Wenn ein Dorf zusammensteht: Familien kämpfen mit Herz für die Kita Schweikershain

Mit Flyern, Plakaten, Aufklebern und einer Petition mobilisiert die Elterninitiative Schweikershain die gesamte Gemeinde. Wie es weitergeht, könnte sich bald entscheiden. Am 18. März um 18 Uhr findet eine Einwohnerversammlung im Landgasthof Crossen statt.

Erlau/OT Schweikershain

Es ist ein kleines Stück Papier – doch für viele Familien in Schweikershain steht viel mehr dahinter. Kati Heidenreich von der „Elterninitiative Schweikershain“ überreicht einen Flyer an Prof. Andreas Schramm. Der ehemalige Landrat von Mittweida nimmt ihn aufmerksam entgegen. Das Gespräch, das folgt, ist geprägt von Erfahrung, Sorge – und Hoffnung.

Das Foto dieses Moments steht sinnbildlich für den aktuellen Einsatz vieler Bürger: Die Menschen im Ort kämpfen für den Erhalt ihrer Kita.

Protest mit vielen Stimmen

Der Einsatz der Elterninitiative ist inzwischen im ganzen Ort sichtbar.

Über 1.600 Menschen haben eine Online-Petition für den Kita-Erhalt unterschrieben.

430 Stimmen stammen direkt aus der Gemeinde Erlau mit ihren rund 3.100 Einwohnern.

Auch im Straßenbild wird der Protest sichtbar:

Plakate hängen an Zäunen und Laternen, Autos fahren mit Frosch- und Fuchs-Aufklebern durch die Gemeinde – liebevolle Symbole für die Kinder der Kita.

Besonders auffällig ist eine große Werbefläche an der S200 zwischen Neuwallwitz und Holzhausen, die für mehrere Tage auf das Anliegen aufmerksam macht.

Zudem verteilen Mitglieder der Initiative Flyer an alle Haushalte der Gemeinde, um möglichst viele Bürger über die Situation zu informieren.

Eine Kita mit Geschichte – und mit Zukunft?

Für Kati Heidenreich ist die Einrichtung nicht nur ein Betreuungsort. Die Mutter von zwei Kindern lebt mit ihrer Familie in Schweikershain. Schon als Kind besuchte sie selbst die Kita im Ort. Heute geht eines ihrer Kinder dort in die Betreuung – und auch ihr zweites Kind soll später diese Möglichkeit haben.

Besonders schätzt sie die familiäre Atmosphäre der Einrichtung. Ein wichtiger Bestandteil ist die altersgemischte Betreuung, die den Kindern hilft, soziale Kompetenzen zu entwickeln und voneinander zu lernen.

Kooperation mit dem Pflegeheim als Besonderheit

Ein weiteres besonderes Merkmal ist die Kooperation mit dem ortsansässigen Altenpflegeheim. Bei gemeinsamen Begegnungen kommen Jung und Alt miteinander ins Gespräch – ein Austausch, der für beide Generationen wertvoll ist.

Für Heidenreich ist deshalb klar: Die Kita gehört zur Identität des Ortes.

Ihre Familie ist seit mehreren Generationen tief mit Schweikershain verwurzelt. Der mögliche Verlust der Einrichtung würde für viele Familien weit über organisatorische Fragen hinausgehen.

Politische Erfahrung trifft Engagement der Eltern

Der Mann, dem sie den Flyer überreicht, kennt die kommunalpolitischen Entwicklungen der Region wie kaum ein anderer.

Prof. Andreas Schramm lebt seit 1985 in Schweikershain und war von 1990 bis 2008 Landrat in Mittweida. Aus dieser langjährigen Erfahrung weiß er, welche Bedeutung Einrichtungen wie Kitas und Schulen für die Entwicklung einer Gemeinde haben.

In dem Gespräch betont er, dass gerade im ländlichen Raum Investitionen in Infrastruktur entscheidend für die Zukunft seien.

Wenn Gemeinden attraktive Rahmenbedingungen schaffen – etwa durch Bauplätze und eine stabile Infrastruktur – könne das auch junge Familien von außerhalb anziehen. Mehr Zuzug bedeute wiederum mehr Kinder für Kitas und Schulen und helfe, einer Überalterung der Gemeinde entgegenzuwirken.

Gleichzeitig erinnert Schramm an Erfahrungen aus der Vergangenheit.

Gerade in den 1990er-Jahren seien vielerorts Schulen geschlossen worden, weil die Zahlen kurzfristig rückläufig waren. Später habe man diese Einrichtungen teilweise wieder dringend gebraucht.

„Einrichtungen schließen geht schnell – manchmal zu schnell“, sagt er sinngemäß.

Wunsch nach neuen Ideen statt Schließung

Für Kati Heidenreich geht es nicht nur um den Erhalt eines Gebäudes.

Sie beobachtet, dass andere Gemeinden und Städte andere Wege gehen. Dort würden alternative Konzepte entwickelt und Kompromisse gesucht – teilweise mit dem Ergebnis, dass die Nachfrage nach Kita-Plätzen sogar höher ist als die vorhandenen Kapazitäten.

Von ihrer eigenen Gemeinde wünscht sie sich vor allem:

  • transparente Kommunikation
  • ein Konzept zur Stärkung der Attraktivität der Gemeinde
  • mehr Perspektiven für junge Familien, Zuzügler und Gewerbe

Denn mit neuen Einwohnern und wirtschaftlicher Entwicklung kämen auch mehr Kinder – und damit wieder mehr Bedarf für Kitas und Schulen.

Das Ziel der Elterninitiative ist klar formuliert: Alle drei Kita-Standorte der Gemeinde sollen erhalten bleiben.

Ein wichtiger Termin für die Gemeinde

Wie es weitergeht, könnte sich bald entscheiden.

Am 18. März um 18 Uhr findet eine Einwohnerversammlung im Landgasthof Crossen statt. Dort soll über die Zukunft der Kindertagesstätte Schweikershain gesprochen werden.

Auch Kati Heidenreich will an diesem Abend vor Ort sein.

Für viele Bürger ist die Veranstaltung eine wichtige Gelegenheit, ihre Meinung einzubringen.

Denn eines ist in Schweikershain derzeit deutlich zu spüren: Die Zukunft der Kita bewegt den ganzen Ort. Und auch die Gemeinden darüber hinaus.

Habt ihr eine Meinung zu diesem Artikel oder einen Fehler entdeckt? Dann weist uns gern darauf hin.

Auch interessant für dich