Türmerin aus Leidenschaft

Vorgestellt Helga Hösel führt auf den Mittweidaer Kirchturm

Die 66-jährige Helga Hösel ist Mittweidas Türmerin. Zwischen April und Oktober öffnet sie immer mittwochs jeweils zwischen 14.30 und 17 Uhr den Kirchturm, damit interessierte Besucher auf den dort befindlichen Aussichtsplattformen den sagenhaften Blick über die Große Kreis- und Hochschulstadt genießen können.

In diesem Jahr ist das also nur noch am 28. Oktober. "Jeder Mittweidaer sollte das wenigstens ein Mal in seinem Leben erlebt haben", empfiehlt sie. Die 166 hölzernen Stufen bis zur nach neuesten Messungen in 36 Meter Höhe befindlichen Türmerwohnung müssen ja nicht in einem Stück absolviert werden. Es gibt mehrere Plateaus, die neben der Möglichkeit des Ausruhens auch noch viele weitere interessante Informationen bieten. So nach der ersten Treppe der Absatz, der sich noch außerhalb des Turmbaues befindet. Hier wird neben Hinweisen zum Leben des Türmers auch auf die Tierwelt im und am Kirchturm eingegangen, so beispielsweise auf Eulen, Turmfalken und Fledermäuse. In der zweiten Etage erwartet die Besucher eine rieisige, ausgediente Glocke, und in der dritten befindet sich der Glockenboden. In der vierten Etage ist die Türmerwohnung. Die Türmerin ist weitläufig verwandt mit dem Mittweidaer Türmer Karl-Eduard Seydel, der bis 1910 hier letzter hauptamtlicher Türmer war. Hauptaufgabe des Türmers war es Ausschau nach Brandherden zu halten. Deshalb musste der Türmer alle 20 Minuten nach allen vier Himmelsrichtungen blicken. Helga Hösel liegt "ihr" Kirchturm sehr am Herzen. "Wenn ich gesund bleibe, hoffe ich das noch einige Jahre machen zu können", so die Türmerin. Das kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass sie im vergangenen Jahr ein sogenanntes Türmertreffen ins Leben gerufen hat. Zahlreiche Nachfahren ehemaliger Mittweidaer Türmer trafen sich aus diesem Anlass. Wegen der guten Resonanz werden sicher weitere Treffs folgen. Der Bau der Mittweidaer Stadtkirche wurde 1496 geweiht. Weitere Informationen unter Telefon 03727/91663.