schaffen, an dem Menschen eine Pause einlegen, Bücher entdecken und vielleicht auch miteinander ins Gespräch kommen können.

Die Inspiration kam aus dem "Gib und Nimm - Leben ohne Geld"-Laden in Burgstädt, den der ChristophorusHaus e. V. bereits seit mehr als 15 Jahren betreibt. Ende 2023 wurde die Idee schließlich Wirklichkeit: Nach einigen Abstimmungen mit der Stadt Lunzenau und der Stadtbibliothek eröffnete die Hohenkirchener Bücherstube ihre Türen.

Bücher als Begleiter fürs Leben

Hinter dem Projekt steht Lolita Erhard. Die Gründerin des ChristophorusHaus e. V. engagiert sich seit vielen Jahren für Gemeinschaft und Begegnung. Gemeinsam mit dem Verein betreibt sie den ErlebnisHof Hohenkirchen, auf dem Kinderfreizeiten, FamilienRauszeiten, eine Camperherberge und zahlreiche weitere Angebote stattfinden.

Dass dabei auch Bücher eine wichtige Rolle spielen, überrascht nicht.

"Bücher sind Bereicherung für das Leben. Sie sind eine ganz individuelle Bildungsstätte für alle Bereiche, die das Leben interessant, lehrreich und gebildet machen. Vor allem in unserer digitalen Welt ist ein Buch etwas, das die Seele berührt, gar beruhigt."

Wer die Regale der Bücherhaltestelle betrachtet, merkt schnell, dass hier die Freude am Lesen gelebt wird. Gleichzeitig lädt der Ort dazu ein, kurz innezuhalten und sich Zeit zu nehmen.

Ein Wunsch, der Wirklichkeit geworden ist

Die Erwartungen an die Bücherhaltestelle waren eigentlich ganz bescheiden. Die Initiatorinnen hofften, dass das Angebot angenommen wird und Menschen gern vorbeischauen.

Heute zeigt sich: Der Wunsch ist aufgegangen.

"Was wir uns für die Bücherstube gewünscht haben - dass sie genutzt wird, dass Menschen sie schön finden, Rast machen, sich hier sogar treffen und miteinander ins Gespräch kommen -, das alles ist eingetreten."

Gerade in den Sommermonaten entstehen hier immer wieder spontane Gespräche. Im Dezember treffen sich Anwohner auf einen Glühwein. Die Bücherhaltestelle hat ihren festen Platz im Alltag vieler Menschen gefunden.

Von Kinderbüchern bis DDR-Literatur

Besonders gefragt sind Kinderbücher, vor allem ältere Ausgaben aus DDR-Zeiten. Aber auch Romane und leichte Unterhaltungsliteratur wechseln regelmäßig die Besitzer.

Das Prinzip funktioniert denkbar einfach: mitnehmen, tauschen, zurückbringen oder Neues einstellen. So bleibt das Angebot lebendig und verändert sich ständig.

Ein fester Bestandteil von Hohenkirchen

Inzwischen gehört die Bücherhaltestelle ganz selbstverständlich zum Ort. Viele Besucher kommen regelmäßig vorbei. Gleichzeitig entdecken immer wieder neue Menschen das Angebot für sich.

Besonders freut das Lolita Erhard und Sigrid Imiella. Während Lolita die Idee gemeinsam auf den Weg gebracht hat, kümmert sich Sigrid mit viel Engagement um die Sortierung und Ordnung der Bücher.

"Frau Imiella, die sich vor allem um die Sortierung und Ordnung kümmert, erzählt immer wieder mit Freude, wer hier als neuer Nutznießer hinzu gekommen ist", erklärt Lolita Erhard.

Mit einer solchen Resonanz hatten die Initiatorinnen ursprünglich nicht gerechnet.

"Wir hätten mit dieser Frequenz nicht gerechnet und freuen uns ganz sehr, so etwas Besonderes hier in dem Kleinod Hohenkirchen zu haben."

Kleine Ideen mit großer Wirkung

Für Lolita Erhard zeigt die Bücherhaltestelle, wie wichtig ehrenamtliches Engagement für das Leben in ländlichen Gemeinden ist. Orte, an denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen, entstehen nicht von allein. Sie brauchen Menschen, die Ideen haben und bereit sind, sie umzusetzen.

Die Bücherhaltestelle soll deshalb auch andere inspirieren.

"Sie soll Anregung geben, dass in anderen Orten Begegnung durch Bücher eine wunderbare Bereicherung für diese hektische Zeit zu entschleunigen ist."

Wer die Hohenkirchener Bücherhaltestelle besucht, findet Lesestoff für jeden Geschmack. Vor allem aber zeigt das Projekt, wie aus einer einfachen Idee ein Platz entstehen kann, an dem Begegnungen wachsen, Geschichten geteilt werden und Gemeinschaft ganz selbstverständlich gelebt wird.

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