Sie bauen Brücken zwischen Menschen

Projekt Kinder in Oederan erfahren von Betroffenen, was es heißt, behindert zu sein

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Andreas Plischek (r.) und Christian Lissek testen, ob die drei Mädchen erkennen, in was sie da gleich beißen werden und wie der Apfel aussieht. Foto: Ulli Schubert

Oederan. Die Mädchen und Jungen der dritten Klassen der Grundschule Oederan erlebten am Montag einen besonderen Wochenauftakt. In jeweils zwei Unterrichtsstunden brachten Andreas Plischek und Christian Lissek vom Verein Körper- und Mehrfachbehindertenverband ihnen das Thema Behinderung in seiner ganzen individuellen Vielfalt näher.

"Das Projekt 'Wir bauen Brücken', das mittlerweile vom Sächsischen Kultusministerium unterstützt wird, habe ich 2009 entwickelt. Im vergangenen Jahr hatten wir rund 200 Veranstaltungen", so Christian Lissek. Wie sein Mitstreiter, der in Freiberg lebt, ist der Leipziger von Geburt an behindert, was ihn nicht hindert, Auto zu fahren und ein eigenes Gokart-Team aufzubauen.

Den Umgang miteinander lernen

Im theoretischen Teil erarbeiteten sie mit den Kindern unter anderem, welche Behinderungsarten es gibt, welche Hilfsmittel und wie man als Betroffener mit dem Handicap umgeht. An fünf Stationen wurden dann praktisch geübt, was es beispielsweise heißt, mit verbundenen Augen eine Treppe zu steigen oder im Rollstuhl zu fahren. "Wir wollen mit unserem Projekt einen Beitrag zu einem gemeinsamen Miteinander von Menschen mit und ohne Handicap leisten", so Lissek.

Das dürfte hervorragend gelungen sein. "Es war eine sehr gute Sensibilisierung zu einem speziellen Thema", urteilte etwa Lehrer Ulf Wegener. Und die amtierende Schulleiterin Helga Süß sagte: "Wir waren uns im Kollegium schnell einig, dass wir das Angebot zur Umsetzung des Projekts annehmen sollten, weil es sehr wichtig ist."

Das haben die Oederaner Pädagogen aktuell erlebt, nachdem eine Schülerin nach einer Operation im Rollstuhl sitzt. Da mussten Klassenräume getauscht werden, und weil es im Erdgeschoss nur eine Toilette für Jungen gibt, muss sie diese nutzen. Ein Beleg, wie weit Realität und Wunsch nach Inklusion noch voneinander entfernt sind. Gerade in alten wie dem Oederaner Schulgebäude gibt zahlreiche bauliche Hindernisse, von den personellen Problemen ganz zu schweigen. "Wir bräuchten dann, zwei, drei Pädagogen in jeder Klasse. Ich persönlich kann mir Inklusion als Ziel schon vorstellen, aber nicht heute oder morgen", so Helga Süß.