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"Wir sind nun überfordert"

Asyl Nassauer streiten um Unterkunft im Ort

Es ist Dienstagabend in dem Frauensteiner Ortsteil Nassau. Den ganzen Tag hat es geregnet. Vor dem Gebäude des "Nassauer Hofes" sammeln sich die Leute. Nicht jeder darf hinein, nur, wer mit seinem Ausweis belegen kann, dass er im Ort wohnt. Drinnen füllt sich der Saal schnell, die Sitzreihen sind bald belegt, viele werden die nächsten Stunden stehen müssen, andere können nur vor dem Haus die Vorgänge verfolgen.

Die Stimmung ist angespannt, gemächlich ist lediglich das von der Decke tropfende Wasser, welches in einer Plastikwanne aufgefangen wird. Worum geht es, dass scheinbar der gesamte Ort in dem alten Hotel zusammengekommen ist? Aus dem Gebäude soll zum 1. September eine Unterkunft für 88 Asylbewerber gemacht werden, betrieben von der Firma Campanet. Erst vor kurzem wurde darüber informiert, die Einwohner sind, gelinde gesagt, verärgert. Auf ihr Drängen kam es zu der Versammlung. Auf dem Podium haben Vertreter des Landratsamtes und des Betreibers sowie der Polizei Platz genommen. Von der Politik kam der Landtagsabgeordnete Steve Johannes Ittershagen und in der Mitte sitzt Frauensteins Bürgermeister Reiner Hentschel. Im Saal kursiert eine Liste mit etwa 90 Fragen und Forderungen. Wertminderung der Grundstücke wird beklagt und immer wieder die Sicherheit beschworen, welche fehlen würde. "Ein Staat ohne praktische Grenzen braucht sich nicht zu wundern, wenn er sich ein unkalkulierbares Risiko auflädt", sagt Reiner Hentschel unter Beifall. Manch Einwohner verliert hin und wieder die Beherrschung, es wird geschimpft, durchaus auch grenzwertig. Claudia Hetze, Anwohnerin des Hofes, formuliert die Sorgen aus. "Wir wurden überfahren und sind nun überfordert", sagt sie. "Es sollten mehr vorhandene Strukturen beachtet werden." Man sehe zwar die Realitäten, aber es müsse ein vertretbarer Rahmen bleiben. Nun soll die Unterkunft erst zum 1. Oktober kommen, die Anzahl der künftigen Einwohner überprüft werden, ebenso die technische Tauglichkeit des Gebäudes, in dem es an vielem fehle. Auch das Gespräch mit den Einwohnern soll bei einer weiteren Versammlung übernächste Woche am Leben gehalten werden.



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