Sein Herz gehörte dem Bad: Nach 40 Jahren nimmt ein Bademeister aus Mittelsachsen Abschied von seinem Lebenswerk

Stephan Kern aus einer kleinen Gemeinde nahe Chemnitz hat diesem Bad nicht nur vier Jahrzehnte seines Lebens gewidmet – er hat es mit seinen eigenen Händen mit aufgebaut und geprägt. Jeden Baum auf der einstigen Kuhweide pflanzte er selbst, Generationen von Badegästen sah er kommen und gehen. Ende August stand er nun offiziell zum letzten Mal am Beckenrand. Ein bewegender Abschied von einem Ort, der für ihn nie nur Arbeitsplatz war, sondern Herzenssache, Lebenswerk und ein Stück Heimat.

Lichtenau/ Ortsteil Garnsdorf

Kinderlachen, Wasserplätschern, auf der großen Liegewiese haben sich Familien unter den alten Bäumen ein schattiges Plätzchen gesucht. Und mittendrin steht Stephan Kern.

So, wie ihn hier Generationen kennen. In seiner Arbeitskleidung. Auf der Brust steht ein Wort, das mehr als drei Jahrzehnte lang zu seinem Leben gehörte: "Sommerbad Garnsdorf". Am 27. August trug Stephan Kern diese Aufschrift zum letzten Mal im Dienst der Gemeinde Lichtenau - als Schwimmmeister, unweit von Chemnitz.

Nach all den Sommertagen am Beckenrand, den Wochenenden und Feiertagen, nach Badfesten, vollen Liegewiesen und stillen Morgenstunden vor dem ersten Badegast.

Stephan Kern, Jahrgang 1954, gehört zu diesem Bad wie kaum ein anderer. Stammgäste kennen ihn seit Jahrzehnten. Hier wird gegrüßt, hier ist man per Du, hier kennt man sich.

Und wer mit Stephan Kern über die große Liegewiese geht, merkt schnell: Selbst die Bäume erzählen ein Stück seiner Geschichte. Er hat sie gepflanzt. Jeden einzelnen.

Dort, wo heute Familien ihre Decken ausbreiten, Kinder barfuß durchs Gras laufen und Badegäste Schatten suchen, war früher eine Kuhweide.

Stephan Kern schaut über die Wiese. Wo einst kleine Setzlinge standen, sind längst große Bäume gewachsen.

Wer heute hierherkommt, sieht ein gepflegtes Familienbad. Grün, Wasser, Sommer. Stephan Kern sieht mehr.

Er sieht, wie alles einmal angefangen hat. Jahrzehnte seines Lebens. Generationen von Kindern, die hier groß geworden sind. Menschen, die einst selbst als Kinder zum Baden kamen und heute mit ihren Kindern oder Enkeln wiederkommen.

Dieses Bad war für Stephan Kern nie einfach nur ein Arbeitsplatz. Es ist sein Lebenswerk.

"Was will denn der Städter hier?"

Dabei beginnt die Geschichte von Stephan Kern in Garnsdorf beinahe zufällig. Sein Bruder hatte in den 80-iger Jahren ein Grundstück ganz in der Nähe des Bades. Nach Gartenfesten ging es gegen Mitternacht heimlich hinüber ins alte Bad. Und Stephan Kern entwickelte eine Vision für diesen Ort.

Anfangs habe sich mancher in der kleinen Gemeinde wohl gefragt: "Was will denn der Städter hier?"

Stephan Kern muss heute darüber lächeln.

Damals hatte er einen gut bezahlten Beruf. Die Arbeit am Wasser war ihm allerdings bereits vertraut. Mehrere Sommer lang hatte Stephan Kern jeweils rund acht Wochen im Vogtland als Rettungsschwimmer gearbeitet. Er qualifizierte sich weiter, sammelte Berufserfahrung, legte die notwendigen Prüfungen ab und wurde schließlich Schwimmmeister.

Und dann blieb er. In Garnsdorf.

Finanziell war das alles andere als selbstverständlich. In seinem vorherigen Beruf verdiente Stephan Kern nach eigener Erinnerung im Leistungslohn teilweise zwischen 1.000 und 1.200 DDR-Mark. Im Bad waren es zunächst nur rund 350 Mark Grundlohn. Trotzdem entschied er sich für das Sommerbad. Vielleicht kann man Leidenschaft manchmal genau daran messen.

Stephan Kern baute an "seinem" Bad selbst mit

Die Geschichte des Garnsdorfer Bades reicht viel weiter zurück. Bereits 1925 erwarb der Turnverein "Vater Jahn" ein Grundstück mit einem Teich. Über Jahrzehnte waren es immer wieder Vereine, freiwillige Helfer und Menschen aus der Umgebung, die das Bad erhielten und weiterentwickelten.

