"Urkunden statt Legenden"

Brauerei 750 Jahre Freiberger Bierstreit mit neuer Kreation gefeiert

Es war um die Mitte des 13. Jahrhunderts, da entbrannte zwischen den Bierbraustädten Freiberg und Dippoldiswalde ein erbitterter Streit darüber, wer im sächsischen Bergbaugebiet nun sein Gebräu ausschenken dürfe und wer nicht. 1266 schließlich fällte der damalige Markgraf Heinrich der Erlauchte ein letztinstanzliches Urteil.

Er schrieb fest, dass in allen gewinnbringenden Zechen im Umkreis von einer Freiberger Meile rund um die Silberstadt nur noch Freibergisch Bier verkauft werden dürfe. Eine Freiberger Meile entspricht heute der Länge von 15,31 Kilometern. Der Bierstreit war entschieden, ein Ereignis, welches sich im kommenden Jahr zum 750. Male jährt. Keine Frage für das Freiberger Brauhaus, aus jenem Anlass ein neu kreiertes Bier auf den Markt zu bringen. Seit dieser Woche ist das "Edel Keller" bereits erhältlich, ein naturtrübes, aromatisch-herbes Getränk. Bei der offiziellen Vorstellung zeigten Braumeister Michael und Braumeister Achim, der als Dresdner die Stelle von Dippoldiswalde vertrat, wie hitzig es beim Streit vor Jahrhunderten zuging. Das Urteil war aber auf Freiberger Seite. "Und so lässt sich nur sagen, dass andere zwar Legenden haben, wir aber haben die Urkunden", frohlockte Braumeister Michael. Steffen Hofmann, Geschäftsführer des Brauhauses, wies eine Kopie der Schrift vor. "Interessant dabei ist, dass wir 2016 zwar 500 Jahre Reinheitsgebot feiern", sagte er. "aber in Freiberg schon auf eine 750-jährige Brautradition zurück blicken können." Ein wahrer Fachmann ist auch Geschäftsführer Michael Eßlinger, der zudem an der TU Bergakademie lehrt. Sein Rat für den perfekten Biergenuss hat mit der Uhrzeit zu tun. "Zwischen 11 und 12 Uhr ist die beste Zeit", weiß er. "Da sind die Geschmacksknospen am empfindlichsten und man erkennt alle Feinheiten." Sprach's und stieß punkt 11.27 Uhr mit allen Anwesenden an.