• Corona-News
  • Sachsen
  • Chemnitz
  • Erzgebirge
  • Mittelsachsen
  • Vogtland
  • Westsachsen

Schulalltag während der Corona-Pandemie: Ein Erfahrungsbericht

EINBLICK Erwachsenwerden zwischen Zoomkonferenzen, Ausgangssperren und wirren Gedanken über die Zukunft

Freiberg. 

Die Jugend ist für jeden Menschen eine aufregende Zeit, aber in den letzten Monaten wurde dieses Wort für die meisten Jugendlichen ganz neu definiert. Für mich als Schülerin der zehnten Klasse am Gymnasium war die Homeschooling-Zeit eine ziemliche Herausforderung, was jedoch nicht bedeutet dass sie ausschließlich negativ war. Ein Erfahrungsbericht:

Die Welt im Stillstand

Die weltweite Corona-Pandemie hat jeden von uns kalt erwischt und erst einmal aus der Bahn geworfen. Viele unserer Pläne und Träume konnten nicht verwirklicht werden. Für mich fühlte es sich so an als hätte plötzlich jemand auf "Stopp" gedrückt und somit mein Leben sowie das gesamte Weltgeschehen einfach angehalten. Als Schüler hat man sich natürlich erst einmal gefreut, dass man fünf Wochen zu Hause bleiben darf, doch schon bald fand man sich in einem Chaos aus Emails mit endlosen Aufgabenblättern und stockenden Videokonferenzen wieder. Keiner von uns wusste, wie man mit so einer Situation umgehen sollte, am allerwenigsten wahrscheinlich die Lehrer. Doch zu diesem Zeitpunkt gingen wir alle davon aus, dass das nach diesen fünf Wochen alles Geschichte sein wird und wir wieder zu unserem "normalem" Alltag zurückkehren können. Doch so einfach war es nicht, wie wir alle wissen. Die Meinungen in Bezug auf die Homeschooling Zeit gehen weit auseinander, viele Erwachsene sagen, es sei viel leichter für die Schüler in dieser Zeit gewesen, da die Lehrer gnädiger waren und es weniger zu tun gab als normal. Auch jeder Schüler ging mit der Situation anders um und meiner Meinung nach sollte man niemanden dafür verurteilen, dass es bei ihm nicht so gut lief und vor allem sollte man deren Erlebnisse und Erfahrungen nicht leugnen. Es ist leicht als Außenstehender zu sagen, dass es eine entspannte Situation war, solange man nicht selber damit klarkommen musste.

Lichtblicke und Schattenseiten

Es gibt selbstverständlich auch positive Aspekte dieser schwierigen Zeit. Denn dadurch dass man sich seinen Tag selbst strukturieren musste, konnte man sich auch mehr Zeit für seine außerschulischen Interessen nehmen. Man konnte seine Zeit also dennoch irgendwie sinnvoll nutzen. Trotzdem hat man als junger Mensch natürlich den Drang, sich mit seinen Freunden zu treffen, viele aufregende Dinge zu unternehmen und einfach sein Leben in vollen Zügen zu genießen. Dieses Bedürfnis musste man nun für eine lange Zeit hinten anstellen. Als der erste Lockdown sich dem Ende näherte, wuchs auch die eigene Hoffnung wieder und man fieberte voller Vorfreude auf den Sommer hin. Danach ging es zunächst regulär in der Schule weiter, doch dann kam die zweite Welle, welche einen gefühlt endlosen Lockdown mit sich brachte. Diese Zeit war sehr nervenaufreibend und in vielerlei Hinsicht prägend für die meisten von uns. Einerseits war es für mich total schön wieder so viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen und generell einfach mal durchatmen zu können und nicht so viel um die Ohren zu haben. Aber wenn man so lange zu Hause ist, hat man es auch irgendwann einfach satt. Gleichzeitig fühlte es sich falsch an sich darüber zu beklagen, weil es vielen Menschen auf der Welt viel schlimmer ging beziehungsweise geht und man auch absolut nichts dagegen tun konnte. Ich habe mir einfach mein normales Leben zurückgewünscht, wollte nicht mehr nur jeden Tag vor dem Laptop sitzen und stupide meine Aufgaben erledigen.

Ausblick auf die Zukunft

Irgendwie bin ich trotz allem froh diese Zeit durchlebt zu haben, denn ich habe dabei sehr viel über mich selbst gelernt. Ich konnte mir wirklich Zeit nehmen, mich mit meinen Zielen, Werten und Interessen auseinander zu setzen. Außerdem wurde viel Aufmerksamkeit wieder auf aktuelle soziale und globale Probleme gelenkt ,was meiner Meinung nach auch unsere Gedanken über die Zukunft stark beeinflusst. Denn man muss sich als Schüler der Abschlussklasse, aber auch, wenn man noch ein paar Jahre Zeit hat, schon fragen, wie es später einmal weitergehen soll. Viele Fragen diesbezüglich kann ich noch nicht für mich beantworten, aber in den letzten Monaten habe ich auch gelernt flexibel zu sein und weniger Angst vor dem Ungewissen zu haben, sondern es eher als etwas Positives und Aufregendes zu sehen.