"Müssen Intoleranz auch heute entgegentreten"

Erinnerung Bürger und Schulklassen gedenken der Opfer des Nationalsozialismus

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Die Stadtverwaltung Mittweida und der DGB Ortsverein Erlau legten am Freitag einen Kranz auf das Kriegsmahnmal am Mittweidaer Schwanenteich. Foto: Dennis Heldt.

Mittweida. Seit 1996 ist der 27. Januar ein nationaler Gedenktag in der Bundesrepublik. An diesem Tag vor 72 Jahren wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee befreit. Der verstorbene Bundespräsident Roman Herzog proklamierte diesen Tag vor 21 Jahren zum bundesweiten, gesetzlichen Gedenktag. Viel zu spät, meint der Mittweidaer Beigeordnete Holger Müller in seiner Rede vor dem Kriegsmahnmal am Freitag am Mittweidaer Schwanenteich:

"Es ist eigentlich traurig, dass wir uns erst 1996 auf einen solchen Gedenktag festlegen konnten. Noch erschreckender sind allerdings die neuen Diskussionen um dieses Thema in den vergangenen Tagen und Wochen." Müller spielte dabei auf die Rede von AfD-Politiker Björn Höcke an, welcher vor kurzem in einem Vortrag in Dresden die deutsche Erinnerungskultur infrage stellte, weil man sich mit dem Holocaust-Mahnmal in Berlin ein "Denkmal der Schande" gesetzt habe.

Der Mittweidaer Beigeordnete griff diese Behauptung anschließend noch einmal auf: "Wer nicht an seine Vergangenheit erinnert, wird auch die Zukunft nicht positiv gestalten können. Die Waage zwischen zu viel und zu wenig Erinnerungskultur sollte lieber auf zu viel fallen."

Bei derlei Gedenkveranstaltungen wie der Kranzniederlegung am Freitag in Mittweida gehe es nicht um Scham, sondern auch um einen Aufruf zu stetiger Wachsamkeit, so Müller außerdem. Neben einigen Bürgern waren vor allem zahlreiche Schüler bei der Kranzniederlegung am Schwanenteich vor Ort. Mehrere Schulkassen des Städtischen Gymnasiums, der Pestalozzi-Schule und der Fichte-Oberschule verfolgten die Gedenkveranstaltung.

Initiiert und betreut werden diese Teilnahmen vor allem von den Geschichtslehrern der Schulen. "Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir mit den Schülern an einem Tag zum Gedenken hierherkommen. Dass nun gerade ein Geschichtslehrer (Anmerkung: Höcke studierte Geschichte auf Lehramt) das Gedenken hinterfragt, ist unanständig und beschämend", sagte Volkmar Wohlfahrt, Geschichtslehrer an der Fichte-Schule in Mittweida. Er fahre seit mehreren Jahren mit einer Klasse für vier Tage nach Auschwitz ins Museum. "Das sollte jede Schule in ihr Programm aufnehmen, die meisten erinnern eigentlich sogar zu wenig", so Wohlfahrt.

Weitere Gedenkveranstaltungen fanden am Freitag unter anderem in Frankenberg und Burgstädt statt.