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Mittweida entgeht Bombenhagel nur knapp

historie Luftangriff verfehlt Ziel - Hobbyforscher glaubt, dass Bomben nicht Mittweidaund Erlau galten

Erlau/Mittweida. 

Erlau/Mittweida. Vor einem Dreivierteljahrhundert entging Mittweida nur knapp einem Bombardement: Fast auf den Tag genau vor 75 Jahren, am 25. Dezember 1944, steuern zur Mittagszeit aus Süden kommend amerikanische Bomber auf Mittweida zu. Als sich die Flugzeuge über dem Bahnhof befinden, klinken die Piloten ihre zerstörerische Last aus, die auf den Erlauer Feldern nahe des Hahnebachs eine breite Schneise der Verwüstung hinterlässt. Nach dem Luftangriff schwenkt der Verband ab, der, so erinnern sich Zeitzeugen, gut 50 Einschläge zurücklässt. Darunter auch in Nähe des Bahnhofes und früheren Feldflugplatzes von Mittweida. Verletzte oder Tote gibt es glücklicherweise nicht. Ironie und Tragik der Geschichte: Ihr eigentliches Ziel treffen die Alliierten nicht. Das jedenfalls meint Ralf Härtel aus Mittweida, der seit mehreren Jahren das Ereignis recherchiert. Dem Hobbyforscher ist es mithilfe eines Historikers zur Luftkriegsgeschichte gelungen, das Bombardement anhand historischer Aufzeichnungen aus deutschen und amerikanischen Archiven teilweise zu rekonstruieren. Härtel ist überzeugt, dass Mittweida nicht das Angriffsziel war, sondern der Bahnhof im fast 20 Kilometer Luftlinie entfernten Roßwein. "Der Pilot muss an seinem Ziel vorbeigeflogen sein, was im Luftkrieg immer wieder einmal vorkam", so der 39-Jährige. "Und fliegerisch ist die Entfernung nach Mittweida allemal ein Klacks", ergänzt er.

Dokument aus dem US-Archiv liefert Beweise

Den möglichen Beweis für seine Theorie liefert ein Dokument im Archiv der US-Luftwaffe. Härtels Roßwein-Fassung wird durch ein Dokument auf Mikrofilm, das im Archiv der Air Force aufbewahrt wird, bewiesen. Dabei handelt es sich um eine Zusammenfassung aller Luftangriff-Einsätze an einem Tag und bei Nacht. Die Aufzeichnungen stammen von der 15. US-Luftflotte, die von Italien aus die Bomberoffensive gegen das Deutsche Reich unterstützte. Ziel der Luftflotte war am 25. Dezember 1944 auch Roßwein. In dem Dokument wird der Bahnhof als alternatives Ziel genannt. Allerdings fielen an diesem Tag keine Bomben auf die Muldestadt. Laut Härtel muss der Navigator damals geglaubt haben, über Roßwein zu sein, was er auch bei seiner Meldung angab. "Tatsächlich steuerten die Flugzeuge Mittweida an", meint der Hobbyforscher. Das würde erklären, weshalb die Bomben nahe des Mittweidaer Bahnhofs, neben der Bahnlinie in Richtung Erlau detonierten. "Auf einem Luftbild vom April 1945 ist das gut erkennbar", so Härtel.