Warum eine Nachwuchsmedizinerin ihre Zukunft in Mittelsachsen sieht

Laut der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen zählt Mittelsachsen zu den Gebieten mit einer drohenden Unterversorgung.

Freiberg

Wer in Freiberg über die Zukunft der medizinischen Versorgung spricht, blickt nicht nur auf Zahlen und Statistiken. Es geht auch um Menschen, um Lebenswege und um die Frage, wo junge Ärztinnen und Ärzte später arbeiten und leben wollen. Genau hier setzt das Kreiskrankenhaus Freiberg mit einem Ansatz an, der Ausbildung, Region und persönliche Perspektiven eng miteinander verknüpft.

Ein Verbund für den ärztlichen Nachwuchs

Im November 2021 hat das Kreiskrankenhaus Freiberg den Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Mittelsachsen ins Leben gerufen. Ziel ist es, jungen Ärztinnen und Ärzten eine strukturierte, wohnortnahe und durchgängige Facharztweiterbildung zu ermöglichen und sie langfristig für die Region zu gewinnen.

Dafür bündelt der Verbund aktuell 21 ambulante Partnerpraxen verschiedener Fachrichtungen sowie zwölf Fachkliniken im stationären Bereich. So sollen optimale Bedingungen für eine umfassende und praxisnahe Weiterbildung entstehen. Derzeit absolvieren zwölf Ärztinnen und Ärzte ihre Weiterbildung im ambulanten Bereich innerhalb des Verbundes.

Ein Tag, der Einblicke geben soll

Ein zentraler Baustein ist der jährlich stattfindende „Klinische Tag“ für Medizinstudierende. Unter dem Motto „Land in Sicht! – Dein Tag in der Hausarztwelt Mittelsachsen“ erhielten die Teilnehmenden Ende April praxisnahe Einblicke in den Klinik und Praxisalltag sowie in das Leben in Freiberg und der Region.

Neben fachlichen Programmpunkten standen vor allem persönliche Gespräche mit erfahrenen Ärztinnen und Ärzten im Mittelpunkt. Auch die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen begleitete die Veranstaltung und informierte über Fördermöglichkeiten sowie Perspektiven in der ambulanten Versorgung.

Warum der Handlungsdruck groß bleibt

Dass solche Formate nicht nur als Informationstag gedacht sind, zeigt der Blick auf die Versorgungslage. Zum 1. Januar 2026 waren in Mittelsachsen 15 Hausarztsitze unbesetzt. Der Versorgungsgrad lag bei 92,7 Prozent.

„Formate wie der ,Klinische Tag‘ sind ein wichtiger Baustein, um Nachwuchs frühzeitig zu erreichen und für eine Tätigkeit in der Region zu gewinnen“, sagt Katharina Homilius, stellvertretende Personalleiterin am Kreiskrankenhaus Freiberg und Koordinatorin des Verbundes.

Viele Teilnehmende haben bereits einen Bezug zur Region

Viele der diesjährigen Teilnehmenden des Klinischen Tages stammen aus der Region und können sich gut vorstellen, hier langfristig zu arbeiten und zu leben. Eine von ihnen ist Leonie Kerber.

Die 26-jährige Medizinstudentin im 10. Semester lebt bereits seit einigen Jahren in Freiberg. Im Oktober steht für sie das zweite Staatsexamen an, anschließend beginnt sie ihr Praktisches Jahr. Das Kreiskrankenhaus Freiberg kennt sie bereits aus einer Famulatur.

Die Entscheidung ist noch offen, die Richtung aber erkennbar

Bis zu ihrer endgültigen beruflichen Entscheidung bleiben für Leonie Kerber noch zirka eineinhalb Jahre. Dennoch setzt sie sich schon heute intensiv mit ihrer Zukunft auseinander und diese könnte durchaus in Mittelsachsen liegen.

„Freiberg bietet für mich eine sehr gute Mischung“, sagt Kerber, die gebürtig aus Halle (Saale) stammt. „Die Stadt ist überschaubar, gleichzeitig aber gut ausgestattet – mit kulturellen Angeboten, Einkaufsmöglichkeiten und einer guten Infrastruktur.“

Was für Freiberg aus ihrer Sicht spricht

Für die angehende Medizinerin ist nicht nur das direkte Umfeld entscheidend. Auch die Lage der Stadt spielt für sie eine wichtige Rolle. „Die Nähe zu Dresden und Chemnitz ist ein großer Vorteil, aber auch die naturnahe Lage passt perfekt zu meinem Alltag mit Hund.“

Hinzu kommen persönliche Bindungen. Ihr Mann arbeitet an der TU Bergakademie Freiberg. Auch ihr soziales Umfeld, insbesondere ihre evangelische Kirchengemeinde, vermittelt ihr ein starkes Gefühl von Zuhause.

Der Wunsch, nah am Menschen zu arbeiten

Was sie auf dem langen Weg zur Fachärztin antreibt, beschreibt Leonie Kerber klar. „Ich möchte meine Fähigkeiten sinnvoll einsetzen, mich kontinuierlich weiterentwickeln und dabei nah am Menschen arbeiten. Gerade in schwierigen Situationen helfen zu können, bedeutet mir viel.“

Fachlich zieht es die angehende Ärztin derzeit in die Allgemeinmedizin. Gleichzeitig möchte sie sich bewusst noch verschiedene Optionen offenhalten.

Der stationäre Bereich als möglicher Einstieg

Den Einstieg in die Facharztweiterbildung, den letzten Schritt ihrer ärztlichen Qualifikation, kann sie sich zunächst gut im stationären Bereich vorstellen. „Dort kann ich ein breites fachliches Spektrum kennenlernen und wertvolle praktische Erfahrungen sammeln. Gleichzeitig bietet die Arbeit im Team die Möglichkeit, Verantwortung schrittweise zu übernehmen.“

Der Klinische Tag habe sie in ihrer Orientierung zusätzlich bestärkt. Besonders wertvoll sei dabei der direkte Austausch gewesen.

Was sie vom Klinischen Tag mitgenommen hat

„Besonders der Austausch mit Assistenzärztinnen und -ärzten war unglaublich wertvoll. Man konnte ganz offen über Arbeitsalltag und Karrierewege sprechen“, sagt Kerber.

Auch insgesamt zieht sie ein positives Fazit. „Das Wochenende war sehr vielfältig gestaltet, von der Krankenhausführung über die Praxisbesuche, gemeinsamen Abendessen bis hin zum Reanimationskurs und der Stadtführung. Obwohl ich bereits seit einigen Jahren in Freiberg lebe, konnte ich dabei viele neue Seiten der Stadt kennenlernen.“

Ein Signal für die Versorgung von morgen

Mit Initiativen wie dem Weiterbildungsverbund setzt das Kreiskrankenhaus Freiberg ein klares Zeichen für die Zukunft der medizinischen Versorgung in der Region. Geschichten wie die von Leonie Kerber zeigen, dass Mittelsachsen für den ärztlichen Nachwuchs nicht nur eine Option, sondern eine echte Perspektive sein kann.

Für Leonie Kerber persönlich ist dabei vor allem eines entscheidend. „Ich möchte später in einem Umfeld arbeiten, in dem man sich unterstützt und gemeinsam wächst – und genau das habe ich hier erlebt.“

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