Integration mit Steigerlied

Unterricht Deutsch als Zweitsprache

Es gibt bestimmt eine ganze Menge, was man erwartet, wenn man die Asylbewerberunterkunft am St. Niclas Schacht in Freiberg betrifft, aber ganz sicher nicht, dass hier mit voller Inbrunst das Steigerlied geschmettert wird. Es ist zwar bislang nur die erste Strophe, welche erklingt, aber es ist ein guter Anfang. Wir sind zu Besuch im Unterricht "Deutsch als Zweitsprache". Vier Männer und drei Frauen aus Syrien haben Platz genommen, außerdem noch eine Frau aus dem Libanon. Vor ihnen liegen Stifte und Blöcke bereit.

Sie warten darauf, dass ihre Lehrerin Heidi Hinkel mit der Stunde beginnt. Während andernorts noch über Zuständigkeiten gestritten wird, der Rote Faden verloren geht und öfter Sprüche geklopft werden, als dass etwas geschieht, hat die Lehrerin und Freiberger Stadträtin einfach angepackt. Seit März gibt sie ehrenamtlich einmal die Woche Unterricht. Natürlich begegnet sie dabei den jeweiligen kulturellen Unterschieden. "Aber ich erlebe diese Menschen hier als ganz besonders nett und höflich, nicht nur mir gegenüber, sondern auch im Umgang untereinander", sagt Heidi Hinkel. "Ich erfahre so von ihren Schicksalen, kann hier und da einen kleinen Rat geben." Vor allem die Lernfreude empfindet sie als etwas Besonderes. "Ein Mann ist dabei, der lernt zusätzlich noch mit seinem Kind, welches jetzt hier zur Schule geht, unsere Sprache", erzählt sie.

"Man merkt ihnen allen an, dass sie ehrlich wollen." Manches muss noch improvisiert werden. Es fehlt an Büchern und Materialien, aber die Sprache ist der Schlüssel zur Integration, das wissen die Flüchtlinge. Und in der Freiberger Region gehört außerdem noch das Steigerlied dazu.

Deshalb üben sie es schon einmal, allein deshalb, weil es gute Stimmung verbreitet.