Wie geht es weiter mit den "Männelmachern" in Gahlenz?

Holzkunst Drechslerbetrieb fehlt der Nachwuchs

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Arndt Winkler schaut ein wenig skeptisch auf die neuesten Engel der bekannten Sternkopf-Serie. Wer wird sie künftig drechseln? Foto: Ulli Schubert

Gahlenz. Die Freunde der Sternkopf-Engel aus dem Hause Erzgebirgische Holzkunst Gahlenz können sich nach der Messe im August auf neue Musikanten freuen, die sich zu einer stattlichen Schar an Figuren gesellen werden. Sie sitzen dann in einem Stern oder dem Schweif eines Mondes oder aber auch auf einfach auf Holzbänken. So weit so gut, wäre da nicht ein Problem, das Gundolf Berger, einer der beiden Geschäftsführer der traditionsreichen Firma, so beschreibt: "Die Lage spitzt sich insofern zu, dass wir die altersbedingten Abgänge in der Firma nur schwer oder gar nicht ersetzen können."

Viele Fehler nach der Wende

Es fehlt schlicht der Berufsnachwuchs, zumal es für das Kunsthandwerk auch einer gewissen Begabung bedarf. "Es wurden ja nach der Wende einige Fehler gemacht. Einer war, dass Fachleute mit 50 Jahren in Rente geschickt wurden. Bei uns waren das vier alteingesessene Meister, deren Wissen und Fähigkeiten uns fehlten. Wir haben lange gebraucht, das aufzuholen."

Heute sei die Situation ähnlich und nicht nur in der Holzkunst, sondern nahezu in allen Handwerksbetrieben, so Gundolf Berger. "Viele Mitarbeiter, die mit uns in die Selbstständigkeit starteten, nähern sich dem Rentenalter." Arndt Winkler hat dieses schon im vergangenen Jahr erreicht, aber er arbeitet noch immer in der Firma und er teilt die Sorgen seines Chefs.

Fingerspitzengefühl ist entscheidend

Der Drechslermeister kann auf 51 Berufsjahre im Betrieb zurückblicken und er ist jener Mann, der im vergangenen Jahrzehnt viel Herzblut in die Entwicklung der Sternkopf-Engel steckte. "Du kannst nicht mal schnell ein Teil nach dem anderen herunter drehen, da muss man schon mit Fingerspitzengefühl arbeiten", sagt er, und ein Blick auf die filigranen Teile eines Sternkopf-Engels erklärt, was er meint.

In einem Karton sammelt er die Neuentwicklungen, noch nicht für die Augen der Öffentlichkeit gedacht. Sein größter Wunsch: "Ich würde sehr gern meine Arbeit in die Hände eines Nachfolgers legen, der die Figuren genauso gern herstellt, wie ich." Nur, dieser Nachfolger ist eben nicht in Sicht.