So wird in Freiberg Betroffenen von häuslicher und sexualisierter Gewalt geholfen

Vertrauliche Spurensicherung

Freiberg

Sexualisierte und häusliche Gewalt passiert häufig ungesehen neben, unter und zwischen uns. Für Opfer ist es schwer aus dem Unterfangen zu entkommen, denn die Täter gehören zu 90 Prozent zu ihrem direkten Umfeld. Das Angebot einer sogenannten Vertraulichen Spurensicherung des Kreiskrankenhauses Freiberg soll Betroffenen Mut machen – Mut Spuren dieser Gewalt professionell sichern zu lassen. Doch wie läuft eine vertrauliche Spurensicherung ab?

Immer mehr Menschen betroffen

Die Statistik des Landeskriminalamtes in Mittelsachsen ist eindeutig: Immer mehr Menschen sind von Gewalt betroffen. Gewalt zieht sich quer durch alle Gesellschaftsschichten gegen Säuglinge, Jugendliche, Erwachsene, LebenspartnerInnen, ältere und behinderte Menschen.

Häusliche Gewalt umfasst alle Formen von Misshandlungen. So gibt es zum Beispiel seelische, körperliche und sexuelle Formen. Dies kann innerhalb bestehender oder in ehemaligen Beziehungen stattfinden. Unter sexualisierter Gewalt werden Nötigung, Vergewaltigung, Missbrauch, pornografische Handlungen sowie sexuelle Belästigungen verstanden. Diese stellen Übergriffe auf die körperliche und seelische Stabilität der Betroffenen dar.

Chefarzt informiert

Kürzlich informierte Dr. Ralf Walper, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme in Freiberg, rund 30 Interessierte zur Vorgehensweise einer vertraulichen Spurensicherung im Kreiskrankenhaus Freiberg. Die Interessierten erhielten detaillierte Informationen in das anonyme Hilfsangebot und Einblicke in die Vorgehensweise bei der Sicherung der Spuren.

Betroffene von Sexualstraftaten oder häuslicher Gewalt befinden sich in einer Ausnahmesituation. Vielen fällt es schwer, Entscheidungen zu treffen. Für ein mögliches Gerichtsverfahren, auch zu einem späteren Zeitpunkt, benötigen sie eine gerichtsfeste Dokumentation. Deshalb sollten alle Spuren, wie beispielsweise getragene Kleidung, Blutergüsse und Hautverletzungen möglichst schnell gesichert werden. Dies ist bei Sexualstraftaten besonders wichtig. So ist eine Strafverfolgung auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich.

Pressemitteilung

Sensibler Umgang mit Betroffenen

„Die Untersuchung zu einer vertraulichen Spurensicherung erfolgt systematisch von Kopf bis Fuß. Dabei gehen die geschulten Mitarbeiter sensibel mit dem Betroffenen um und erläutern zuvor jeden Untersuchungsschritt. In jedem Untersuchungsset, das bei einer vertraulichen Spurensicherung verwendet wird, ist zum Beispiel eine große Plastikfolie enthalten. Idealer-weise ziehen die Betroffenen auf dieser Folie einzelne Kleidungsstücke aus. So werden auch beim Ausziehen herabfallende Spuren auf der Folie gesichert. Die Untersuchung erfolgt nach einem Vordruck auf dem alle Spuren und Verletzungen schriftlich notiert werden und die betroffenen Körperstellen in Körperskizzen gekennzeichnet werden. Auch das Auskämmen von Fremdhaaren, das Kürzen der Fingernägel, die Abnahme von Blut und Abstrichen aus Körper-öffnungen sind Teil einer vertraulichen Spurensicherung“, schildert Ralf Walper Details der Untersuchung.

Mitarbeiter wurden gezielt geschult

Das Kreiskrankenhaus Freiberg hat im Oktober 2024, 40 Mitarbeitende schulen lassen, die für eine professionelle vertrauliche Spurensicherung sensibilisiert sind. Wie bei jedem Fall unterliegen die Mitarbeiter des Krankenhauses auch bei einer vertraulichen Spurensicherung der Schweigepflicht. „Wir möchten alle Betroffenen ermutigen sich uns anzuvertrauen. Wir unter-liegen der Schweigepflicht und der Patient oder die Patientin entscheidet, ob die Polizei informiert werden soll oder nicht. Wenn wir eine vertrauliche Spurensicherung vornehmen, haben Betroffene die Gelegenheit zu einem späteren Zeitpunkt auf die Spuren zurückzugreifen und Strafanzeige zu stellen. Die gesicherten Spuren werden vier Jahre in der Gerichtsmedizin in Dresden aufbewahrt. Opfer häuslicher und sexualisierter Gewalt reagieren fast reflexartig mit dem Entsorgen der getragenen Kleidung nach der Tat und mit gründlichem Duschen. Das vernichtet den Großteil der gerichtlich verwertbaren Spuren und erschwert eine Anzeige“, er-läutert Dr. Walper die Herausforderung gerichtsfeste Spuren zu sichern. „Unser großes Anliegen ist es, in der breiten Öffentlichkeit Aufmerksamkeit für diese vertrauliche Spurensicherung zu schaffen. Wir bieten niedrigschwellig 24/7 die vertrauliche Spurensicherung an. Wir möchten Betroffenen und deren Angehörigen Mut zusprechen. Mut, um Berührungsängste, Scham und Pein zu überwinden und sich uns anzuvertrauen. Betroffene müssen wissen, dass wir für sie da sind!“

Nächste Sonntagsvorlesung Anfang März

Die nächste Sonntagsvorlesung findet am 2. März 2025, 10 Uhr im Kreiskrankenhaus Freiberg statt. Dann wird Oberarzt Dr. Martin Klešcinský als Leiter des hauseigenen Prostatazentrums über aktuelle Diagnose und Therapieverfahren bei Prostatakrebs informieren.