In den Jahren 1984 bis 1988 wurde erneut umfangreich saniert und umgebaut.

Mit dabei: Stephan Kern. Als Teil einer sogenannten Feierabendbrigade half er selbst beim Umbau des Bades mit. 1989 konnte dort wieder gebadet werden.

Nach der Wende wurde ein weiterer grundlegender Umbau notwendig. 1993 begann der komplette Neubau, im September 1994 wurde die neue Anlage feierlich eröffnet. Das Sommerbad galt damals als eines der modernsten weit und breit. An Spitzentagen kamen bis zu 1.500 Badegäste.

Und noch heute ist der Zuspruch beachtlich. Stephan Kern hat es selbst nachgerechnet: Je nach Saison kommen zwischen Mai und September rund 17.000 bis 22.000 Besucher ins Sommerbad Garnsdorf.

Diese Zahlen hat er nicht irgendwo nachgeschlagen. Stephan Kern hat sie gesammelt. So wie so vieles aus all den Jahren.

Ein Ordner voller Sommer

Vor Stephan Kern liegt an diesem letzten Tag, als wir ihn von der BLICK.de Redaktion besuchen, ein dicker Ordner.

Er schlägt ihn auf - und plötzlich liegt da ein ganzes Bademeisterleben auf dem Tisch. Zeitungsberichte aus Jahrzehnten. Dokumente. Erinnerungen. Dazu unzählige Fotos. Stephan Kern hat aufgehoben, was über "sein" Bad geschrieben wurde. Und er hat fotografiert. Viel fotografiert.

Die Freude daran kommt nicht von ungefähr. Seine Mutter war Fotolaborantin. Das Interesse an Bildern, sagt Stephan Kern, habe sie ihm wohl mit in die Wiege gelegt. Also blättert er.

Das Bad früher. Feste. Gäste. Mitarbeiter. besondere Momente. Veränderungen auf dem Gelände. Ein Foto führt zum nächsten und mit jedem Bild kommt eine neue Geschichte. Vielleicht ist dieser Ordner deshalb viel mehr als ein Archiv.

Er ist ein Stück Leben.

Während draußen Kinder ins Wasser springen, liegen vor Stephan Kern Jahrzehnte Sommerbad auf Papier. Und mittendrin immer wieder er selbst.

"Ich wusste immer, dass Wochenende ist …"

Dieses Leben hatte einen Preis. In manchen Saisons, die nur wenige Monate dauerten, kamen für Stephan Kern bis zu 600 Überstunden zusammen.

"Jede mit Herzblut", sagt er. Über manches kann Stephan Kern heute lachen.

Doch sobald er von seiner Familie spricht, verändert sich sein Blick. Die Augen werden feucht.

Denn die schönsten Tage für ein Freibad sind oft genau jene Tage, an denen andere Familien gemeinsam frei haben. Wochenenden. Geburtstage. Feiern. Der Schulanfang eines Enkels.

Wenn die Sonne schien und andere ins Freibad strömten, musste Stephan Kern dort sein.

Ein Satz erzählt vielleicht besser als jede Überstundenstatistik, was das bedeutete:

"Ich wusste immer, dass Wochenende ist, wenn meine Frau mir das Essen an den Zaun gebracht hatte."

Wenn Stephan Kern von seiner Frau Sabine erzählt, spürt man seine Dankbarkeit. Für sie, für seine Kinder und Enkel. Für all die Menschen, die über Jahrzehnte akzeptiert haben, dass sie ihren Mann, Vater und Opa gerade an den schönsten Sommertagen mit einem ganzen Freibad teilen mussten.

Das Essen am Zaun. Die Feier ohne ihn. Der Termin, bei dem das Bad wieder einmal vorging.

Dass seine Familie diesen Weg mitgetragen hat, das ist ihm sehr wohl bewusst... Und es berührt ihn sichtlich.

"Das hier ist noch eine heile Welt"

Vielleicht versteht man seine Verbundenheit mit Garnsdorf am besten, wenn man einen Sommertag dort verbringt.

Hier geht man nicht anonym aneinander vorbei. Man grüßt sich. Man kennt sich. Man ist per Du.

Familie Schreiter beispielsweise kommt inzwischen in der dritten Generation aus dem Chemnitzer Norden nach Garnsdorf. Für sie ist Stephan Kern das "Urgestein des Bades": immer freundlich, immer ansprechbar - aber klar, wenn Regeln eingehalten werden mussten.

