Schüler graben in der Vergangenheit

Stadtgeschichte Gymnasiasten suchten mit Archäologen Reste der alten Mittweidaer Stadtmauer

Dass archäologische Ausgrabungen recht spannend sein können, wissen jetzt auch die beiden Schüler Elisabeth Kux und Justin Bäumler vom Gymnasium Mittweida. Innerhalb des von der EU geförderten Schulprojektes "Zeichen der Stadtgeschichte" hatten sich die beiden während ihrer Ferien wie Profis auf dem städtischen Grundstück an der Ecke Weberstraße/Kirchberg in den Erdboden gebuddelt, wo sie unter Leitung des Altmittweidaer Archäologen Wolfgang Schwabenicky nach Resten der alten Stadtmauer von Mittweida suchten. Während ihrer Forschung stießen sie tatsächlich auf ein Mauerstück. Die Hoffnung, dass es sich dabei um Relikte des Schutzwalls handeln könnte, war zunächst groß. Denn in der Nähe des Fundortes hatte sich damals eines von vier Stadttoren befunden, das bereits im Jahr 1836 abgerissen wurde. Die Datierung von Scherben, die während der Grabung gefunden wurden, hat jedoch gezeigt, dass es sich nicht um die Relikte des ehemaligen Mittweidaer Schutzwalls handelt. "Mithilfe der Keramik können wir das Alter der Mauerreste recht genau bestimmen", erklärt Schwabenicky. Der Untersuchung zufolge stammen die Scherben aus dem 19. Jahrhundert und sind damit viel älter als die Stadtmauer, die nachweislich schon im Jahr 1450 gestanden hat. "Die Beweise dafür liefert ein altes Schriftstück", erklärt der Archäologe. Wann die Stadtmauer tatsächlich errichtet wurde und wo sie früher einmal entlang führte, ist nicht bekannt. Relikte des historischen Schutzwalls sind allerdings noch heute in der Innenstadt zu finden. Beispielsweise am Stadtgraben und im unteren Bereich der Stadtkirche. Nächstes Jahr sind weitere Untersuchungen im Innenstadtgebiet geplant. An den Fundstellen, an denen bereits Mauerreste nachgewiesen wurden, soll später jeweils eine Camera Historica installiert werden. "Hierbei handelt es sich um eine Art kleinen Kasten, in dem sich ein Bild befindet, das den Ort so zeigt, wie er früher einmal ausgehen hat", erklärt Ralf Schreiber, Beigeordneter von Mittweida. Der Blick in die Vergangenheit soll dann in der Weberstraße und Quergasse möglich sein.