Schauanlagen entdecken: Zeitreise in die Welt des erzgebirgischen Bergbaus

Am 6. Juli öffnen zum 20. Tag der Schauanlagen in Mittelsachsen rund ein Dutzend technische Denkmale, Besucherbergwerke und Schachteinrichtungen ihre Türen

Freiberg

Mit dabei ist die Radstube Oberschöna, ein Technisches Denkmal der Untertageanlage des Unverhofft Segen Gottes Erbstolln. Bei Führungen können Besucher die imposante Errungenschaft bestaunen. Auch die Akteure der Erzwäsche Halsbrücke stellen ihr restauriertes Gebäude von 1840 vor und erklären die Aufgabe als Erzpochwerk mit Wasserrad. Zugleich informieren sie über den Fortgang des angestrebten Modellbaus ihres Pochwerks.

Die Bergbau-Enthusiasten des Turmhofer Pochwerksrades öffnen ihre Anlage zum letzten noch weitgehend original erhaltenen Wasserrad des deutschen Erzbergbaus. Derzeit ist dessen Funktionsweise anhand eines detailgetreuen Modells zu erleben.

Die Akteure des Drei-Brüder-Schachtes informieren unter dem Motto "Vom Silber zur sauberen Energie" und laden zur visuellen Befahrung des Maschinenraumes der Kaverne ein. Der Verein Historischer Bergbau Brand-Erbisdorf wird am Bartholomäusschacht die Haspelmaschine vorstellen und die Befahrung des Schachtes bis in 25 Meter Tiefe ermöglichen.

Am Standort IV. Lichtloch des Rotschönberger Stollns wird zu Untertageführungen und Schauschmieden eingeladen. Der Verein VII. Lichtloch Halsbrücke bietet Übertageführungen und eine Sonderausstellung zu Schwibbögen mit Bergbau. Am Hüttenstandort Muldenhütten wird das Zylindergebläse vorgestellt. Das Besucherbergwerk Alte Hoffnung Erbstolln Schönborn ermöglicht die rustikale Grubenbefahrung mit Boot in die wassertechnischen Anlagen des 19. Jahrhunderts mit Helm, Kittel und Geleucht ins Bergwerk. Hier drehte sich die erste Turbine unter Tage im Freiberger Bergbau "Kreiselradgezeug" ab 1843. Die Mittelalterliche Bergstadt Bleiberg in Sachsenburg lädt Gäste ein, das bergmännische Leben im Mittelalter in der nachgebauten Siedlung kennenzulernen. Besucher werden durch verschiedene Berg- und Zunftmeister geführt.

Die traditionelle montanhistorische Wanderung des Freiberger Fremdenverkehrsverein startet 14 Uhr am Parkplatz des Fachschulzentrums Zug und führt durch die Bergbaulandschaft Zug mit ihren zahlreichen Halden, Huthäusern und Kunstgräben.

 

Wissbegierige zur Entdeckertour eingeladen

Gerade an Standorten Mittelsachsens wird das Erbe auf vielgestaltige Weise gepflegt. Die Bergbaulandschaft Freiberg ist das älteste und wichtigste Abbaugebiet für Silber im Erzgebirge. Von 1168 bis 1968 wurde in diesem Gebiet kontinuierlich Silber abgebaut. Freiberg als die erste Bergstadt im Erzgebirge wurde im Jahr 1168 gegründet und vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Lage, der Entdeckung reicher Erzgänge und der eingesetzten Bergwerkstechnologien entwickelten sich im Laufe der Zeit zahlreiche bedeutende Bergbaulandschaften, so zum Beispiel die Bergbaulandschaften Gersdorf, Himmelfahrt Fundgrube oder Zug.

Die Sachzeugnisse sind Basis für ein aktives Vereinsleben in der Montanregion Erzgebirge/ Krušnohocí. Mit großem Engagement sind Akteure für die Errungenschaften der Vorgänger-Generationen tätig.

Davon können sich Interessierte zum Tag der Schauanlagen 2025 überzeugen. Am 6. Juli findet die 20. Auflage der von der Saxonia-Stiftung Freiberg initiierten Erlebnisveranstaltung statt. Ein Dutzend Schauanlagen, Radstuben, Besucherbergwerke und Schachteinrichtungen öffnen dafür im Landkreis Mittelsachsen ihre Türen.

Auf Initiative der Schirmherrin werden ehemalige Produktionsanlagen des Montanwesens, die von Vereinen wieder hergerichtet wurden und betreut werden, geöffnet. Viele dieser Anlagen sind nicht immer zugänglich. Vorgestellt werden Gebäudekomplexe, Übertage- und Untertageanlagen sowie Ausstellungen.

 

Knappschaftsklingelbeutel für St. Anna

Die Saxonia-Stiftung fördert auch berg- und hüttenmännische Frömmigkeitstraditionen. Daher erfolgt die Eröffnung in diesem Jahr ab 9.30 Uhr in der Bergmannskirche St. Anna in Tuttendorf. Neben der Ausreichung der Förderschecks und des Förderpreises der Stiftung für 2025 erfolgt die Übergabe eines restaurierten Knappschaftsklingelbeutels an deren Vorstand. Im Anschluss findet ein Berggottesdienst mit der Superintendentin des Ev-Luth. Kirchenbezirks Freiberg, Frau Hiltrud Anacker, sowie ein Vortrag zur Geschichte des Knappschaftsgestühls in der Bergmannskirche St. Anna statt. Den Vortrag hält das Mitglied des Stiftungsvorstandes, Bergkamerad Knut Neumann.

Die Bergkirche St. Anna in Tuttendorf ist eine der ältesten Kirchen des Landkreises. Vermutlich zwischen den Jahren 1190 und 1218 entstand am gegenwärtigen Standort die der Heiligen Anna geweihte Kapelle. Diese ist eine der Schutzheiligen der Bergleute. Aus diesem Grund fanden jeweils am 26. Juli, ihrem Namenstag, Wallfahrten der Bergleute nach Tuttendorf stat. Aus spätgotischer Zeit ist eine Holzfigur der Anna Selbtritt erhalten geblieben sowie eine Betsäule. Der letzte Erweiterungsbau, bei dem die Kirche ihre gegenwärtige Gestalt erhielt, erfolgte 1705 bis 1710.

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