Kein Eis zum Frühlingsbeginn: Warum Flöha seinen Eismann mit Herz verliert

Die Eismanufaktur Kolibri in Mittelsachsen schließt - und mit ihr ein Stück Heimat

Flöha

Es ist eine Nachricht, die vielen schwerfällt - nicht nur, weil sie das Ende einer Eisdiele markiert, sondern weil sie einen Menschen betrifft, der mehr war als nur der Mann hinter der Theke. Der beliebte Eisgarten an der Augustusburger Straße in Flöha schließt, ebenso wie der Standort im Kolibri an der Rudolf-Breitscheid-Straße. Kein Duft mehr nach frischer Waffel, kein "Wie immer?" mit einem Lächeln. Und kein Ort mehr, an dem Eis zur Nebensache wurde - weil es um viel mehr ging.

Mehr als Eis - ein Herz für Flöha

Der Eismann war eine Institution. Wer ihn kannte - und das taten viele, in Flöha und weit darüber hinaus - wusste: Er lebte für die Menschen. Spendenaktionen für todkranke Kinder oder zur Unterstützung von Familien in Not waren bei ihm keine Ausnahme, sondern Alltag. Kuchen und Eis - oft "aufs Haus" - gehörten genauso dazu wie offene Ohren und große Gesten.

Sein Engagement ging weit über die Ladentür hinaus: Als nach einem Dachstuhlbrand Hilfe für die Feuerwehr gebraucht wurde, stand er bereit. Auf der A4 sorgte er mit einem Bobbycar-Traktor für Aufsehen - eine Mischung aus Spaß und stillem Protest, wie sie nur er beherrschte. Beim Parkpicknick in Flöha organisierte er mit anderen die erste Chilimeisterschaft - und natürlich war er auch zur Weihnachtszeit zur Stelle, wenn der Weihnachtsmann mit der Kutsche oder sogar Eisenbahn kam.

Ein Traum, der platzt

Er hatte Pläne. Einen Container, direkt auf einer Wiese - in der Nähe des alten Standorts. Mit Spielplatz, idealerweise umzäunt. Ein Ort für Familien. Für Kinder, die sicher spielen können, während Eltern ihren Kaffee und das Eis genießen. Es sollte kein neuer Laden sein, sondern ein neuer Treffpunkt - offen, ehrlich, freundlich.

Doch die Realität war stärker. "Es gibt viele kleine bis mittlere Gründe. Viele Gründe, die keiner ändern kann oder aber auch zu spät wollte", schreibt er nun selbst auf Facebook. Die Grundstücke werden geräumt, die Entscheidung ist gefallen. Vor allem für die Kinder tue es ihm leid, schreibt er - das spürt man mit jedem Wort.

Abschied mit einem Augenzwinkern

In seinem Facebook-Post, der sich in den letzten Tagen schnell verbreitete, schreibt er:

"Der Eisgarten auf der Augustusburger Str. / Lessingstraße ist leider Geschichte. Schade für die Kinder, für die tut es uns am meisten leid. Schade für die Muttis und Vatis, für Omi und Opi."

Auch das Kolibri auf der Rudolf-Breitscheid-Straße sei damit Geschichte. Ob es eine Lösung gibt? Vielleicht, vielleicht nicht. Seine letzten Worte klingen wie ein leiser Vorhang, der fällt: 

"Wie singt Jeanette Biedermann?: ‚Wir sind raus.‘ Es war mir eine Ehre.  Liebst - Eismann in Rente."

Danke, Eismann

Zum Frühlingsbeginn wird es still in Flöha. Kein Eis. Keine Kinder mit bunten Bechern in der Hand. Kein vertrautes Lächeln hinter der Theke. Zurück bleiben Erinnerungen - an einen Mann, der mehr gab, als er nehmen musste. Der mit Vanille, Schoko und Herz Flöha ein Stück wärmer gemacht hat. "Danke, Eismann. Für dein Eis. Für deine Taten. Für alles", liest man in den sozialen Netzwerken. 

Habt ihr eine Meinung zu diesem Artikel oder einen Fehler entdeckt? Dann weist uns gern darauf hin.

Auch interessant für dich