Müntefering: "Brauchen Mitmacher, keine Besserwisser"

Diskussion Müntefering spricht in Mittweida über Demokratie

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Hoher Besuch an der Hochschule Mittweida: Früherer Vize-Kanzler und SPD-Vorsitzender Franz Müntefering diskutierte bei Podiumsdiskussion vor 170 Zuhörern über die Demokratie. Fotos: Dennis Heldt

Mittweida. Die Hochschule Mittweida stellte sich auf einen großen Ansturm am Mittwochabend ein, schließlich kündigte sich der ehemalige Vize-Kanzler und Bundesminister a.D. Franz Müntefering für die Podiumsdiskussion "Dialog Kontrovers" an der Hochschule an. "Unser Veranstaltungsraum ist ausgelegt für etwa 180 Personen, wir bieten heute zusätzlich einen Livestream an und übertragen diesen auch in einem benachbarten Hörsaal", erklärte Babett Nimschowski von der Hochschule im Vorfeld.

Viele Übereinstimmungen der Diskussionspartner

Der ganz große Andrang blieb - vermutlich den heißen Temperaturen geschuldet - aber doch aus: 170 interessierte Mittweidaer fanden den Weg zur Veranstaltung. Zu hören bekamen sie dabei eine spannende Diskussion zwischen Müntefering und dem Professor Christoph Meyer, geleitet von Moderator Professor Stefan Busse.

Bei der Kernfrage "Wer regiert die Demokratie" kam es jedoch öfter zu Übereinstimmungen als zu Kontroversen. Münteferings Antwort lautete, die Regierung regiert die Demokratie, ohne Bürgerbeteiligungen funktioniere es aber nicht: "Demokratie lebt von Mitmachern, nicht von Besserwissern, daher sollten sich viel mehr Menschen stark machen für ihre Ideen und diese einbringen", so der Ex-SPD-Politiker.

Wo ist Spielraum für Verbesserungen?

Mit Blick auf die benachbarten Länder und die USA konstatierten sowohl Professor Meyer als auch Müntefering, dass sich die deutsche Demokratie glücklicherweise in einer stabilen Lage befinde. Verbesserungspotential gebe es dabei aber dennoch. Für Müntefering scheut die Bundespolitik viel zu oft Debatten und Streits: "Das Problem der modernen Demokratie bei uns ist ein zu großer Paternalismus. Wir trauen uns nicht mehr offen über Themen zu streiten, das lähmt und langweilt und schläfert die Demokratie etwas ein."

Von Mittweida, der Hochschule und der Diskussionsrunde war Müntefering hingegen alles andere als gelangweilt: "Es ist fantastisch, dass es im ländlichen Raum, vor allem in Sachsen, solche Bildungseinrichtungen gibt, das hilft ungemein. Und das Publikum war intelligent, interessiert und besser als wir", sagte Müntefering.