Das bekam sogar einmal ein Enkel der Familie zu spüren. Stephan Kern sprach ein Badeverbot aus. Später wurde sich entschuldigt, die Sache war geklärt - und weiter ging es. So ist das hier. Familiär. Direkt. Dörflich im besten Sinne.

Und manchmal reicht ein Haargummi, um das zu erklären.

Wenn Kinder im Bad einen finden, bringen sie ihn zu Stephan Kern. Schließlich könnte er jemandem gehören.

"Das hier ist noch eine heile Welt", sagt Stephan Kern.

Es sind solche Kleinigkeiten, die ihm etwas bedeuten. Kinder, die zu Saisonbeginn selbst gemalte Bilder mitbringen. Stammgäste, die im Winter aus dem Urlaub eine Postkarte schicken.

"Es ist schön, dass auch da an uns gedacht wird", sagt Stephan Kern. An uns, sagt er. Nicht an mich. Denn wenn Stephan Kern von seinem Lebenswerk erzählt, erzählt er immer auch von den Menschen, die dazugehören.

"Genieße jetzt dein Leben - außerhalb vom Bad"

Von den Kassiererinnen und Rettungsschwimmern. Von den Menschen, die reinigen, reparieren und dafür sorgen, dass morgens alles bereit ist. Vom Imbiss, von der Gastronomie mit Kegelbahn - und von Kollegen, aus denen über die Jahre Wegbegleiter wurden.

Einer davon ist Thomas Hain. Er gehört sein ganzes Leben längst zum Inventar. Schon seit Kindheit und Jugend war er hier - und ist es bis heute.

Das Sommerbad ist auch für Thomas Hain längst "ein kleines Stück Heimat", sagt er. Heute arbeitet er hier als Rettungsschwimmer, in den kälteren Monaten beim Bauhof.

Wenn Thomas Hayn über Stephan Kern spricht, geht es deshalb um mehr als einen Kollegen.

Da ist Dankbarkeit.

Stephan Kern sei für ihn ein Vorbild gewesen und auf seinem eigenen Lebensweg ein wertvoller Begleiter. Einer, von dem man lernen konnte - und der gleichzeitig immer einen guten Spruch parat hatte und für Spaß zu haben war.

Jetzt gönnt Thomas Hain ihm von Herzen die Zeit, die kommt. Zeit für Sabine. Für die Familie. Für seine Hobbys.

Seine Botschaft an Stephan Kern:

"Genieße jetzt dein Leben - außerhalb vom Bad."

Die Bockwurst, die bleibt

Auch vom Bistro-Team kommt ein Abschiedsgruß, der zeigt, wie eng dieses Miteinander geworden ist. Fünf gemeinsame Sommer liegen hinter ihnen - voller Sonne, Wasser, Stress, Lachen, Quatschen und turbulenter Tage.

Für das Team war Stephan Kern nie nur der Bademeister. Er war ein fester Teil ihres Bistro-Sommers. Und falls die Sehnsucht doch einmal zu groß wird, steht schon fest:

"Eine Bockwurst am Bistro geht immer, Stephan. Du wirst uns fehlen!" wertschätzende und ehrliche Worte an ihn.

Eine Nachfolgerin, auf die er stolz ist

Und während einer geht, hat längst die nächste Generation Verantwortung übernommen. Diana Wolf ist eine von zwei Nachfolgerinnen, die Stephan Kern im Laufe der Jahre eingearbeitet hat. Heute leitet sie das Sommerbad. "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht", sagt Diana Wolf.

Schon in Kindheit und Jugend betrieb sie Leistungsschwimmen und spielte Wasserball. Von 1995 bis 1998 absolvierte sie in Chemnitz ihre Ausbildung zur Fachangestellten für Bäderbetriebe. Bis 2019 arbeitete sie im Bäderbetrieb der Stadt Chemnitz, unter anderem in den Schwimmhallen Gablenz und Südring sowie in den Freibädern Bernsdorf und Wittgensdorf.

Im August 2019 wechselte Diana Wolf zur Gemeinde Lichtenau. Sie suchte eine neue Herausforderung - und wollte wieder mehr draußen arbeiten. Seit 2023 ist sie Badleiterin in Garnsdorf. Im Winter arbeitet sie als pädagogische Helferin in Kindertageseinrichtungen der Gemeinde.

Dass Diana Wolf heute die Verantwortung trägt, macht Stephan Kern stolz.

Ein Lebenswerk lässt sich wahrscheinlich leichter loslassen, wenn man weiß, dass Menschen weitermachen, denen dieser Ort ebenfalls am Herzen liegt.

