Niedersteinbach: Ehemaliger Schulleiter feierte seinen 100. Geburtstag

Jubilar Gerhard Lorenz interessiert sich noch für alles was in seinem Heimatdorf passiert

Niedersteinbach. 

Vor ein paar Tagen konnte Gerhard Lorenz seinen 100. Geburtstag feiern. Der Jubilar ist vielen als Leiter der ehemaligen Schule im Peniger Ortsteil Niedersteinbach noch bekannt. Er wurde in Leipzig am 14. September 1920 geboren, wuchs dort auf und lernte im Turnverein seine Frau kennen. Nach der Ausbildung zum Versicherungskaufmann musste er noch fünf Jahre in den Krieg. "Nach dem Krieg wurden Neulehrer gesucht. Dafür meldete ich mich und absolvierte einen Lehrgang und später ein Fernstudium zur Lehrbefähigung. Wir entschieden uns für ein Leben auf dem Lande und ich wurde Lehrer in Niedersteinbach", berichtet der Senior. In seiner fast 40-jährigen Lehrertätigkeit, 30 Jahre davon als Schulleiter, unterrichtete er zirka 800 Kinder. Zu vielen hielt er lange Zeit persönlichen Kontakt. Nach seinem Umzug nach Stralsund verfolgt er auch noch heute einige Lebenswege. "Ich begann im Krieg Tagebuch zu führen und habe es dann beibehalten", erzählt Gerhard Lorenz. Er brachte persönliche und familiäre Erlebnisse zu Papier, schrieb nieder wie sich das schulische und gesellschaftliche Leben im Dorf entwickelte, notierte auffällige Naturereignisse wie Sturm oder Hochwasser und hielt das kulturelle und sportliche Leben fest. Dazu zählte auch die Geschichte des Kirchspiels Niedersteinbach.

Auch heute ist Gerhard Lorenz noch sehr mit der Region verbunden

Die schriftlichen Notizen wurden mit unzähligen Fotos durch ihn belegt. Als Geschichtslehrer beschäftigte er sich auch mit der Historie des Dorfes. Dazu besuchte er die Archive in Dresden, Leipzig und Altenburg. Durch die umfassenden Recherchen verfasste er die Chronik von Niedersteinbach. Darin würdigt er auch die Haltung des 1803 in Niedersteinbach geborenen evangelischen Theologen Karl von Hase in der politisch bewegten Zeit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Seine in Penig lebende Tochter berichtet: "Er ist immer noch sehr wissbegierig und lässt sich Zeitungen von hier zuschicken. Die Artikel liest er mit großem Interesse und ist so mit dem Heimatdorf und der Region noch eng verbunden. Viele Namen sind ihm geläufig und er hat eine gute bildliche Vorstellung, wenn über Veränderungen in diesem Umfeld berichtet wird". Er arbeitet fast täglich am Computer, bearbeitet Texte und Fotos, sendet Emails und nutzt das Internet. In seiner Wohnung lebt er seit dem Tod seiner Frau vor acht Jahren allein. 2011 feierten sie noch gemeinsam ihre Eiserne Hochzeit nach 65 glücklichen Ehejahren. Bei seiner diesjährigen Geburtstagsfeier, die in einem kleinen Hotel an der Ostsee stattfand, waren über 40 Gäste anwesend. Darunter seine beiden Kinder, fünf Enkel und sechs Urenkel.