Mit „Erwin“ einmal um das Eigene herum. Peter Gebhard füllte das Tivoli mit Fernweh nach Heimat

Ein Abend voller Bilder und Geschichten

Freiberg

Ein roter Oldtimer Bulli, eine Leinwand voller Bilder und ein Erzähler, der nicht nur reiste, sondern unterwegs zuhörte. Am 12. Januar luden Autohaus Franke und das Konzert und Ballhaus Tivoli zum Filmvortrag „Peter Gebhard 360° Deutschland“ ein. Gebhard nahm sein Publikum mit auf eine Live Reportage über ein Land, das wir oft zu kennen glaubten, aber selten wirklich sahen.

Das Glück begann oft vor der Haustür

Schon die Leitfrage traf den Nerv des Abends: Warum konnten viele Bali, Brooklyn oder die Seychellen sofort verorten, aber nicht die Höri, das Bliesgau oder die Oberlausitz. Genau dort setzte Gebhard an. Mit Filmsequenzen, Fotografie und Erzählkunst zog er die Zuschauer in einen ruhigen Sog. Sein Blick blieb an Details hängen, an Gesichtern, Gesten und kleinen Sätzen, die man sonst im Vorübergehen verlor.

Der Saal lernte die legendären 86-jährigen Pioniere des Windsurfens ebenso kennen, die Familie, die nach 20 Jahren Welttour wieder zurück ins Erzgebirge kam, und viele Menschen, denen Peter Gebhard auf seinen Reisen begegnet war.

Begleiter der Tour war seit Jahren „Erwin“, sein Oldtimer Bulli. Diese Langsamkeit war Programm. Gebhard erinnerte an die Weisheit „Schildkröten können dir mehr über den Weg erzählen als Hasen“. Und plötzlich wurde daraus eine Einladung, sich Zeit zu nehmen, genauer hinzusehen und Menschen wirklich zu begegnen.

In seinen Reportagen ging es nicht nur um Kilometer und Ausblicke. Es ging um Wertschätzung, Offenheit und Respekt. Vor allem ging es um Begegnungen, die nicht geplant gewesen waren, aber blieben. Als das Licht im Tivoli wieder anging, wirkte es, als hätte der Abend den Blick ein wenig verschoben. Auf das Naheliegende, das plötzlich wieder fremd und spannend sein durfte.

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