Kein Rezept gegen die Käferplage in Wiederau und Umgebung

Massenaufkommen Kehren, staubsaugen, entsorgen (täglich) und hoffen dass in zwei, drei Wochen der Spuk vorbei ist

Wiederau. Eine Käferplage beschäftigt zurzeit einen Teil der Einwohner in Wiederau. Auch aus Seelitz und dem Ortsteil Gröblitz sowie aus Königshain kommen Beschwerden wegen dem Auftreten von Millionen schwarzer Käfer. Am schlimmsten wird es ab 22 Uhr wenn es dunkel ist, dann schwärmen die Laufkäfer aus. Der Naturschutzbeauftragte Klaus Taubert versucht seit einigen Tagen hinter das Massenaufkommen und die Art der Käfer zu kommen und untersuchte ein paar Exemplare. Er stellte fest, dass es sich um Behaarte Erdbeersamenlaufkäfer und auch um Rotbeinige Schnellläufer handelt. Beide gehören zur Familie der Laufkäfer und sind nur schwer zu unterscheiden. Er vermutet, dass noch mindestens drei weitere Arten in Käferarmeen unterwegs sind. Familie Fischer wohnt in Wiederau. Das Grundstück grenzt an einen Hang mit Bäumen, dahinter liegt ein Maisfeld. Daher kommen die Schwadronen und breiten sich überall aus an den Hauswänden, in den Steinmauern, in Garage, Gewächshäusern, Schuppen und Kellerräumen. "Es ist eine furchtbare Plage.

Ich kratze sie mit der Maurerkelle von den Hauswänden. Wir kehren sie zusammen und sammeln sie in Eimern. Nach kurzer Zeit ist wieder alles voll", weiß sich Matthias Fischer keinen Rat. Tagsüber sind weniger unterwegs nur Tausende, nachts kommen sie Millionenfach und das seit Freitag. Auch einige hundert Meter entfernt bei Caroline und Julius Voigt ist die Plage akut.

Seit Freitag bevölkern die schwarzen Käfer Kellerschächte, Hauswände und machen auch nicht vor der Vogelvoliere halt. "Meine Kanarienvögel sind schon verstört. Die Käfer sind richtig eklig", berichtet Caroline Voigt. Klaus Taubert hat sich inzwischen mit den verschiedenen Arten der Laufkäfer beschäftigt, war bei betroffenen Grundstücksbesitzern und auch auf den Feldern von Agraset Naundorf, die den Mais angebaut haben. Er erfuhr, dass zuvor Vermehrungsgras angepflanzt war und das der Agrarbetrieb seit einigen Jahren kein Insektengift mehr spritzt. "Jetzt ist eine neue Käferpopulation geschlüpft. Sie entwickeln sich in 30 bis 40 Zentimeter Tiefe in der Erde, dort gelangen keine Bodenbearbeitungsgerätschaften hin. Sie sind jetzt nicht auf Futtersuche, sondern brauchen einen Platz, wo sie sich verpaaren können also Vermehrungsgras. Die Aktion wird noch zwei bis drei Wochen anhalten", erklärt der Naturschutzbeauftragte. Die Gemeinde Seelitz hat reagiert und schaltet nachts das Straßenlicht ab um die Käfer nicht anzulocken. Gudrun Müller vom ehemaligen Cafe Langmühle in Wiederau wird auch von den Käfern heimgesucht. Auf der Terrasse an einer Steinmauer tummeln sich besonders viele. Ein paar Exemplare hat sie zur Untersuchung zu Klaus Taubert gebracht. "Da ist wieder eine andere Art der Laufkäfer mit dabei, der Stumpfhalsige Haarschnelllaufkäfer", stellte der Experte fest. Die Laufkäfer ernähren sich von kleinen Insekten, können auch Regenwürmer und Schnecken mit ihrem Kauwerkzeug, zwei scharfe Zangen, verspeisen. Allerdings sind sie wasserscheu und durchqueren kein Gewässer.

Die Laufkäfer besiedelt Hecken, Wiesen, Gärten, Ackerrandstreifen. Die Käfer haben drei Larvenstadien. Die frisch geschlüpften Käfer erscheinen normalerweise im August an der Erdoberfläche. Witterungsbedingt kann das früher passieren. Da die Arten im Freiland häufig sind und in großer Populationsdichte leben, kann es zu Massenauftreten kommen.