Update: Gemeinde Lichtenau äußert sich zu Kita-Banner „Nicht auf dem Rücken unserer Kinder!“

Aktion an Einrichtung wirft Fragen zur Personalsituation auf. Gemeinde widerspricht Kritik.

Lichtenau/M

Ein Banner an einer Kita in Lichtenau sorgt für Aufmerksamkeit. Darin wird Kritik an Personalwechseln geäußert. Die Gemeinde wurde um Stellungnahme gebeten.

Banner an Kita Mittwochabend angebracht

An einer Kindertagesstätte in Lichtenau ist seit Mittwochabend (8. April) ein Banner angebracht worden, das für Aufmerksamkeit sorgt. Darauf steht: „Ein Herz für unsere Erzieher! Schluss mit dem Personalkarussell!“.

Die Botschaft deutet auf Unzufriedenheit mit der aktuellen Personalsituation hin.

Kritik am „Personalkarussell“

Mit der Formulierung wird offenbar eine hohe Fluktuation oder häufig wechselndes Personal angesprochen. Gerade in Kitas ist Kontinuität für Kinder ein zentraler Faktor.

Konkrete Hintergründe sind bislang nicht offiziell bestätigt. Es stehen jedoch Hinweise im Raum, dass in jüngerer Zeit mehrere Mitarbeitende den Kita-Bereich verlassen haben könnten. Auch von möglichen Kündigungen ist die Rede.

Gemeinde um Stellungnahme gebeten

BLICK.de hat die Gemeindeverwaltung Lichtenau zu dem Banner sowie zur aktuellen Personalsituation befragt. Eine Antwort steht derzeit noch aus.

Welche Einrichtung betroffen ist

Es handelt sich bei der betroffenen Einrichtung um die Kita „Zwergenland“ im Ortsteil Oberlichtenau. In der integrativen Kindertageseinrichtung Zwergenland gibt es Platz für bis zu 169 Kindern zwischen 1 und 7 Jahren.

Die Einrichtung gehört zu den kommunalen Kindertagesstätten der Gemeinde. Insgesamt gibt es in Lichtenau eine Tagesmutter, vier Kindertageseinrichtungen – davon eine in freier Trägerschaft – sowie drei Horte an den jeweiligen Grundschulen.

Frühere Aussagen zur Stabilität

Noch im November 2025 hatte die Gemeinde betont, dass alle Einrichtungen erhalten bleiben sollen. Schließungen seien nicht geplant. BLICK.de berichtete.

Damals erklärte Martin Lohse, Leiter der Hauptverwaltung, Ziel sei es, „bedarfsgerechte und zeitgemäße Betreuungsplätze“ zu sichern. Zudem wurde auf stabile Strukturen und eine flexible Personalplanung verwiesen.

Das nun aufgetauchte Banner wirft vor diesem Hintergrund Fragen auf.

Wie geht es weiter?

Sobald eine Stellungnahme der Gemeinde vorliegt, wird dieser Bericht aktualisiert.

Update der Gemeinde Lichtenau zur Situation (Stand: 9. April 2026, 18 Uhr)

Die Gemeinde Lichtenau hat sich zur aktuellen Diskussion rund um ein Banner geäußert.

Nach Angaben von Bürgermeister Andreas Graf ist der Gemeindeverwaltung derzeit nicht bekannt, wer die Banner angebracht hat oder aus welchem konkreten Anlass dies geschehen ist.

Einschätzung zur Personalsituation seitens der Gemeinde

Zur Personalsituation führt die Gemeinde aus, dass seit Jahren entsprechend des Sächsischen Kita-Personalschlüssels geplant und gearbeitet werde.

„Wir beschäftigen seit Jahren kontinuierlich so viel Personal, wie es der Sächsische Kita-Personalschlüssel vorsieht. Die Anpassungen erfolgen monatlich entsprechend der angemeldeten Kinder und Stunden“, so Graf.

Schwankungen würden regulär über Stundenanpassungen ausgeglichen. Ziel bleibe dabei eine möglichst hohe Kontinuität der Bezugspersonen für die Kinder, auch wenn es durch Krankheit oder Urlaub zu Anpassungen kommen könne.

Stellungnahme zu Berichten über Personalabgänge

Berichte über vermehrte Abgänge von Personal innerhalb kurzer Zeit weist die Gemeinde zurück. Entsprechende Hinweise träfen nach Aussage des Bürgermeisters „nicht zu“.

