Müntefering: "SPD bleibt Volkspartei, auch in Sachsen"

Interview Ex-SPD-Chef über die Lage der Sozialdemokratie

muentefering-spd-bleibt-volkspartei-auch-in-sachsen
Franz Müntefering. Foto: Dennis Heldt

Der frühere SPD-Vorsitzende und Vize-Kanzler Franz Müntefering besuchte am vergangenen Mittwoch die Hochschule Mittweida. Bei der Diskurs-Reihe "Dialog Kontrovers" debattierte er mit den Gästen über die Zukunft der Demokratie. BLICK-Reporter Dennis Heldt traf den 77-Jährigen im Anschluss zum Interview.

Herr Müntefering, in Sachsen sorgt aktuell eine MDR-Umfrage für Gesprächsstoff, wonach die SPD nur auf 11 Prozent der Simmen kommt.

Kann man vor diesem Hintergrund Ihre Partei noch als Volkspartei bezeichnen und warum tut sich die SPD im Osten so schwer?

Nun ja, zunächst einmal sollte gesagt werden, dass das Merkmal einer Volkspartei ist, sich um alle Bevölkerungsgruppen zu kümmern und keine Klientelpolitik zu betreiben. Demzufolge kommt es nicht auf den Prozentsatz an.Nach dieser Definition bleibt die SPD eine Volkspartei, auch in Sachsen. Und das die Sozialdemokratie im Osten Probleme hat, ist auch nicht neu, hier wurden sicherlich auch Fehler gemacht. Man braucht junge Leute, die mithelfen wollen und selbst aktiv werden.

Dies gelingt der Alternative für Deutschland im Osten offenbar besser?

Klar, die AfD ist vor Ort teilweise sehr präsent. Dort müssen die anderen Parteien, auch die SPD, ebenfalls hinkommen. Nur mit mehr Mitmachern und weniger Besserwissern schaffen wir diese Strukturen und erreichen die Menschen in Sachsen auch mit sozialdemokratischen Ideen.

Waren Sie das erste Mal in Mittweida?

Ich war schon überall auf der Welt. Ob ich auch schon einmal in Mittweida war, kann ich nicht mit Gewissheit sagen, in Sachsen war ich schon sehr oft.

Welchen Eindruck haben Sie von Stadt und Hochschule bekommen?

Einen sehr positiven. Es ist sehr wichtig, dass eine solche Fachhochschule in der Provinz existent ist.

Sie stabilisiert die Region und schafft Bildungs- und Freizeitangebote für Jugendliche. Wir müssen wieder davon wegkommen, dass es universitäre Einschläge nur in Großstädten geben sollte, das ist für die gesellschaftliche Entwicklung der falsche Ansatz.