„Nehme an in Demut, gebe ab in Dankbarkeit“: Wie ein Franke die mittelsächsische Staatsbürgerschaft erhielt

Oberbürgermeister von Hainichen setzt neue historische Marke

Hainichen

Wenn ein Stadtoberhaupt eine Wette per Sprung in das örtliche Stadtbad einlöst, sich auf dem Sportgelände die Fußballspiele anschaut, beim Badewannenrennen in einem Ortsteil an den Start geht, beim Städtewettbewerb auf dem Fahrrad in die Pedale tritt und beim Gang durch die Stadt von (fast) allen gegrüßt wird, dann muss es sich um einen Oberbürgermeister zum Anfassen handeln, der in der Bevölkerung seinen festen Stand hat.

Zahlreiche Projekte umgesetzt

Dieter Greysinger, der Oberbürgermeister von Hainichen, verkörpert den Typus eines solchen Kommunalpolitikers. Er kam einst im Rahmen der deutsch-deutschen Hilfe nach der Wende als Mitarbeiter der Barmer-Krankenkasse aus Franken nach Hainichen und nahm im Dezember 2004 erstmals auf dem Bürgermeisterstuhl Platz.

Damals wusste der Fußballfan, der glühender Verehrer des 1. FC Nürnberg ist, noch nicht, dass er sich damit einen Stammplatz erkämpft hatte. Längst ist der „zugereiste Wessi“ in Besitz der „mittelsächsischen Staatsbürgerschaft“. Unter seiner Regie hat sich die Stadt zweifellos positiv entwickelt.

Zahlreiche Projekte wurden angepackt und erfolgreich umgesetzt. Stellvertretend dafür seien die Sanierung des Freibades und des Goldenen Löwen, der Abriss mehrerer Industriebrachen sowie Investitionen in die Sportstätten sowie die Ortsfeuerwehren genannt.

Bis 2032 im Amt

Seine aktuelle - und zugleich finale -Amtsperiode läuft noch bis 2032. Ist diese Bilanz nicht schon eindrucksvoll genug, hat Greysinger nun einen bemerkenswerten Rekord aufgestellt.

„Unser Stadtarchiv hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich jetzt ein besonderes Jubiläum feiern darf. Ich bin länger Bürgermeister als Georg Bernhard Friedel. Er hatte von 1883 bis 1905 dieses Amt inne“, erklärt der 61-Jährige. „Da die Bürgermeister, welche vor mir in Amt und Würden waren, dies immer nur abwechselnd in einem zwei- Jahres-Rhythmus ausübten, darf ich mich somit mit der Ehre ,Bürgermeister mit der längsten Amtsperiode in der Geschichte der Stadt Hainichen‘ zu sein, schmücken“, sagt Greysinger, der nicht nur den Fußball liebt, sondern umfassend sportlich interessiert ist und gern in die Ferne reist.

Weiterhin Freude am Job

Er versicherte in dieser Woche, seinen Job an der Rathaus-Spitze nach wie vor äußerst engagiert auszuüben. „Auch nach mehr als 21 Jahren bin ich immer noch mit viel Freude aktiv, ich hoffe, das merkt man mir an“, so der Familienvater.

Anlässlich seines Jubiläums bereiteten ihm die Rathaus-Mitarbeiter einen herzlichen Empfang.

1990 erstmal in Hainichen

Während der kleinen Feier dachte Greysinger mehrfach an den 27. August 1990.

„An diesem Tag war ich das erste Mal in meinem Leben in Hainichen. Ich bin sehr dankbar, dass alles so gekommen ist. Letztendlich habe ich ihn der Stadt alles gefunden, was man sich wünschen kann“, sagt der Oberbürgermeister. Er sei gern bei der Barmer gewesen. „Aber noch viel lieber bin ich jetzt Bürgermeister. Ich habe eine tolle Familie und besitze ein schönes Umfeld.

„Nachdem vor 21 Jahren viele Dinge noch nicht so rund liefen, hat sich jetzt doch alles zum positiven entwickelt. Ich arbeite mit einer sehr motivierten und leistungsstarken Verwaltung sowie einen Stadtrat zusammen, der keine Heckenschützen- Angriffe gegen meine Person startet“. so Greysinger.

Demut und Dankbarkeit

Er sei zuversichtlich, in Hainichen noch das eine oder andere bewirken zu können. „Für mich war der gestrige Tag Demut, Dankbarkeit und Freude zugleich.

Und ein Satz habe ihn über die ganze Zeit geprägt. Er wurde Dieter Greysinger von Dr. Gerald Thalheim, damals Mitglied des Deutschen Bundestags, bei seinem Amtsantritt ins Aufgabenbuch geschrieben:

„Nehme an in Demut, gebe ab in Dankbarkeit“.

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