Matinee über Demenz bewegt Freiberg und macht Mut für eine ganze Spielzeit

Ein stiller und starker Auftakt in der BiB

Freiberg

Mit einer eindrucksvollen Matinee hat das Mittelsächsische Theater am heutigen Sonntag den 22. Februar in Freiberg ein Thema in den Mittelpunkt gerückt, das viele Familien berührt und dennoch oft im Verborgenen bleibt. In der BiB eröffnete die Dialogreihe MiTreden die Auseinandersetzung mit Demenz und setzte damit zugleich ein starkes Zeichen für die kommende Spielzeit.

Im Zentrum stand das Schauspiel Der alte König in seinem Exil nach dem Roman von Arno Geiger. Das Werk erzählt von Erfahrungen im Umgang mit Demenz und von den Herausforderungen, die Betroffene und Angehörige im Alltag begleiten. Ein gelesener Ausschnitt in der Bühnenfassung von Felicia Daniel, eindrucksvoll vorgetragen von Boris Schwiebert, ließ bereits erahnen, wie nahbar und menschlich diese Inszenierung werden kann.

Musik weckt Erinnerungen und öffnet Herzen

Besonders berührend war der erste Einblick in ein musikalisches Programm, das gezielt Menschen mit Demenz und deren Angehörige ansprechen soll. Dafür setzt das Theater auf bekannte Melodien aus unterschiedlichen Genres mit hohem Erinnerungswert und künstlerisch eindrucksvoller Umsetzung.

Jolia Domke und Leonhard Geiger sangen das Duett aus der „Zauberflöte“, Alexander Donesch interpretierte „Ein bisschen Frieden“ und Frank Unger „Über sieben Brücken“. Inkyu Park begeisterte mit „O sole mio“ mit Stimmgewalt und Charme. Einen besonders intensiven Moment schufen Valentina Paz Nobizelli Arredondo an der Pauke und Generalmusikdirektor José Luis Gutiérrez am Klavier im fein abgestimmten Zusammenspiel dieser beiden Instrumente.

Viele Fachleute im Gespräch und ein Ensemble mit großer Bereitschaft

Intendant Sergio Raonic Lukovic begrüßte im Publikum zahlreiche Gäste aus Landkreis, Pflege, Hospiz und Demenzarbeit, darunter den Zweiten Beigeordneten Jörg Höllmüller sowie Steffen Köcher von der Freiberger Pflegeheime gGmbH. Ihre Anregungen sollen in die Weiterentwicklung des Formats einfließen. Mitgewirkt haben unter anderem die Initiatorin Bianca Künzel vom Landratsamt sowie die künstlerischen Experten Felicia Daniel und Boris Schwiebert, Regisseurin und Schauspieler am Dredner „Theaterkahn“

Blick hinter die Kulissen

Wichtig ist dem Theater auch ein Blick hinter die Kulissen. Der Intendant hatte sein Ensemble auf freiwilliger Basis um Mitarbeit gebeten und erhielt deutlich mehr Angebote, als in diesem Pilotprojekt überhaupt zur Aufführung kommen konnten. Das zeigt, wie groß die Bereitschaft ist, sich diesem sensiblen Thema mit Kunst und Haltung zu widmen.

Zum Abschluss sang das Ensemble gemeinsam Imagine von John Lennon und hinterließ ein Publikum, das begeistert, betroffen und inspiriert nach Hause ging. Eine Matinee, die nachhallt.

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