Karneval ist sprachlich ein kleines Rätsel mit Konfetti im Wörterbuch. Ganz sicher ist man sich bis heute nicht, woher das Wort genau stammt. Häufig wird ein lateinischer Ursprung vermutet, etwa „carne levare“, was so viel bedeutet wie „Fleisch wegnehmen“. Das passt prima zur Zeit kurz vor der Fastenzeit, wenn Aschermittwoch schon um die Ecke lugt. Doch an Weiberfastnacht wird noch einmal gelebt, gelacht und gefeiert.
Historisch ist das Ganze sogar ziemlich frech. Die Vorstellung, Frauen hätten an diesem Tag das Sagen, reicht gedanklich bis ins Mittelalter zurück und war damals ungefähr so wahrscheinlich wie ein Bürgermeister ohne Terminkalender. Die moderne Weiberfaschingsvariante führt ins 19. Jahrhundert nach Beuel bei Bonn. Dort machten Wäscherinnen ihrem Ärger Luft, weil die Männer lieber Karneval feierten, statt die saubere Wäsche pünktlich auszuliefern.
Die berühmte Krawatte kommt erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts dazu. Sie gilt als Symbol für Rang und Wichtigkeit und wird an Weiberfasching kurzerhand zur Beute. Kein Drama, nur ein klares Zeichen. Heute wird Macht geteilt. Oder wenigstens in handliche Streifen geschnitten. So mancher Mann in Amt, Bank oder Chefetage hat Weiberfasching schon vergessen und dabei die teure Lieblingskrawatte eingebüßt.
Konfettiüberfall im Freiberger Rathaus
Am heutigen 12.02. wurde auch in Freiberg der Weiberfasching standesgemäß eröffnet. Eine weibliche Abordnung des Freiberger Karnevalclubs FKK rückte am Vormittag an, bewaffnet mit sehr, sehr viel Konfetti und einem beneidenswerten Spürsinn für Bürgermeister. Bürgermeister Martin Seltmann sowie Büroleiter Philipp Preißler waren nicht nur auffindbar, sondern sogar vorbereitet, mit frischen Pfannkuchen und ein bisschen Prosecco für die Damen.
Doch Tradition ist Tradition. Trotz guter Verpflegung mussten die Herren ihre Krawatten „zum Verschnitt“ hergeben. Anfangs gab es Drama, denn die Schere war stumpf. Aber wie bei jeder großen Revolution gilt, man wächst an seinen Werkzeugen. Nach einem typisch witzigen Weiberfasnachtsgespräch zog die Truppe in bestem Einvernehmen wieder ab, während sich die Putzkräfte innerlich schon auf eine Extraschicht einstellten.
Damit ist der Startschuss gefallen. Heute Abend geht es weiter mit Weiberfasching im Tivoli, morgen lockt der Büttenabend, und am Samstag steigt die große Karnevalsfete. Restkarten gibt es noch, aber wer zu lange wartet, guckt am Ende nur der abgeschnittenen Krawatte beim Ausfransen zu.
Glücki Glück! Au1 Auf!
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