Wenn Zahlen über Kinder entscheiden: Eltern kämpfen um den Erhalt ihrer Kita in Mittelsachsen

Mögliche Kita-Schließung in der Gemeinde Erlau sorgt für Protest

Erlau

In der Gemeinde Erlau im Landkreis Mittelsachsen sorgt die mögliche Schließung einer Kindertageseinrichtung für wachsende Unruhe. Konkret betroffen wäre die Kita im Ortsteil Schweikershain, einem Dorf nördlich von Chemnitz, nahe Mittweida und Rochlitz.

Ein Beschluss zur Schließung liegt bislang nicht vor. Dennoch laufen innerhalb der Gemeindeverwaltung Überlegungen zur künftigen Kita-Struktur, die bei Eltern auf deutlichen Widerstand stoßen.

Gespräche im Vorfeld

Am 27. Januar fand im Vorfeld eines Elternabends ein Gespräch im kleinen Kreis statt. Daran nahmen der Bürgermeister, die Kämmerin sowie drei Elternvertreter teil.

Nach Angaben der Eltern wurden dabei mögliche Szenarien angesprochen, konkrete Kostenvergleiche der einzelnen Einrichtungen konnten jedoch nicht vorgelegt werden.

Die Auslastungszahlen wurden zum Elternabend am 29. Januar aufgeführt.

Elterninitiative und Petition

Am 30. Januar gründeten Eltern eine Initiative zum Erhalt der Kita und starteten die Online-Petition

„Unsere Kita muss bleiben – für den Erhalt der Kita Schweikershain!“.

Innerhalb weniger Tage gewann die Petition annähernd tausend Unterstützer.

Unterstützung seitens der Eltern

Die Eltern betonen ihre Bereitschaft, selbst Verantwortung zu übernehmen – unter anderem durch Spendenaktionen, Sponsorensuche sowie Reinigungs-, Garten- und kleinere Sanierungsarbeiten in Eigenleistung. Unterstützung erhalten sie von Felix Wellmann, der sich bereits gegen die Schließung einer Kita in Frankenberg erfolgreich engagiert hatte.

Öffentliche Position der Gemeinde

Am 3. Februar erklärte die Gemeindeverwaltung Erlau, man befinde sich weiterhin in der Entscheidungsfindung. Die Eltern seien informiert, Argumente seien ausgetauscht worden. Weitere Auskünfte an die Presse wolle man in dieser Phase nicht geben.

Die endgültige Entscheidung liegt beim Gemeinderat der Gemeinde Erlau; ein entsprechender Beschluss wurde bislang nicht gefasst.

Kritik an Transparenz

Zentraler Kritikpunkt der Eltern ist die fehlende Transparenz. Bemängelt wird unter anderem, dass:

  • keine Kosten- und Wirtschaftlichkeitsvergleiche der drei gemeindlichen Kitas vorgelegt wurden,
  • öffentlich über eine Umverteilung der Kinder nach Milkau und Erlau gesprochen werde, obwohl es noch keinen Beschluss gibt,
  • pädagogische Fachkräfte sich offenbar nur eingeschränkt äußern können.

Als mögliche Gründe für die Überlegungen werden steigende Kosten und sinkende Kinderzahlen genannt. Konkrete Zahlen der Gemeinde sind bislang nicht öffentlich zugänglich.

Wenn Zahlen auf Kinder treffen

Besonders eindrücklich war eine stille Aktion der Kinder selbst.

Die Gruppen „Frösche“ und „Füchse“ bildeten eine Menschenkette vor ihrer Kita – ihrem „zweiten Zuhause“. Wortlos, aber unübersehbar machten sie deutlich, was für sie auf dem Spiel steht.

„Diese Kita ist kein Gebäude aus Stein. Sie ist ein Ort voller Stimmen, Farben und Geschichten“, heißt es aus dem Kreis der Elterninitiative.

„Eine geplante Schließung klingt nach Verwaltung und Zahlen – für Kinder bedeutet sie Abschied, Verlust und Unsicherheit.“

Die Eltern stellen eine grundsätzliche Frage: „Was passiert mit einem Dorf, wenn das Kinderlachen verstummt?“

Und welche Folgen hat es für den ländlichen Raum in Mittelsachsen, wenn soziale Infrastruktur weiter zurückgebaut wird?

Forderung nach Beteiligung

Die Elterninitiative fordert eine offene, transparente und wirtschaftlich fundierte Entscheidungsfindung und die ernsthafte Prüfung von Alternativen zur Schließung.

Für viele Familien steht nicht nur ein Betreuungsplatz, sondern ein zentraler Bestandteil des dörflichen Lebens auf dem Spiel. Die Petition ist hier abrufbar.

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