Reformationsjubiläum in Freiberg

Gottesdienst 480 Jahre lutherisches Geistesleben

reformationsjubilaeum-in-freiberg
Mit Gottvertrauen ins neue Jahr: Dompfarrer Urs Ebenauer während einer Predigt. Foto: Wieland Josch

Freiberg. Kaum hat das neue Jahr begonnen, so ist eines der interessanten Jubiläen in Freiberg bereits vorüber. Beim Neujahrsgottesdienst im Freiberger Dom St. Marien wurde eines Ereignisses gedacht, welches den perfekten Start in das Jahr zu den Feierlichkeiten 500 Jahre Reformation bildet. Am Neujahrstag 1537 nämlich, also vor 480 Jahren, wurde in eben jenem Dom der erste reformatorische Gottesdienst mit Abendmahl im albertinischen Sachsen gefeiert, und zwar zwei Jahre, bevor auch der Rest des Herzogtums sich zur neuen Lehre bekennen durfte. Daran erinnerte Urs Ebenauer, Pfarrer der Freiberger Domgemeinde, in seiner Rede, die aus diesem Anlass, wie der ganze Gottesdienst, live auf MDR Kultur im Radio übertragen wurde. Dazu bestieg er sogar die um 1510 fertiggestellte Tulpenkanzel, was ansonsten nur an Hohen Feiertagen geschieht, und nicht die rund 100 Jahre jüngere Bergmannskanzel. Heinrich der Fromme, Bruder des Herzogs Georg, hatte damals die Hoheit über Freiberg inne. Seine Frau Katharina überzeugte ihn, im Gegensatz zu seinem Bruder, den protestantischen Glauben anzunehmen. Mit dem Neujahrsgottesdienst 1537 manifestierte er seine Abkehr vom Katholizismus. Als sein Bruder zwei Jahre später starb, führte er Luthers Lehre in seinem ganzen Hoheitsgebiet ein. "Auf dem Fundament festen Glaubens kann man mutige Schritte tun", sagte Urs Ebenauer in seiner Predigt zum Jubiläum. "Die Reformation war ein großes Geschenk an die Christenheit." Ohne sie seien fortschrittliche Entwicklungen der Folgezeit kaum vorstellbar. Es sei wichtig gewesen, zum Zentrum des Glaubens, in dem Jesus Christus steht, zurückzukehren. "Wie mag sich Heinrich damals an diesem Ort gefühlt haben?", fragte Ebenauer sich und andere. "Ich bin überzeugt, dass, als der Gottesdienst erst einmal begonnen hatte, alle Last von ihm abgefallen ist."

Für das neue Jahr wünschte der Pfarrer seiner Gemeinde festen Halt. Bei allen Unwägbarkeiten, die 2017 bereithält, ob politisch, wirtschaftlich oder privat, könne man ebenso wie Heinrich der Fromme seinerzeit mit Gottvertrauen ins neue Jahr gehen.