Zwischen sechs Kilometern Schlauch und sieben Lichtern

Stephan Kern kennt sein Bad nicht nur über der Wasseroberfläche. Er kennt auch die Technik dahinter. Zur Erwärmung des Beckenwassers gehört eine solarthermische Anlage mit insgesamt rund sechs Kilometern Schlauchleitungen, über die Sonnenwärme für das Wasser genutzt wird. Daneben gibt es Solartechnik, deren erzeugter Strom auch für die Badtechnik genutzt wird. Stephan Kern hofft, dass die Gemeinde das Sommerbad auch künftig gut erhält und notwendige technische Erneuerungen nach und nach möglich macht.

Keine Forderung. Eher der Wunsch eines Mannes, der sein Lebenswerk in andere Hände gibt.

Die Erwärmung des Wassers wissen vor allem die Stammgäste zu schätzen. Selbst an kühleren Tagen kann das Becken angenehme Temperaturen um 23 Grad erreichen. Gerade Dauerkartenbesitzer nutzen solche Tage gern, wenn auf der Wiese weniger los ist und im Becken Platz für richtige Bahnen bleibt.

Ein Tipp vom Bademeister

Und Stephan Kern hat nach vier Jahrzehnten im Freibad noch einen ganz analogen Wettertipp: morgens nicht nur auf die App schauen.

Sondern aus dem Fenster. Zum Himmel. Zu oft habe er erlebt, dass angekündigte mögliche Unwetter die Gäste fernhielten, während in Garnsdorf schönstes Badewetter herrschte.

Auch sonst ist das Bad mit der Zeit gegangen. Über das große Sonnensegel am Kinderbecken freut sich Stephan Kern besonders. Das Becken aus glasfaserverstärktem Kunststoff ist noch immer in einem bemerkenswert gepflegten Zustand. Sogar Besucher aus einer bayerischen Gemeinde kamen nach Garnsdorf, um sich die Anlage als mögliches Vorbild anzusehen.

Und inzwischen leuchtet das Bad sogar nachts.

Das Nachtschwimmen war eine Idee von Badleiterin Diana Wolf und wird gut angenommen. Wenn es dunkel wird, sorgen sieben Unterwasserleuchten für eine besondere Atmosphäre. Sieben Lichter im Wasser. Eine neue Geschichte für Stephan Kerns dicken Ordner.

Von Weltmeistern und gehäkelten Bikinis

Denn Geschichten hat dieses Bad reichlich gesammelt. Synchronschwimmerinnen aus Chemnitz kamen nach Garnsdorf. Welt- und Europameister Steve Theloke war mit seinen Medaillen zu Gast. Modellboote fuhren über das Becken. Es gab Bad- und Neptunfeste und sogar Modenschauen mit gehäkelten Bikinis, die verschiedene Jahrzehnte widerspiegelten.

Nicht jeder Sommer war leicht. Es gab Personalmangel und eine Zeit, in der das Bad montags geschlossen bleiben sollte. Bei bestem Wetter stand eine Schulklasse vor verschlossener Tür. Das sorgt im kleinen Ort für Gesprächsstoff und letztlich führte der Zusammenhalt dazu, dass dies zurück genommen werden konnte...

Eine Unfallfreie Saison stand über allem

Doch über allem stand für Stephan Kern in jeder Saison ein Wunsch:

Dass nichts passiert. Dass alle gesund wieder nach Hause gehen. Eine unfallfreie Saison. Vielleicht ist das am Ende die wichtigste Bilanz eines Schwimmmeisters. Und es gibt sie. "Es gab keinen in all den Jahren hier keinen lebensbedrohlichen Unfall", sagt er mit verantwortungsvollem und gleichzeitig erleichterndem Blick.

Wenn plötzlich Zeit bleibt

Eigentlich wollte Stephan Kern bereits mit 63 Jahren in den Ruhestand gehen. Ein früherer Rentenbeginn wäre jedoch mit finanziellen Abschlägen verbunden gewesen.

Und vielleicht war da noch etwas anderes.

Dieses Bad lässt sich nicht einfach ausschalten. Stephan Kern arbeitete zwei Nachfolgerinnen ein und blieb dem Sommerbad erhalten. Inzwischen ist er bereits das achte Jahr im Rentenalter geringfügig hier beschäftigt.

"Nun ist wirklich Schluss", sagt er - auch wenn es keiner glauben könne. Zumindest als Schwimmmeister.

Ganz verschwinden kann Stephan Kern ohnehin nicht. Dafür liegen Arbeitsplatz und Zuhause viel zu dicht beieinander. Er wohnt direkt neben dem Bad.

