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Ungewöhnliche Funde bestätigt

Historie Grabungsergebnisse an der Mittweidaer Kirche vorgestellt

Der Pfarrer begründete , weshalb in diesen Grüften vor allem privilegierte Personen lagen: "Die hier bestatteten Personen sollten Gott besonders nah sein". Hier befanden sich Stapel von Särgen. Besonderes Augenmerk legten die Archäologen auf weitgehend unberührte Grüfte der Bürgermeisterfamilie Dietze und der Familie Bartheln. Steffen Krabath, Gebietsreferent des Landesamtes für Archäologie Sachsen, zeigte sich vor allem von der außerordentlichen Qualität und Fülle der Funde beeindruckt: "Die Rettungsarbeiten haben es ermöglicht, eine große Zahl archäologischer Funde fachgerecht zu bergen. Sie gestatten uns nun mit den Schriftquellen einzigartige Blicke auf die Bestattungskultur des Biedermeier".

Die etwa 30 Bestattungen wurden akribisch von oben bis zur Sohle der Grüfte dokumentiert. Die Särge der zuerst Bestatteten hatten sich im Laufe der Zeit fast komplett zersetzt. Nässe, die jetzt beseitigt wird, war dafür die Hauptursache. Trotzdem konnten neben den Skeletten auch zahlreiche Bestattungsbeigaben, wie die ungewöhnlich hohe Zahl von 20 Totenkronen, die unverheirateten Kindern zum Gedenken gestiftet wurden, Sarg-Beschläge, Grab-Schmuck, Holzkreuze und Fingerringe gesichert werden. Die Chancen, dass diese Dinge später wieder einmal nach Mittweida zurückkehren, stehen aber eher schlecht, so Krabath: "Nur, was wir nicht mehr brauchen; und das wird nicht so viel sein." So werden weitere Untersuchungen an Skeletten in Göttingen vorgenommen. Dort wird beispielsweise ermittelt, wie alt die Personen waren, woran sie gestorben sind, welche Verletzungen sie hatten und so weiter. Diese Daten sollen auch Niederschlag in einem Häuserbuch finden, das Archäologe Wolfgang Schwabenicky derzeit erarbeitet. Die Funde werden von den Fachleuten mit dem 18./19. Jahrhundert datiert.

Die mit Vollschutz und Gesichtsmaske geborgenen Grabbeigaben sowie andere interessante Funde werden zu gegebener Zeit in einer Sonderschau im Mittweidaer Museum "Alte Pfarrhäuser" auch der Bevölkerung öffentlich vorgestellt. Ab Mitte 2016 ist dann das schrittweise Sanieren der Chorfassade der Stadtkirche geplant.