Wanderer und Co. beim Stadtfest

Historie Warum das Auto im Volksmund nur als Puppchen bezeichnet wird

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Dieter Frech mit seinem Wanderer beim Fahrzeugkorso in Burgstädt. Foto: Andrea Funke

Burgstädt. Mit großem Interesse verfolgten die Besucher des Stadtfestes in Burgstädt den Fahrzeugkorso auf dem Brühl, der unter dem Motto "20er und 30er Jahre" stand. Die "Concours d´Elegance machte mit ihren mehr als 25 Oldtimern der Spitzenklasse ihren Namen alle Ehre. Die historischen Automobile wurden von ihren Besitzern in passender Kleidung und in einem Top-Zustand präsentiert. Aus Chemnitz war beispielsweise Dieter und Erika Frech mit ihrem Wanderer "Puppchen" Baujahr 1923 angereist. Sie genossen die Ausfahrt und düsten mit circa 60 Stundenkilometer nach Burgstädt.

Historisches Fahrzeug wurde bis 1926 gebaut

Ab und zu nehmen sie an solchen Oldtimerveranstaltungen teil. Der Senior, der am Oldtimer-Stammtisch in Hohenstein-Ernstthal teilnimmt, besitzt den Wagen seit 15 Jahren und hat ihn nach dem Kauf teilweise überholt. Seine Frau Erika berichtet zugleich, wie das Fahrzeug den Beinamen "Puppchen" erhalten hat. "Als 1912 in Berlin die Operette von Jean Gilbert aufgeführt wurde, kam bei dem Lied 'Puppchen, du bist mein Augenstern ..' der Wanderer W3 auf die Bühne, danach behielt er im Volksmund diese Bezeichnung". Der Wanderer Puppchen wurde von 1911 bis 1926 gebaut. Danach stellte man die Fertigung des Kleinwagens nach circa 9.000 Exemplaren ein. Es gab keinen Nachfolger für dieses Modell.

Der Wanderer war ein kleiner offener Tourenwagen, den die Wanderer-Werke aus Chemnitz 1912 herausbrachten. Im Fahrzeug gab es anfangs zwei Sitze hintereinander und zwei Türen auf der linken Fahrzeugseite. Die Handbremse befand sich außerhalb der Fahrertür. Wollte man das Vehikel starten, musste kräftig an der Kurbel gedreht werden. Außerdem befand sich das Lenkrad auf der rechten Seite. Es folgten mehrere Ausführungen mit veränderten Motoren und Innenausstattungen.

Die Wanderer-Werke vormals Winklhofer & Jaenicke AG wurden im Jahr 1885 gegründet. Es wurde mit dem Bau von Fahrrädern begonnen, später folgten Motorräder, dann die Produktion von Continental Schreibmaschinen und 1912 der Motorwagenbau. Als erstes Fahrzeug wurde schließlich der Wanderer 5/12 PS gefertigt. Die Sitze im Fahrzeug waren zunächst hintereinander, später versetzt angeordnet. Die Wanderer Werke wurden 1932 mit den Zschopauer Motorenwerk J. S. Rasmussen mit seiner Tochtergesellschaft Audiwerke AG Zwickau, dem Horchwerk AG zur Auto-Union AG Chemnitz fusioniert. Alle Werke wurden 1945 entschädigungslos enteignet.