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Was das Schalom-Jahr über jüdisches Leben in Freiberg erzählt

Geschichte Unzählige persönliche Schicksale, Erfolge und regionale Ereignisse

Freiberg. 

Wenn es um das jüdische Leben in Deutschland geht, denkt man sofort an die dunkle Zeit des Nazi-Regimes und die unzählbaren Verbrechen an den Juden in diesen Jahren. Dabei scheint es so als wäre das längst Vergangenheit und nicht mehr aktuell. Doch Antisemitismus und Judenhass sind auch heute noch sehr aktuelle Themen. Deshalb wird durch viele verschiedene Veranstaltungen in zahlreichen deutschen Städten in diesem Jahr 1700 Jahre jüdisches Leben und Wirken gefeiert. Dies soll im Zeichen des Zusammenhalts der gesamten Bevölkerung stehen und zeigen dass die jüdischen Bürger schon immer ein wichtiger Teil dieser sind. Der Holocaust darf auf keinen Fall vergessen oder verdrängt werden, sondern wir müssen uns daran erinnern um diese schrecklichen Verbrechen langsam aufzuarbeiten und es in Zukunft besser zu machen. Aber es soll in diesem Jahr nicht nur um den dunkelsten Teil der jüdischen Geschichte gehen, sondern um das große Ganze. So gibt es zum Beispiel in der Freiberger Nikolaikirche eine Ausstellung zu 800 Jahren jüdischen Lebens und Wirkens in der Silberstadt. Diese wurde vom "Freiberger Zeitzeugnis e.v." erstellt und kann auch online besichtigt werden.

Was jüdische Menschen zu Freibergs Entwicklung beitrugen

Hauptsächlich geschah das durch schon vorhandene Forschungen und Archivarbeit aber auch durch Zeitzeugenbefragungen, wie Vereinsmitglied Frau Engel erzählt. Es ginge dabei darum, an die Juden, die seit dem 12. Jahrhundert in Freiberg lebten, zu erinnern und zu zeigen, wie viel Wichtiges sie zum Stadtleben beigetragen haben. Es werden zum Beispiel zwei bedeutende jüdische Wissenschaftler, die an der TU Bergakademie in Freiberg studierten vorgestellt. Rudolf L. Somoilowitsch wurde 1937 fälschlicherweise verhaftet und ermordet und Paul Rosin flüchtete 1936 nach zunehmender Diskriminierung durch die Nationalsozialisten nach London.  Der Verein versucht durch regionale Berichte die Geschichte greifbarer und verständlicher zu machen. Außerdem spricht Frau Engel auch von der Angst vor dem Fremden, die tief verwurzelt ist in unserer Gesellschaft. Deshalb versuchen sie einen Bezug zu diesen scheinbar fremden Schicksalen der Freiberger Familien aufzubauen, um Vorurteile abzubauen und gegen Intoleranz und Antisemitismus vorzugehen. Der Verein entstand aus der Initiative eines Freiberger Hobbyhistorikers, Herrn Dr. Düsing. Er befasste sich bereits vor einigen Jahren mit den jüdischen Familien, die in Freiberg lebten und suchte nach Zeitzeugnissen des Holocaust in der Umgebung.

Zusammenarbeit mit jungen Menschen

Damit stieß er immer mehr Projekte an und arbeitete auch mit einigen Jugendlichen zusammen, dadurch wuchs das Interesse an seinen Forschungen und es wurden immer mehr Menschen, die sich ebenso engagieren wollten. So entstand dann ein fester Verein, der sich ausschließlich durch Spenden finanziert und offen für jeden ist, der sich für Geschichte interessiert. Es werde hauptsächlich nach Zeitzeugen gesucht, doch das werde nun immer schwerer, deshalb greife man auch auf Kinder und Enkel zurück, die jetzt die Geschichte ihrer Familie erzählen. Durch Zeitzeugenberichte und Archivarbeit würden dann beispielsweise Broschüren erstellt oder eben Ausstellungen gestaltet. Ein weiteres Projekt waren zum Beispiel die Freiberger Stolpersteine, die an je eine jüdische Familie aus Freiberg erinnern und in der ganzen Stadt auf den Gehwegen verteilt sind.

Außerdem gibt es bald schon eine weitere Ausstellung in der Kornhaus-Bibliothek in Freiberg zu besichtigen. Sie zeigt, wie die Frauen und Mädchen, die im KZ-Außenlager in Freiberg inhaftiert waren die Befreiung nach dem 2. Weltkrieg erlebt haben. Dies wird wieder anhand von Einzelschicksalen und persönlichen Berichten erklärt, denn jedes dieser Schicksale sei es wert gehört zu werden. Anna Engel erklärt zum Schluss, dass der "Freiberger Zeitzeugnis e.V" durch diese Art von Aufklärung versucht die Menschen zusammen zu bringen und sie hofft, unsere Gesellschaft dadurch zumindest ein kleines Stück besser zu machen.