Klangvolle Heimkehr: Glockenweihe in Naundorf berührt Herz und Geschichte

Historischer Höhepunkt am Ostermontag

Freiberg

Es war ein Fest für die Sinne - und ein historischer Höhepunkt für die Region: Am Ostermontag, dem 21. April , wurden drei neue Glocken für die Kirche in Naundorf feierlich geweiht. Ein Ereignis, das Klang, Geschichte und Gemeinschaft auf besondere Weise miteinander verband.

Florales Festkleid für Glocken

Schon der erste Anblick des festlich geschmückten Wagens, der die Glocken vom Naundorfer Bad zur Kirche brachte, ließ die Herzen der zahlreichen Gäste höherschlagen. Die Frauengruppe der Naundorfer Kirche hatte zusammen mit dem Team von Gartenbau und Blumenkunst Zenker ein florales Festkleid für die Glocken gestaltet - liebevoll, kunstvoll, bedeutungsvoll. Die präzise Umsetzung der logistischen Meisterleistung - vom LKW auf die Pferdekutsche und schließlich in die Aufhängungsvorrichtungen an der Kirche - durch die Firma Zwoch wurde von den Anwesenden mit Staunen und Hochachtung verfolgt. Begleitet wurde die Ankunft der Glocken von einem festlichen Umzug, an dem zahlreiche Menschen aus Naundorf und den umliegenden Dörfern der Großgemeinde Bobritzsch-Hilbersdorf teilnahmen.

Die neue Stimme Naundorfs

Höhepunkt des Tages war die feierliche Glockenweihe durch Dompfarrer Dr. Gunnar Wiegand, Pfarramtsleiter des Kirchgemeindebundes Freiberg. In seiner Ansprache erinnerte er daran, dass Glocken weit mehr sind als liturgische Instrumente: Sie seien Stimme und Herz einer Gemeinde - ein Bindeglied zwischen Himmel und Erde. Johann Haupt, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes Bobritzsch, würdigte in seiner Rede das Engagement und die Gemeinschaftsleistung, die dieses Projekt erst möglich gemacht hatten. Auch Bürgermeister René Straßberger sprach allen Beteiligten seinen herzlichen Dank aus - für ihren Einsatz, ihre Ausdauer und ihre Hingabe.

Musikalische Begleitung

Musikalisch wurde die Zeremonie getragen vom Posaunenchor Bobritzsch sowie dem gemischten Chor Naundorf/Niederbobritzsch, die gemeinsam für eine würdige und zugleich bewegende Klangkulisse sorgten - während der Weihe ebenso wie beim anschließenden Gottesdienst.

Ein Guss für die Ewigkeit

Der Ursprung dieses besonderen Tages liegt einige Monate zurück: Am 31. Januar wurde der Guss der drei Glocken im Sächsischen Metallwerk Freiberg vollzogen - ein Ereignis, das von rund 200 Gästen mit gespannter Ehrfurcht verfolgt wurde. Als sich das glühende Metall in die vorbereiteten Formen ergoss, wurde der Glockenguss selbst zum liturgischen Moment.

Historischer Moment der Ortsgeschichte

"Der heutige Glockenguss ist ein historischer Moment für die Ortsgeschichte", sagte Bürgermeister René Straßberger damals in der Freiberger Zeitung - und sprach damit wohl vielen aus dem Herzen.

Maßgeblich getragen wurde das Projekt vom Hilliger e.V., unter der engagierten Leitung von Vereinsvorsitzendem Volker Haupt. Er setzt sich seit Jahren für die Wiederbelebung der Freiberger Glockengießertradition ein. Mit dem Naundorfer Projekt realisierte der Verein erstmals ein vollständiges Geläut für eine sächsische Kirche - ein bedeutender Meilenstein, nicht nur für Naundorf, sondern auch für den Verein selbst.

Tradition trifft Zukunft

Gefertigt wurden die Glocken nach historischen Rippen, inspiriert von der berühmten "Großen Susanne" im Freiberger Dom - einem Meisterwerk der Gießerfamilie Hilliger. So vereinen die neuen Glocken mittelalterliche Handwerkskunst mit modernem Gemeindeleben. Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen in einem Klangbild, das weit über den Ort hinausstrahlt.

Viele bekannte Persönlichkeiten begleiteten diesen besonderen Tag mit sichtbarer Anteilnahme - unter ihnen Knut Neumann vom Freiberger Altertumsverein und Dorothee Lange-Seifert, ehemalige Pfarrerin der Region.

Ein Ostermontag, der in Erinnerung bleibt

Dieses Fest war mehr als eine Zeremonie - es war ein lebendiger Ausdruck von Zusammenhalt, Glaube und Identität. Für viele war es ein zutiefst berührender Moment, als die Glocken zum ersten Mal erklangen: nicht laut, sondern ehrwürdig, getragen - ein feierlicher Klang, der in die Zukunft weist.

Ausstellung der Glocken

Die Glocken blieben bis zum nächsten Tag im Kirchhof aufgestellt. Noch nach dem Gottesdienst hatten die Gäste die Möglichkeit, selbst Hand anzulegen und die Glocken anzuschlagen - ein sinnliches Erlebnis und ein bewegender Abschluss dieses unvergesslichen Ostermontags.Mit dem neuen Geläut hat Naundorf nicht nur seinen Klang wiedergefunden - sondern auch ein kostbares Stück kulturellen Gedächtnisses neu belebt.

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