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Trotz Aus für den Betrieb: Ralf Fürst nutzte seine Chancen

Umschwung Die Wende brachte viele Veränderungen im Beruf und im Privatem

Göritzhain . Wenn Ralf Fürst in seinem Garten sitzt, den Enkeln zuschaut wie sie herumtollen, dann ist er froh, dass die Wende 1989 kam. "Vieles hätte ich mir so nicht leisten können. Das Leben in der DDR war nicht schlecht, aber man war eingeengt sei es bei den Reisen oder im beruflichen Leben", denkt der 67-Jährige zurück.

Wende brachte Aus für den Betrieb

Der gelernte Rinderzüchter hatte bei seinem Armeedienst Panzer fahren gelernt. Später arbeitete er auf der Gemeinde, weil er aber dort wenig verdiente, begann er im Reißfaserwerk Stein. Er wurde überall eingesetzt, fuchste sich in jede Arbeit. Durch den Schichtdienst gab es guten Lohn. Dann kam die Wende und das Aus für den Betrieb, der Textilabfälle zerriss und nach Zwickau lieferte als Rohstoff für den Trabi.

Nach Mauerfall sofort in den Westen gedüst

Nun musste der 37-Jährige zum Arbeitsamt. "Diese Zeit war sehr ungewiss und man hatte Sorge wie es weiter gehen sollte", berichtet der Vater einer Tochter, die gerade 14 Jahre alt war. Ehefrau Gonda behielt zum Glück ihre Arbeit im Gesundheitswesen. Er belegte einen Baumaschinenlehrgang um im Straßenbau Fuß zu fassen. Das klappte dann auch bei der ATS Sachsen. "Ich konnte wohnort-nah arbeiten, brauchte nicht auf Montage in die westlichen Bundesländer und bekam auch hier einen guten Lohn gezahlt", erzählt Ralf Fürst, der sich dann mit seiner Familie einen Urlaub auf Cran Canaria leistete. "Als die Mauer fiel sind wir zu allererst mit unserem Lada in den Westen gedüst zu meinem Opa nach Singen und dort haben wir uns in Schaffhausen den Rheinfall angeschaut", berichtet er.

Geldschmuggelei nach Ungarn

Zu DDR-Zeiten fuhr Familie Fürst manchmal an die Ostsee oder nach Ungarn um sich zu erholen. Da man nach Ungarn aber nur wenig Geld pro Tag mitnehmen durfte, versuchte jeder irgendwie Geld mit zu schmuggeln und war froh, wenn es an der Grenze nicht entdeckt wurde.

Vier Generationen unter einem Dach

In dem ehemaligen Bauernhof von Ehefrau Gonda im Lunzenauer Ortsteil leben inzwischen vier Generationen unter einem Dach und sind stets für einander da. "Nach der Wende wurde Göritzhain Förderdorf und wir konnten dadurch Fördermittel beantragen, damit haben wir die Gebäude ausgebaut, so dass für alle genügend Platz ist", berichtet der Familienvater, denn neben der 90-jährigen Schwiegermutti, lebt Tochter Sandra mit ihren Kindern Maya und Jamie und hat obendrein noch ihr Frisörgeschäft im Haus. Seit 2014 genießt nun Ralf Fürst sein Rentnerleben mit der Familie.



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