Selbst vom Küchenfenster aus kann Stephan Kern hinüberschauen. Wenn er künftig durch das kleine versteckte Tor des Sommerbades kommt, dann will er selbst ins Wasser. Als Badegast.

Vielleicht wird genau das die größte Umstellung: nicht mehr für alles verantwortlich zu sein. Nicht mehr überlegen zu müssen, ob die Technik läuft, wie das Wetter wird oder wie viele Menschen gleich durch den Eingang kommen. Einfach schwimmen. Und danach nach Hause gehen. Dorthin, wo jemand auf Stephan Kern wartet.

Am kleinen Tor wartet schon der Hund

Hunde haben Stephan Kern über viele Jahre begleitet. Und da gibt es dieses Bild, das vielleicht besser zu seinem Abschied passt als jedes große Wort:

Wenn Stephan Kern vom Bad nach Hause kam, wartete sein Hund auf ihn.

Am kleinen versteckten Tor zum Grundstück. Nur wenige Meter trennten die beiden - und doch lag dazwischen oft ein ganzer Arbeitstag im Sommerbad.

Jetzt könnte sich dieses Bild verändern. Nicht der Hund muss darauf warten, dass Stephan Kern endlich vom Bad herüberkommt.

Jetzt hat Stephan Kern Zeit. Für ihn. Für seine Hobbys. Und vor allem für seine Frau Sabine.

Vielleicht steht Stephan Kern künftig selbst an diesem kleinen Tor. Der Hund bei ihm, Sabine im Arm. Und gemeinsam schauen sie hinüber.

Denn draußen, vor seiner Haustür, liegt zwar noch immer sein Lebenswerk. Aber auf dieser Seite des kleinen Tores wartet jetzt sein Leben.

Aus einer Kuhweide wurde Heimat

Der dicke Ordner mit den Zeitungsausschnitten und Fotos wird bleiben. Die Erinnerungen auch. Doch das eigentliche Archiv von Stephan Kern liegt draußen. Es sind die Bäume auf der Wiese. Die Menschen, die wiederkommen. Die Kinder, die ihre Haargummis abgeben und Bilder malen. Die Stammgäste, die im Winter Postkarten schicken. Die Kollegen, für die Stephan Kern Vorbild und Wegbegleiter geworden ist.

Und die bis zu 22.000 Badegäste in einer Saison, die vielleicht gar nicht wissen, wie viel Arbeit in diesem kleinen Bad steckt. Sie müssen es auch nicht.

Vielleicht ist genau das ein Lebenswerk: etwas mit aufzubauen und über Jahrzehnte zu bewahren, bis es für alle anderen ganz selbstverständlich geworden ist.

Wo früher eine Kuhweide war, liegen heute Familien im Gras...

Wo Stephan Kern kleine Bäume pflanzte, suchen Menschen Schatten...

Und aus dem "Städter", bei dem sich einst mancher fragte, was er eigentlich in Garnsdorf wollte, wurde das "Urgestein des Bades"...

Ein Ära endet und doch bleibt sie für immer

Wenn Stephan Kern an diesem 28. August über die Wiese und zum Becken blickte, endete deshalb nicht einfach nur ein Arbeitstag.

Es endete ein Kapitel seines Lebens. Mehr als 30 Jahre Schwimmmeister. Sommer für Sommer. Mit Herzblut.

Und mit einer Familie, die all das mitgetragen hat.

Was bleibt, ist sein Wunsch, dass das Sommerbad Garnsdorf noch lange genau das bleibt, was es für so viele Menschen geworden ist: ein kleines Stück Heimat. Gut gepflegt, voller Leben - und am Ende jeder Saison vor allem eines:

unfallfrei.

"Erzähl doch mal …" - BLICK.de hört zu

Wir von BLICK.de waren am 28. August im Sommerbad Garnsdorf und haben zu Stephan Kern eigentlich nur gesagt: "Erzähl doch mal …"

Und dann kamen sie - die Geschichten eines ganzen Bademeisterlebens.

Genau solchen Geschichten wollen wir künftig mehr Raum geben. Ab Oktober startet bei BLICK.de eine neue Rubrik über Menschen aus unserer Region, die Orte geprägt haben, Besonderes erlebt haben oder deren Geschichte vielleicht bisher einfach noch niemand aufgeschrieben hat.

Ihr kennt jemanden, bei dem wir unbedingt einmal sagen sollten: "Erzähl doch mal …"?

Dann schickt uns eure Ideen an [email protected].

Denn manchmal liegt eine außergewöhnliche Geschichte nicht weit weg.

Sondern direkt nebenan.

Vielleicht sogar hinter einem kleinen Gartentor.

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