Verstärkt im Fokus: Projekt "Zwischenstopp" unterstützt in Bockelwitz

Angebot Vierseithof bietet neun Männern eine Chance

Leisnig. 

Leisnig. Das Projekt "Zwischenstopp" in Bockelwitz existiert seit 2016. "Es überbrückt die Zeit zwischen der qualifizierten Entzugsbehandlung in einer Psychiatrie, die in der Regel drei bis vier Wochen dauert, und der drei- bis sechsmonatigen Langzeittherapie, die sich in den seltensten Fällen nahtlos anknüpft. Für die Suchtkranken ist dies eine gefährliche Zeit, rückfällig zu werden, wenn sie keine Unterstützung bekommen", sagt Ulrike Ernst, Chefärztin der Klinik für Suchtmedizin am Fachkrankenhaus Bethanien Hochweitzschen.

Aus Hilfslandschaft nicht mehr wegzudenken

Sie gehört gemeinsam mit Vertretern des Landratsamtes Mittelsachsen, der Diakonie Döbeln als Träger und weiteren Partnern zu den Initiatoren dieses als Pilotprojekt gestarteten niederschwelligen Hilfsangebotes für Suchtkranke, die einen Entzug machen möchten. "Über die Pilotphase sind wir längst hinaus. Das Angebot hat sich fest etabliert und ist aus der mittelsächsischen Hilfslandschaft nicht mehr wegzudenken", so der Leiter des Geschäftskreises Ordnung, Soziales und Gesundheit im Landratsamt Jörg Höllmüller. Nun solle es stärker im Fokus der Öffentlichkeit sein.

Referenten stellen Erfolge vor

"Für 2020 ist die Finanzierung noch zugesagt. Wie es danach weitergeht, ist noch ungewiss, deshalb ist es das gemeinsame Ziel aller Partner, einen festen Unterstützerkreis für Zwischenstopp zu finden und zu etablieren", so der 2. Beigeordnete. Unter der Fragestellung "Junkies fit 4 Job ?!" waren Vertreter der Wirtschaft und der Politik zu einem ersten internen Arbeitstreffen in der Kreissparkasse Döbeln zusammen gekommen. "Referenten haben die bisherigen Erfolge des Hilfsangebotes vorgestellt, über die Zahl der Suchtkranken in Mittelsachsen und Sachsen informiert, den volkswirtschaftlichen Nutzen herausgestellt und Fragen beantwortet", gibt Jörg Höllmüller einen Überblick.

Neue, suchtfreie Existenz aufbauen

Der Landkreis Mittelsachsen finanziert drei Suchtberatungsstellen: in Döbeln, Freiberg und Mittweida. Von den 407 Klienten, die die Suchtberatung Mittelsachsen 2018 aufgrund des Konsums illegaler Drogen aufgesucht haben, waren 241 von Stimulantien wie Crystal Meth und 155 von Cannabis abhängig. "Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in Bockelwitz Hilfe bekommen und annehmen, suchen eine Chance, um sich eine neue, suchtfreie Existenz aufzubauen. Dazu gehört eine Anstellung und deshalb sind nun die Unternehmen gefragt, zu unterstützen, indem sie beispielsweise Praktika oder Arbeitsverhältnisse anbieten", so Jörg Höllmüller. Auf dem Vierseithof in Bockelwitz ist Platz für bis zu neun Männer gleichzeitig.

Regelmäßige Alkohol- und Drogentests

Mit ihrem Einzug verpflichten sie sich zu absoluter Abstinenz, haben einen geregelten Tagesablauf und gehen einer Beschäftigung nach. Sie zahlen Miete für ihr Zimmer und unterziehen sich regelmäßigen Alkohol- und Drogentests.