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So unterschiedlich war die Wendezeit für drei Freibergerinnen

Mauerfall Ruth Kretzer-Braun, Anne Markus und Brigitte Wittenburg berichten von Erfahrungen

Freiberg. 

Freiberg. Zwei Daten sind bestimmend für die jüngste Vergangenheit Deutschlands. Da ist zum einen der 9. November 1989, der Tag des Mauerfalls zwischen der DDR und der BRD, dessen 30. Wiederkehr am Samstag begangen wird. Zum anderen gibt es den 3. Oktober 1990, an dem die beiden Staaten wieder zu einem wurden. An diesem Tag ist es in Freiberg mittlerweile zur guten Tradition geworden, dass das Bergarchiv zu einer Podiumsrunde einlädt, bei der sich Protagonisten der damaligen Ereignisse an diese Zeiten erinnern, ihre Erfahrungen mit anderen teilen.

"Bleibe im Lande und wehre dich täglich"

So geschah es auch in diesem Jahr. Mit der Pädagogin und heutigen Linken-Stadträtin Ruth Kretzer-Braun sowie den Bürgerrechtlerinnen Anne Markus und Brigitte Wittenburg fanden sich dabei drei Frauen zusammen, die manche Erinnerung teilten, andere wiederum nicht. "Bleibe im Land und wehre dich täglich" war dabei auf einem Transparent zu lesen, welches eine der Damen aufgehoben und mitgebracht hatte.

Gemischte Erinnerungen an Demonstrationen

"Nur durch Weglaufen allein ändert man doch das System nicht", meinte Anne Markus, die seinerzeit bei "Demokratie Jetzt" aktiv war. "Auch nach dem Mauerfall wollten wir doch weiter etwas verändern." Brigitte Wittenburg war 1989 zunächst beim Neuen Forum dabei, trat dann später in die SPD und landete zeitweise auch im Freiberger Stadtrat. An die Demonstrationen jener Zeit hat sie gemischte Erinnerungen. Einerseits gab es dabei ein Hochgefühl. "Aber man hatte auch schon ein bisschen Angst", verschwieg sie nicht und brachte damit sicher die Empfindungen vieler zum Ausdruck.

Nur auf Urlaub in der DDR

Ruth Kretzer-Braun hingegen erlebte jene Zeit mit dem Mauerfall aus einer ganz anderen Perspektive. Für drei Jahre war sie damals mit ihrem Mann beruflich in Äthiopien tätig, kam im Sommer 1989 lediglich auf einen Urlaub in die DDR. Währenddessen veränderte sich nicht nur ihre Heimat, sondern brach in Äthiopien ein Bürgerkrieg aus. Eine Rückkehr war über Nacht ausgeschlossen. So blieb man zu Hause, machte Urlaub im Harz.

Ein Ort von großer Bedeutung

"Da wurde die Grenze geöffnet und gemeinsam mit den Bewohnern des Ortes Elend wanderten wir hinüber nach Braunlage", erinnert sich Kretzer-Braun. 30 Jahre später suchte sie den Ort noch einmal auf, der damals auch für sie große Bedeutung hatte. Heute steht an der Stelle der Grenzöffnung ein großer Gedenkstein. "Ihn zu sehen", gibt sie zu. "das war schon sehr beeindruckend."

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