Zu einzelnen Personalangelegenheiten könnten grundsätzlich keine Auskünfte gegeben werden.

Situation im Kita-Alltag

Für den Alltag in den Einrichtungen beschreibt die Gemeinde eine übliche Situation im Rahmen der Personalplanung. Die Einrichtungsleitungen seien täglich gefordert, den Personaleinsatz entsprechend der aktuellen Verfügbarkeit zu organisieren.

Dabei könne es auch vorkommen, dass Mitarbeitende einrichtungsübergreifend eingesetzt werden. Dies geschehe „aus der Gesamtverantwortung heraus“, wobei jede Einrichtung weiterhin über ihr Stammpersonal verfüge.

Einordnung im Kontext früherer Aussagen

In Bezug auf frühere Aussagen zur Sicherung stabiler Betreuungsangebote sieht die Gemeinde keinen Widerspruch zur aktuellen Entwicklung. Vielmehr handele es sich um die Umsetzung der damals formulierten Ziele.

„Die Betreuungsangebote sind und bleiben stabil und verlässlich angeboten“, so Graf. Der Gemeinderat habe zuletzt am 30. März 2026 beschlossen, auch künftig an allen Standorten Betreuung anzubieten.

Anpassungen seien vor dem Hintergrund sinkender Kinderzahlen jedoch erforderlich und aus Sicht der Gemeinde folgerichtig.

Zugleich beobachte die Gemeinde aufmerksam, wie umliegende Kommunen auf vergleichbare Entwicklungen reagieren, und sieht sich mit dem eingeschlagenen Weg derzeit gut aufgestellt.

Zur öffentlichen Kritik - klare Zurückweisung

Abschließend weist die Gemeindeverwaltung die Darstellung eines sogenannten „Personalkarussells“ zurück.

„Es gibt kein Personalkarussell in Lichtenau, es sei denn, man meint damit die verantwortungsvolle Aussteuerung der Personalabdeckung aller Einrichtungen“, erklärte der Bürgermeister.

Zugleich stellte er sich ausdrücklich vor die Mitarbeitenden in den Einrichtungen sowie in der Verwaltung. Diese arbeiteten täglich in gemeinsamer Abstimmung daran, eine verlässliche Betreuung sicherzustellen.

Hintergrund: Regionale Herausforderungen in der Kinderbetreuung: Demografischer Wandel und zunehmender Druck

Zudem zeigt sich, dass die Situation nicht nur ein Einzelfall ist, sondern aktuell viele Einrichtungen in der Region Mittelsachsen vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Ein wesentlicher Hintergrund ist dabei der demografische Wandel: Sinkende Geburtenzahlen führen dazu, dass vielerorts weniger Kinder betreut werden müssen und Plätze leer bleiben. Städte und Gemeinden sind dadurch gezwungen, ihre Angebote neu auszurichten – teilweise mit der Folge von Zusammenlegungen oder möglichen Schließungen. Insgesamt entsteht so eine angespannte Lage, die sowohl Träger als auch Familien betrifft und vielerorts zu Unsicherheit führt.

Beispiel Kita Schweikershain: Engagement aus der Bevölkerung

Am Beispiel Schweikershain wird sichtbar, wie stark der lokale Zusammenhalt sein kann: Dort setzen sich Familien mit großem Engagement für den Fortbestand ihrer Kita ein und organisieren sich gemeinschaftlich, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen (BLICK.de berichtete - hier lesen). Der Fall zeigt, dass bürgerschaftliches Engagement eine wichtige Rolle spielt, wenn es um den Erhalt von Betreuungsangeboten im ländlichen Raum geht.

Beispiel Frankenberg: Diskussionen und unterschiedliche Entwicklungen

Auch in Frankenberg kämpfen Eltern um ihre Einrichtungen. Rund um die Kita „Taka-Tuka-Land“ wird deutlich, dass Sorgen um Einschränkungen oder strukturelle Veränderungen ein breiteres Problem widerspiegeln (BLICK.de berichtete - hier lesen).

Gleichzeitig zeigt ein etwas zurückliegender Fall aus der Stadt, dass Engagement Wirkung zeigen kann: Bei der Kita „Windrädchen“ führte eine Elternpetition dazu, dass politische Entscheidungsträger ihre Position überdachten und dem Fortbestand zustimmten (BLICK.de berichtete - hier lesen). Dies verdeutlicht, dass Entwicklungen in der Kinderbetreuung nicht statisch sind, sondern von lokalen Initiativen und politischen Entscheidungen beeinflusst werden.

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