Intensiv-Krankenschwester aus Chemnitz schwört aufs Eisbaden: „Das Eis ist mein Reset“

Stress, Alltag, kaltes Wasser: Susi (33) hat im Eisbaden ihre Kraftquelle gefunden – mitten im Familienleben und Schichtdienst. So wirkt das Ritual auf Körper und Seele.

Taura

Noch ist es dunkel, vielleicht 5 Uhr morgens. Während andere sich noch einmal umdrehen, sitzt Susi in einer Eistonne auf ihrem Balkon – das Wasser? Zwei Grad. Drum herum: Ruhe. In ihr? Kraft.

„Das Eisbad ist mittlerweile so zur Routine und festem Bestandteil in meinem Leben geworden, dass es auf keinen Fall fehlen darf.“

Die 33-jährige Intensiv-Krankenschwester, Mutter eines neunjährigen Sohnes, Hundebesitzerin und derzeit in Weiterbildung zur Fachschwester auf der Intensivstation, lebt ein Leben auf Hochtouren. Und genau deshalb braucht sie diesen Moment: das Eintauchen in eiskaltes Wasser.

Von der Urlaubsidee zur Lebensroutine

Das erste Mal war spontan – im Mädelsurlaub, beim Wandern in den Bergen. Ein See. Ein Schnappschuss. Zehn Sekunden im Wasser.

„Damals war es nur eine verrückte Idee für Instagram – aber irgendwas hat es in mir ausgelöst.“

Was folgte: Begeisterung, Neugier, die Lust auf mehr. Erst besuchte sie regelmäßig Seen in ihrer Umgebung. Dann wurde es zu aufwendig im Alltag. Also schaffte sie sich kurzerhand eine Eistonne für den Balkon an – die steht jetzt ganzjährig bereit.

Jeden Tag eine kleine Überwindung – und ein großes Gefühl

Wenn die Temperaturen fallen, wird das Eisbaden zur Herausforderung: Eisschichten müssen mit dem Hammer aufgeschlagen werden. Der Körper rebelliert. Der Kopf will raus. Und trotzdem: Sie steigt ein. Jeden Tag.

„Gefriert das Wasser, will mein Körper irgendwie drumrumkommen. Das ist manchmal lustig, wenn man sich selbst beobachtet. Aber ich weiß: Danach kommen die Endorphine.“

Diese Glückshormone – sie sind ein Grund, warum Susi dabeigeblieben ist. Aber nicht der einzige.

Wie kalt ist eigentlich kalt?

Im Winter sinkt die Wassertemperatur auf bis zu 1 °C. Susi kennt die Reaktion ihres Körpers genau. „Ja, es tut weh! Aber es lohnt sich. Und man gewöhnt sich tatsächlich an 2° Grad.“

An wärmeren Tagen steigt die Temperatur auf bis zu 12 °C. Das fühlt sich dann schon fast angenehm an. Ihr persönlicher Rekord? 35 Minuten im Eiswasser bei milden Temperaturen.

Doch sie weiß auch um die Risiken: „Anfänger sollten langsam starten – und nie allein. Der Körper ist in einer Extremsituation.“

Eisbaden ist mehr als nur Mut

Es geht nicht um Heldentum oder Abhärtung. Für Susi ist es ein Ritual, das sie stärkt – in jeder Hinsicht.

„Das gibt mir Struktur im Alltag, gerade in der dunklen Jahreszeit. Es sortiert meine Gedanken, gibt mir Ruhe und Energie.“

Auch körperlich spürt sie die Veränderung: besseres Immunsystem, keine Erkältung diesen Winter, schnellere Muskelregeneration, mehr Fokus. Inspiration holt sie sich auch aus der „Wim Hof Methode“, die Atemtechniken und Kälteexposition verbindet.

Nicht bewundern, einfach mal probieren

Was sie oft hört: „Boah, das ist ja krass! Das könnte ich nie!“ Doch Susi glaubt: Viele könnten – wenn sie wollen.

„Ich finde es gar nicht so bewundernswert. Es ist Übungssache. Es kann mit 15 Sekunden kaltem Duschen anfangen.“

Was zählt, ist die Regelmäßigkeit. Und der Wille, sich selbst etwas Gutes zu tun. Wer beginnt, merkt schnell: Da passiert etwas – körperlich, emotional, mental.

Kälte als Kraftquelle

Ob Achensee, Zeller See oder Leipziger Seenplatte – Susi kennt viele schöne Orte fürs Eisbaden. Doch am wichtigsten ist der Moment für sich. Kein Wettbewerb, keine Ablenkung. „Ich gehe am liebsten allein. Dann bin ich bei mir. Ich bestimme das Tempo. Das ist meine Zeit.“

Der Sprung ins Wasser – und zurück zu sich selbst

In einer Welt voller Ablenkung, Stress und Lautstärke ist das Eisbaden für Susi wie ein Reset-Knopf. Es hilft ihr, den Tag mit Klarheit zu beginnen – und mit einem Lächeln.

„Ich empfehle es jedem, der bereit ist, seinem Körper und Geist etwas Gutes zu tun.“

Und alles beginnt – mit einem kalten Tropfen Wasser.

Tipps für Einsteiger: So kannst du anfangen

  • Starte mit kaltem Duschen, 15 Sekunden reichen für den Anfang
  • Steigere dich langsam – nicht gleich ins Eiswasser!
  • Nie allein baden gehen, besonders bei sehr kalten Temperaturen
  • Danach: nicht warm duschen, sondern in Bewegung bleiben
  • Höre auf deinen Körper – und respektiere deine Grenzen
  • Lies zum Einstieg z. B. über die Wim Hof Methode

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