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"Pfoten weg!": Präventions-Projekt zu sexueller Gewalt an Kindern kommt nach Burgstädt

Projekt Figurentheater im Mai in Kindereinrichtungen zur Aufklärungsarbeit unterwegs

Burgstädt. 

Burgstädt. Im Jahr 2020 verzeichnete die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) in Deutschland mehr als 14.500 den Behörden bekannte Fälle im Bereich des sexuellen Kindermissbrauchs. Die Dunkelziffer ist weitaus höher. Jeder siebte bis achte Erwachsene soll in Kindheit und Jugend sexuelle Gewalt erfahren haben. Initiativen wie der Weisse Ring e.V. tragen bereits seit mehreren Jahrzehnten zur Präventionsarbeit bei - auch bei Kindern. Und solch ein Projekt kommt im Mai auch ins mittelsächsische Burgstädt.

Projekt entstand aus einer Kooperation

Die Burgstädterin Ines Römer setzte sich dafür ein, dass das Projekt "Pfoten weg!" in die Stadt geholt wird. Sie ist selbst Betroffene von sexuellem Kindesmissbrauch. "Ich musste feststellen, dass es in Richtung Prävention im Landkreis Mittelsachsen nichts gibt", sagt sie. Sie recherchierte zu dem Thema und ist auf das Puppentheater der Konstanzer Puppenbühne gestoßen.

Dabei handelt es sich um eine Kooperation zwischen der Pädagogin Irmi Wette, der Polizei Konstanz und dem Weissen Ring. Ein interaktives Figurentheaterprojekt soll Kinder von vier bis acht Jahren spielerisch das Thema sexualisierter Gewalt näherbringen. Das Figurentheater erzählt eine Geschichte dreier Katzenkinder, die dem Besuch von Onkel und Tante mit gemischten Gefühlen entgegenstehen, wie sie ihre Gefühle offen ansprechen und laut "Nein!" sagen, wenn es ihnen zu weit geht.

Das Ziel des Projektes ist es, Kindern in offener Spielweise verständlich zu machen, dass sie sich auf die Unterstützung von Erwachsenen in ihrem Umfeld verlassen können, wenn sie sich unwohl fühlen, und wie sie sich am besten Gehör verschaffen können. Ist dies nicht der Fall, können solche Erfahrungen in Kindheit und Jugend die psychische Gesundheit erheblich beeinträchtigen. "Sie verlieren das Vertrauen auf ihre eigene Wahrnehmung und ihre eigenen Gefühle und neigen zu selbstverletzendem Verhalten", warnen Verantwortliche des Projektes auf der Website.

Das Theaterstück wird auch an Kindergärten und Grundschulen aufgeführt und wurde bereits vier Mal für den Deutschen Engagement Preis nominiert und hat 2014 den HelferHerzenPreis von dm für Konstanz und das Hegau gewonnen.

Figurentheater kommt im Mai in Burgstädter Einrichtungen

Zwischen dem 14. und 17. Mai macht das Figurentheater "Pfoten weg!" nun auch in Burgstädter Kindereinrichtungen Halt. "Das Projekt ist sehr wichtig, es geht jeden was an und unsere Kinder müssen geschützt werden - sie sind das wichtigste, was wir haben", so Ines Römer. Lehrer, Erzieher sollten ihrer Ansicht nach darauf viel mehr geschult werden, um schnell zu erkennen, wenn es einem Kind nicht gut geht und der Verdacht auf sexuelle Gewalt besteht.

Sie selbst verarbeitet ihre Geschichte mit einer Traumatherapeutin im Rahmen einer Broschüre und eines Buches. "Das Ganze soll dann für Gerichte, Polizei, Therapeuten, Lehrer, Erzieher und Eltern sein, um auch der Traumaarbeit mehr Beachtung zu schenken", sagt sie.

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