Steimle in Frankenberg: Über den täglichen Wahnsinn in Politik und Alltag

Kabarettist Uwe Steimle begeistert sein Publikum in Frankenberg

Frankenberg

Um den alltäglichen Wahnsinn in Politik und Alltag ging es am gestrigen Freitagabend im "Stadtpark" Frankenberg. Der Schauspieler und Kabarettist Uwe Steimle war dort mit seinem Programm "Wunder-Punkt" zu Gast. Mehr als 400 Zuschauer sahen zu.

 

Eine besondere Art von Ostalgie

Der 1963 in Dresden geborenen Uwe Steimle prägte 1992 den Begriff "Ostalgie" - damals der Name eines seiner Programme. Der Begriff wurde quasi Markenzeichen seiner Weltsicht. Auf ganz eigene Art bringt er alltägliches Tun in Politik und Gesellschaft mit DDR-Vergangenheit in Verbindung und vergleicht. Nicht um Vergangenheit zu verklären, sondern die Gegenwart aus einer ganz besonderen Perspektive zu kommentieren. Auf diese Weise zeigt er stets seine ganze eigene Haltung. Eine Haltung, die mit dem, was man heute unter diesem Begriff versteht oder früher als Klassenstandpunkt bezeichnete, allerdings kaum etwas gemein hat.

 

Der Rat des Schauspiel-Kollegen

Das zeigt sich, wenn er Politiker aufs Korn nimmt genauso, wie wenn er gegen Unterrichtsmethoden vermeintlich moderner Schulen oder die "Sprachpolizei" zu Felde zieht, die Begriffe wie Indianer oder Eskimo aus dem Wortschatz streichen will. Da nenne er den Eskimo künftig eben Trinkomo, meint Steimle lakonisch.

Und er erzählt kurze Zeit später, wie ihn sein Schauspielerkollege Kurt Böwe an dessen Seite Steimle ab 1993 in "Polizeiruf 110" als Kommissar Jens Hinrich einem breiten Fernsehpublikum bekannt wurde, ihm einst riet, er müsse sich aus jeder großen Stadt ein Andenken mit nach Hause nehmen. In einer asiatischen Metropole habe er sich schließlich etwas ratlos für eine Mütze entschieden. Als er sich später das Firmenschild genauer anschaute, las er darauf "Strickwaren Apolda" - "Das ist Globalisierung auf ganz hohem Niveau", bemerkte er dazu.

 

Die ruhigen Momente

Inmitten seines kabarettistischen Feuerwerks schafft Steimle plötzlich auch ganz stille Momente, wenn er beispielweise dem Publikum in ganz einfachen Worten erklärt, wie schön es wäre, wenn alle Menschen vernünftig, über alle ideologischen Gräben hinweg miteinander reden und sich zuhören würden - und vor allem wie wichtig und kostbar Frieden ist. In solchen Augenblicken erreicht Steimle nicht nur die Köpfe, sondern auch die Herzen seines Publikums. Am Ende dankte es dem Kabarettisten mit großem Applaus.

 

Hausmanagementfreut sich über Erfolg

Über das ausverkaufte Haus freute sich auch Mario Morgenstern vom Hausmanagement des "Stadtparks". Das politische und mitunter recht bissige Kabarett des Dresdners ziehe das Publikum auf jeden Fall an. Das zeige nicht zuletzt die Tatsache, dass Steimle in der Vergangenheit bereits mehrmals erfolgreich in dem Frankenberger Kulturtempel zu Gast war.

Wer die Veranstaltung verpasste und Steimle trotzdem sehen möchte, der sei auf die "Aktuelle Kamera" verwiesen, die Steimle wöchentlich neu auf "youtube" präsentiert. Die aktuelle, mittlerweile 177. Ausgabe widmet sich der Zerstörung Dresdens im Februar 1945, die sich zum 80. Mal jährte. Gemeinsam mit dem 1936 geborenen Regisseur und Kameramann Ernst Hirsch, der den Bombenangriff als Kind erlebte, schaut er auf die damalige Zerstörung der Stadt zurück - sehr sehenswert!

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