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Motorradrennfahrer der ersten Stunde verstorben

Motorsport Jahnsdorfer Hannes Türk, schnellste Fleischermeister siegte auch auf dem Sachsenring

Taura. 

Taura. Wie jetzt erst bekannt wurde, verstarb am 3. November ein Pionier des DDR-Motorradrennsports, der Jahnsdorfer Hannes Türk, nur wenige Wochen nach seinem 90. Geburtstag. Nur Monate zuvor war seine Ehefrau Christa am 26. April im Alter von 87 Jahren verstorben. Das Paar war zeitlebens ein Herz und eine Seele, den Tod seiner Frau konnte Hannes Türk nicht verwinden.

Das allererste Rennen des jungen Fleischergesellen aus dem Erzgebirge war ein Ausweis-Rennen 1951, das Leipziger Stadtparkrennen auf einer 125er DKW. Und der Privatfahrer war weiter auf dem Vormarsch, Top-Platzierungen auf der Dresdner Autobahnspinne und ein Sieg in Schleiz folgten.

Das 11. Sachsenring-Rennen Ende September desselben Jahres gewann Hannes Türk (125ccm-Ausweis) mit der schnellsten gefahrenen Runde. Eine Woche später, beim 12. Sachsenring-Rennen am 7. Oktober, bereits die Lizenz in der Tasche, wurde Hannes Türk Meister der BSG Motor Süd-West in der Klasse bis 125ccm mit 19 Sekunden Vorsprung vor dem Chemnitzer Kurt Noack. Auf Platz 3 landete nur eine Sekunde hinter Noack, Andreas Ellmann, ebenfalls Chemnitzer. Auf Platz 4 fuhr, wie alle anderen auf einer IFA-DKW, Siegfried Haase aus Grießbach. Das war wohl der größte Erfolg für Hannes Türk, der gestandene Fahrer hinter sich lassen konnte. Und noch vor dem Start der Rennsportsaison gewann er Anfang März mit Beifahrer Werner Kühn mit einem BMW-750-Gespann die 1.Winterprüfungsfahrt in der DDR in Chemnitz unter der Organisation des BSG Motor Chemnitz Süd-West.

Die 13. Auflage des Sachsenring-Rennens innerhalb der DDR-Meisterschaft, das auch zahlreiche westdeutsche Rennfahrer auf den Plan rief, gewann der Ingolstädter Herrmann-Paul Müller (Klasse bis 125ccm, Lizenz) vor dem Marburger Karl Lottes (beide (Mondial) und dem Chemnitzer Horst Fügner, der auf einer IFA-RT unterwegs war. Auf Platz 7 landete kein Geringerer als der spätere Vize-Weltmeister auf DKW, der Ingolstädter August Hobl. Unmittelbar dahinter fuhr Hannes Türk durchs Ziel. Da die Westdeutschen außerhalb der Wertung liefen, landete Hannes Türk als bester Privatfahrer hinter den Zschopauer Werksfahrern auf Platz 4 - ein Top-Resultat. Insgesamt stand der 10. Gesamtplatz zu Buche. In den Jahren 1953 auf einer IFA und 1954 empfahl sich der Mondial-Fahrer mit ansprechenden Leistungen. Doch mittlerweile war der Erzgebirger zu schwer geworden für die 125er-Klasse, sein Freund Edgar Barth aus Herold übererlies ihm daher seine hubraumstärkere Federbett-Norton, die Hannes Türk (Klasse C500ccm) in Schleiz auf Anhieb auf Platz 3 abstellte. Der BSG-Motor-IFA-Fahrer wurde Gesamtdritter der DDR-Meisterschaft, in seinem letzten und damit 6. Jahr im Motorradrennsport, 1956, noch einmal Gesamtfünfter. Im Anschluss hängte er seinen Helm an den Nagel, als Fleischermeister übernahm er das Fleischerei-Geschäft seines Vaters zusammen mit Ehefrau Christa. 1970 wurden die beiden mit dem Bau eines Eigenheims in Taura im Chemnitztal ansässig.

Hannes Türk war ein geradliniger Zeitgenosse, auf sein Wort konnte man bauen.