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Laufen bei 36 Grad im Schatten

Marathon Kieselbacher bezwingt extreme Hitze - und den inneren Schweinehund

Samstagmittag, kurz nach 12.30 Uhr. Die Besucher eines Stadtcafés flüchten aus der Sonne und suchen sich einen schattigen Platz zum Genießen ihres kühlen Eiscafé. Im Hintergrund rennen immer wieder Leute mit Schweißperlen im Gesicht vorbei. Einer von ihnen ist David Weik, Student aus Kieselbach bei Gersdorf in Mittelsachsen. Wie viele andere seiner Kommilitonen, hätte er sich am heißesten Wochenende des Jahres vor zehn Tagen auch für Freibad, Hängematte oder Eis entscheiden können. Doch er wählte eine andere Option: Marathon laufen.

Über einen kurzfristigen Rückzug aufgrund der Rekordtemperaturen von über 36 Grad, dachte er nicht nach: "Die Antrittsgebühr war schon bezahlt und die intensive Vorbereitung darauf wirft man nicht einfach weg", so David Weik. Sechs Monate lang hatte der 23-Jährige für diesen Tag trainiert, mit Höhen und Tiefen. Eine Verletzung an der Zehe warf ihn im Trainingsprogramm zurück, wodurch er es in der Vorbereitung nur einmal geschafft hat, einen Halbmarathon durchzulaufen. "Das Gefühl auf den letzten 100 Metern war unbeschreiblich, ich hatte Gänsehaut wie noch nie", berichtet der Elektrotechnik-Student und erklärt: "Das war Motivation genug, um weiter zu trainieren." Die Idee zur ersten Marathonteilnahme entstand dabei vor nicht allzu langer Zeit: "Vor zwei, drei Jahren habe ich mit dem Joggen als Ausgleich zum Unialltag begonnen, bis mich diese Herausforderung gepackt hat." Das Trainingsprogramm holte sich der Dresdner Student von anderen Läufern aus dem Internet. Viermal die Woche schnappte er sich die Laufschuhe und rannte los: "Das Training ist extrem zeitraubend geworden, zuletzt bin ich in einer Woche 110 Kilometer gelaufen." Er bezwang am Ende auch die 42,195 Kilometer in Chemnitz und besiegte die Gluthitze, aber auch seinen inneren Schweinehund.

Eine Zeit von unter vier Stunden verfehlte David Weik zwar um knapp 40 Minuten, mit Platz 50 von 118 Teilnehmern war er am Ende aber mehr als zufrieden: "Die Einhaltung irgendeiner Zeit gab mir ohnehin nicht viel." Einen Gedanken ans Abbrechen verschwendete er nie: "Irgendwann läufst du einfach automatisch. Erst als ich mich im Ziel auf die Wiese legte, habe ich gemerkt, dass ich über die menschliche Belastungsgrenze hinausgegangen bin."



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